Amazon-Chef Bezos | Bildquelle: AFP

Vorwurf gegen Saudi-Arabien Hackte bin Salman Bezos' Handy?

Stand: 22.01.2020 07:53 Uhr

Vom WhatsApp-Account des saudischen Kronprinzen bin Salman aus soll das Smartphone von Amazon-Chef Bezos gehackt worden sein. Das berichtet der "Guardian". Gehen Enthüllungen über Bezos darauf zurück?

Sollte der Bericht stimmen, wäre es ein Lauschangriff der ganz besonderen Art: Nach Informationen der britischen Tageszeitung "Guardian" ist das Handy von Amazon-Chef Jeff Bezos gehackt worden - mit einer infizierten Nachricht, die vom persönlichen WhatsApp-Account des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman geschickt worden sei.

Dem Bericht zufolge hätten Bezos und bin Salman zu der Zeit einen "scheinbar freundlichen Austausch" miteinander gepflegt, bis Bezos am 1. Mai 2018 ein mit Malware infiziertes Video von dem Account erhalten habe. Daraufhin seien innerhalb von wenigen Stunden große Datenmengen abgesaugt worden, schreibt der "Guardian" weiter. Um welche Art von Daten es sich dabei gehandelt habe und was mit ihnen danach geschehen sei, sei nicht bekannt. Das Blatt beruft sich auf nicht näher genannte Informanten.

Saudi-Arabien wies die Darstellung der Zeitung umgehend zurück und bezeichnete sie als "absurd".

Jeff und MacKenzie Bezos. | Bildquelle: REUTERS
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Ihre Ehe zerbrach nach Zeitungsenthüllungen: Jeff und MacKenzie Bezos.

Suche nach Motiven

Was das Motiv hinter dem Angriff gewesen sein könnte, ist noch unklar. Nach Einschätzung des "Guardian" könnte der Fall Fragen darüber aufwerfen, wie wenige Monate später Informationen über Bezos' Eheleben an die Öffentlichkeit gerieten.

Rund neun Monate später hatte das US-Boulevardblatt "National Enquirer" Details über eine außereheliche Affäre Bezos' veröffentlicht und dabei auch aus Textnachrichten zitiert. Die Eheleute Bezos trennten sich daraufhin und ließen sich scheiden. Nach Darstellung der Zeitung hatte sie ihre Informationen aus dem Umfeld der Freundin von Bezos erhalten. Ein von Bezos beauftragtes Ermittlerteam sei aber zu der Überzeugung gelangt, dass bei dem Angriff auf Bezos' Smartphone auch private Informationen erbeutet worden seien.

Die britische Zeitung schreibt auch, außenpolitische Experten seien überzeugt, dass der Lauschangriff im Zusammenhang mit der kritischen Berichterstattung der Zeitung "Washington Post" über Saudi-Arabien stehe. Bezos ist Eigner der "Post", die in den USA zu den bedeutendsten Tageszeitungen gehört. Möglicherweise habe bin Salman gehofft, die Berichterstattung so beeinflussen zu können.

Für die "Washington Post" arbeitete damals auch der saudische Regimekritiker Jamal Kashoggi. Er wurde im Oktober 2018 im saudischen Konsulat in Istanbul ermordet, seine Leiche wurde bis heute nicht gefunden. Es gab Vorwürfe, bin Salman habe den Mord an seinem Kritiker selbst angeordnet. Das bestreitet Saudi-Arabien. Im vergangenen Dezember wurden fünf Männer von einem Gericht in der saudischen Hauptstadt Riad deshalb zum Tode verurteilt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Januar 2020 um 09:00 Uhr.

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