Kinder in einer Schule in Nairobi | Bildquelle: DAI KUROKAWA/EPA-EFE/REX

Bevölkerungswachstum in Afrika "Kein Geld kann die Armut beseitigen"

Stand: 29.03.2019 14:27 Uhr

Afrikas Bevölkerung wächst rasant und soll sich bis 2050 sogar verdoppeln. Auch die Armut steigt, das Wirtschaftswachstum kann nicht mithalten. Experten fordern dringend Maßnahmen.

Von Fabian Mader, BR

Die Kenianerin Maggy bekam ihr erstes Kind mit 16, sie flog von der Schule und kämpft sich jetzt mit Gelegenheitsjobs durch. Heute will sie Jugendliche in ihrem Viertel in Nairobi davon überzeugen, weniger Kinder zu bekommen und vor allem später damit anzufangen. "Ich möchte die anderen hier im Viertel überzeugen zu verhüten - damit sie nicht den gleichen Fehler machen, den ich gemacht habe."

Sie engagiert sich in einem Jugendzentrum in Nairobi - unterstützt von der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung. Gemeinsam mit zwei Freundinnen startet sie von hier auf eine Tour durch das Viertel. Sie nimmt einen Holzdildo, eine große Packung Kondome und Infos zu anderen Verhütungsmitteln mit.

Bevölkerungsexplosion bremsen

Derlei Projekte gebe es noch viel zu selten, sagt Bright Muwador vom Verband evangelischer Kirchen in Afrika (AACC). Der Kontinent habe Milliarden an Entwicklungshilfsgeldern bekommen, aber "kein Geldbetrag kann die Armut beseitigen, wenn wir nicht endlich die Bevölkerungsexplosion bremsen".

Tatsächlich wird sich die Bevölkerungszahl in Afrika bis 2050 verdoppeln. Einige Länder wie Niger werden sich sogar verdreifachen. Eine Chance, die vielen Menschen zu ernähren oder in Jobs zu bringen, gibt es kaum.

Bright Muwador vom Verband evangelischer Kirchen
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Laut Bright Muwador vom Verband evangelischer Kirchen in Afrika könne kein Geldbetrag die Armut beseitigen, wenn man nicht endlich die Bevölkerungsexplosion bremsen würde.

Daher startet nun sogar der evangelische Kirchenverband eine Kampagne, damit Menschen weniger Kinder bekommen. Das Motto "Seid fruchtbar und mehret euch" gelte für Teile Afrikas nicht mehr uneingeschränkt. Verantwortungsvolle Menschen dürften eben nicht mehr Kinder bekommen, als es die Ressourcen ermöglichen, sagt der Verband.

Für Muwador hat Europa sogar "die Pflicht, das Bevölkerungswachstum in Afrika" zu bekämpfen. Denn wenn Menschen in Afrika keine Perspektive auf eine Zukunft sähen, würden sie sich eben über das Mittelmeer durchkämpfen.

Wichtig sind Bildung und Wirtschaftswachstum

Aufklärung ist dabei nur ein Weg, um die Geburtenraten zu senken. Noch wichtiger sind Bildung und Wirtschaftswachstum. Studien zeigen: Frauen bekommen im Schnitt zwei Kinder weniger, wenn sie eine weiterführende Schule besucht haben. Ausgerechnet Bildung habe in der Entwicklungspolitik aber lange Zeit nur eine untergeordnete Rolle gespielt, sagt der Berliner Bevölkerungsforscher Reiner Klingholz.

Die Entwicklungshilfe habe sich zu lange auf die Bekämpfung von Hunger und Krankheiten fokussiert - mit eigentlich großem Erfolg. Viel mehr Menschen in Afrika erreichen heute ein höheres Alter. Diese Erfolge werfen nun aber neue Fragen auf, sagt Klingholz. Die humanitären Hilfen habe man ja aus guten Gründen geleistet, "um zu verhindern, dass die Menschen sterben. Aber man muss nicht nur verhindern, dass sie sterben, sondern sie auch befähigen, dass sie sich um ihre eigene Zukunft kümmern". Man könne das den "Fluch der guten Tat" nennen.

Wenige deutsche Unternehmen investieren

Das Entwicklungshilfeministerium verweist gegenüber dem ARD-Politmagazin "report München" auf zahlreiche Projekte, die Bildung in Afrika fördern sollen - auch die wirtschaftliche Zusammenarbeit soll enger werden. Der Erfolg ist bisher aber überschaubar. Nach wie vor investieren weniger als ein Prozent der exportorientierten deutschen Unternehmen in Afrika. Und die Geburtenraten gehen langsamer zurück als das in anderen Entwicklungsländern der Fall war, etwa in Asien.

Maggy aus Nairobi
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Maggy will Jugendlichen helfen, sich mehr Gedanken über die Größe ihrer Familie zu machen.

Um das endlich zu ändern, will die Kenianerin Maggy Jugendliche in ihrem Viertel in Nairobi dazu bringen, sich mehr Gedanken über die Größe ihre Familie zu machen und vor allem an Verhütung zu denken.

Am Rande der Straße stehen Jungs herum, sie beäugen sie kritisch. Maggy geht auf sie zu, zieht ein Kondom über den Holzdildo. Sie erntet Gelächter. Aber dann kann sie einen der Jüngsten doch überzeugen, er nimmt gleich eine ganze Packung mit. Am Ende des Tages hat sie alle Kondome verteilt und über andere Verhütungsmethoden informiert. Sie hoffe, dass die Jugendlichen  "die Verhütungsmethoden auch nutzen und ihre Familien planen".

Mehr dazu heute Abend um 21.45 Uhr im ARD-Politmagazin "report München".

Über dieses Thema berichtete die ARD in "Report München" am 19. März 2019 um 21:45 Uhr.

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