Bernardo Bertolucci | Bildquelle: picture alliance / dpa

Italienischer Regisseur Bernardo Bertolucci ist tot

Stand: 26.11.2018 13:38 Uhr

Bernardo Bertolucci ist im Alter von 77 Jahren in Rom gestorben. Filme wie "Der letzte Kaiser und "Der letzte Tango in Paris" machten ihn berühmt. Um letzteren aber gibt es bis heute Diskussionen.

Von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Studio Rom

Im Jahr 1988 war Bernardo Bertolucci vielleicht auf dem Höhepunkt seiner Karriere: Sein Film "Der Letzte Kaiser" wurde mit neun Oscars ausgezeichnet, darunter auch für die beste Regie.

Da war der 1941 in Parma geborene Bertolucci längst ein international anerkannter Regisseur. Sein Vater war ein Dichter gewesen, er selbst schrieb in jungen Jahren einige Gedichte, die Pier Paolo Pasolini gefielen. Der machte ihn bei seinem ersten Film zum Regieassistenten und wurde zu einer Art Vaterfigur.

Italienischer Filmregisseur Bernado Bertolucci gestorben
tagesschau 15:00 Uhr, 26.11.2018, Michael Schramm, ARD Rom

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Mehr beeinflusst wurde Bertolucci jedoch vom französischen Film - der Nouvelle Vague. Als er 1962 mit 21 Jahren erstmals Regie führte, seien Journalisten zu ihm gekommen, erzählte er. "Ich hatte noch nie Interviews gegeben, und naiv und brutal, wie das meinem Alter entsprach, sagte ich: Das Interview führen wir natürlich auf Französisch." Die Journalisten seien Italiener gewesen und hätten wissen wollen warum. "Meine Antwort: Weil Französisch die Sprache des Kinos ist."

Filmszene aus ''Der letzte Kaiser'' | Bildquelle: picture-alliance / dpa
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Der Film "Der letzte Kaiser" wurde mit neun Oscars ausgezeichnet.

Ein handfester Skandal

Spätestens 1972 war er auch einem breiteren Publikum bekannt, denn "Der letzte Tango in Paris" war ein handfester Skandal - wegen der recht unverblümten Sexszenen.

Seitdem haftet Bertolucci der Vorwurf an, Frauen spielten in seinen Filmen keine emanzipierte Rolle, letztendlich transportierten seine Filme sogar Frauenverachtung. Die gab es auch im Umgang mit der weiblichen Hauptrolle neben Marlon Brando, Maria Schneider, in einer Szene die eine anale Vergewaltigung darstellt:

"Marlon und ich haben uns angeguckt, und ich habe beschlossen Maria nichts zu sagen. Sie hätte es wahrscheinlich abgelehnt, eine so demütigende Szene zu drehen. Deshalb habe ich sie hereingelegt, nichts gesagt und Marlon machen lassen - bis er ein Stück Butter nimmt und sie damit einschmiert. Die Maria, die "Nein! Nein!" ruft, schreit und sich wehrt, ist die Maria, die sich gegen mich und Marlon wehrt. Dafür hätte ich sie gerne noch um Verzeihung gebeten."

Dazu kam es nicht. Der Film war trotz Zensurversuchen und Aufführungsverboten - oder gerade deshalb - kommerziell höchst erfolgreich und auch im Rückblick hielt ihn Bertolucci für ein Meisterwerk:

"Dieser Film verwirklicht meine Idee vom Kino. Er entrinnt den Händen des Regisseurs, beginnt ein eigenständiges Leben. Und wendet sich in eine Richtung, die niemand mehr kontrollieren kann."

Bernardo Bertolucci, Marlon Brando und Maria Schneider (von links) beim Dreh von "Der letzte Tango in Paris" | Bildquelle: AP
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Dreh von "Der letzte Tango von Paris" im Februar 1973: Seit diesem Film gibt es auch heftige Kritik an Bertoluccis Frauenbild.

Oscars, Golden Globes und ein Goldener Löwe

16 Filme hat Bertolucci zwischen 1962 und 2012 geschaffen. An Auszeichnungen hat es nicht gefehlt: Neben zwei Oscars und zwei Golden Globes wurde er 2007 beim Filmfestival von Venedig mit dem Goldenen Löwen für sein Lebenswerk geehrt.

Zu Italien hatte der selbsterklärte Kommunist lange Jahre ein gespaltenes Verhältnis. Auch deshalb drehte er letztendlich "Der letzte Kaiser": Mit dem Film habe er sich von Italien entfernt, sagte er. Mitte der 1980-Jahre fühlte er sich dort nicht wohl: "Es schien mir ein Land zu sein, das schon den Weg in Richtung Korruption eingeschlagen hatte - was dann noch schlimmer wurde."

In seinen letzten Lebensjahren sah er aber auch wieder Hoffnung für das Italienische Kino und begeisterte sich zum Beispiel für "Gomorrha", Roberto Savinos Film über die Mafia. Er selbst hätte gerne noch einen seiner Filme in 3D gesehen - doch auch dazu fehlte am Ende die Kraft.

Bernardo Bertolucci starb in Rom nach langer Krankheit - im Alter von 77 Jahren.

Bernardo Bertolucci ist tot
Jan-Christoph Kitzler, ARD Rom
26.11.2018 10:43 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 26. November 2018 um 11:00 Uhr.

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