Jeff Bezos und Mohammed bin Salman, Archivbild | Bildquelle: AFP

UN fordern Untersuchung Prinz bin Salman unter Spionageverdacht

Stand: 22.01.2020 16:28 Uhr

Laut dem "Guardian" soll Saudi-Arabien das Handy von Amazon-Chef Bezos gehackt haben. Das Land streitet das ab, doch UN-Experten halten die Vorwürfe für glaubwürdig. Sie fordern eine sofortige Untersuchung.

Nach Berichten über einen möglichen Hacker-Angriff auf den "Washington Post"-Besitzer und Amazon-Gründer Jeff Bezos haben UN-Experten eine Untersuchung gefordert. Dabei müssten US- und andere relevante Behörden ermitteln, ob der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman persönlich in Versuche involviert sei, vermeintliche Gegner ins Visier zu nehmen. Das teilten die unabhängige Menschenrechtsberichterstatterin für willkürliche Hinrichtungen, Agnes Callamard, und ihr für Meinungsfreiheit zuständiger Kollege, David Kaye, mit.

"Relevante Hinweise" im Fall Khashoggi

"Die Information, die wir bekommen haben, deutet auf die mögliche Beteiligung des Kronprinzen an der Überwachung von Bezos hin", schrieben Callamard und Kaye. Diese Hinweise seien für die Ermittlungen zum Tod des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi relevant.

Callamard hatte bei einer Untersuchung der Umstände der Ermordung von Khashoggi "glaubwürdige Beweise" gefunden, die ihrer Ansicht nach auf eine Verantwortung hochrangiger saudi-arabischer Vertreter einschließlich des Kronprinzen hindeuteten. Sie verlangte in ihrem Bericht dazu an den UN-Menschenrechtsrat im Juni 2019 weitere Ermittlungen.

Die Zeitung "Guardian" hatte berichtet, das Handy von Bezos sei 2018 gehackt worden, womöglich durch eine verschlüsselte WhatsApp-Nachricht, die offenbar vom persönlichen Konto des Kronprinzen gesendet worden sei.

Saudi-Arabiens Außenminister Prinz Faisal bin Farhan Al-Saud nannte es "absurd", dass der Kronprinz verwickelt sei. "Der Gedanke, dass der Kronprinz Jeff Bezos' Telefon hacken würde, ist absolut lächerlich", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos. Sein Land werde die Anschuldigungen untersuchen, wenn dazu Beweise vorgelegt werden.

Zusammenhang mit "Washington Post"-Berichterstattung?

Laut dem "Guardian" sind außenpolitische Experten davon überzeugt, dass der Lauschangriff im Zusammenhang mit der kritischen Berichterstattung der Zeitung "Washington Post" über Saudi-Arabien stehe. Bezos ist Eigner der "Post", die in den USA zu den bedeutendsten Tageszeitungen gehört und für die auch Khashoggi gearbeitet hatte. Möglicherweise habe bin Salman gehofft, die Berichterstattung so beeinflussen zu können.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Januar 2020 um 17:00 Uhr.

Darstellung: