Der demokratische Präsidentschaftsbewerber Joe Biden unterhält sich bei einem Bürgertreffen im US-Staat Iowa mit einem 83-jährigen Mann. | Bildquelle: REUTERS

US-Bundesstaat Iowa Biden nennt Wähler "verdammten Lügner"

Stand: 06.12.2019 09:56 Uhr

Ein 83-Jähriger hat den demokratischen US-Präsidentschaftsbewerber Biden zur Weißglut getrieben. Der Mann stellte bei einem Bürgertreffen konkrete Fragen zur Ukraine-Affäre. Es folgte ein scharfer Schlagabtausch.

Der demokratische Präsidentschaftsbewerber Joe Biden ist im US-Staat Iowa mit einem Wähler aneinandergeraten. Anlass des verbalen Schlagabtauschs bei einem Bürgertreffen in New Hampton war die Ukraine-Affäre und die Vorbereitungen für ein Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Donald Trump. Ein 83-jähriger Ex-Farmer fragte Biden, warum dessen Sohn Hunter einen lukrativen Posten im Vorstand einer ukrainischen Erdgasfirma angenommen habe, während er, Biden, damals als Vizepräsident für die Beziehungen zwischen Kiew und Washington zuständig gewesen sei.

Und die Fragen des Mannes gingen weiter: Wenn Hunter vom Einfluss seines Vaters habe profitieren können, wie könnten die Demokraten dann Trump vorwerfen, dass er zum eigenen politischen Vorteil die ukrainische Regierung zu Ermittlungen gegen die Bidens gedrängt habe?

83-Jähriger lässt nicht locker

Biden reagierte ungehalten. "Sie sind ein verdammter Lügner, Mann, das stimmt nicht", sagte er. Der Mann ließ jedoch nicht locker und warf dem Präsidentschaftsbewerber vor, "nicht viel mehr Rückgrat zu haben als Trump." Als der Mann Biden dann sagte, dass er ihn nicht wählen würde, entgegnete der Gescholtene knapp: "Ich wusste, dass Sie mich nicht wählen würden."

Er befürchte zudem, dass der 77-jährige Biden zu alt fürs Weiße Haus sei, legte der 83-Jährige nach. Dies ließ der Bewerber nicht auf sich sitzen und forderte ihn prompt zu einem Liegestützen-Wettbewerb und einem Intelligenztest auf.

Hunter Biden neben seinem Vater Joe | Bildquelle: REUTERS
galerie

Joe Biden mit seinem Sohn Hunter: Hat der Sohn beruflich von dem ehemaligen Posten seines Vaters profitiert?

Biden bestreitet, überreagiert zu haben

Später bestritt Biden, die Fassung verloren zu haben. Er habe den Äußerungen des Mannes nur Einhalt gebieten wollen. Zudem wies er darauf hin, dass er während der Auseinandersetzung von Teilnehmern Applaus bekommen habe. Er wisse schon, dass Trump auf der Geschichte um seinen Sohn Hunter in einem "noch fieseren" Hauptwahlkampf 2020 herumreiten werde.

Biden schließt derzeit eine achttägige Tour durch Iowa ab, wo im Februar 2020 der Vorwahlreigen der Demokraten beginnt. Bei Auftritten zeichnete er von Trump das Bild eines gefährlichen und sprunghaften Oberkommandierenden. Außerdem veröffentlichte Bidens Team ein Wahlkampfvideo, das zeigt, wie Staatenlenker, die sich offenbar unbeobachtet wähnten, diese Woche bei einem Empfang im Buckingham Palace im Rahmen des NATO-Gipfels in London über Trump herzogen.

Kerry springt Biden bei

Nach dem Streit mit dem 83-Jährigen stellte sich John Kerry, früherer Außenminister und demokratischer Präsidentschaftskandidat von 2004, offiziell hinter die Kampagne von Biden. "Ich habe noch nie zuvor erlebt, dass die Welt jemanden nötiger hätte, der vom ersten Tag mit der unglaublich harten Arbeit beginnen kann, die Welt wieder zusammenzufügen, die Donald Trump zerschmettert hat", hieß es in einer Erklärung Kerrys über Biden.

Beobachtern zufolge dürfte aber Bidens Streit mit dem Wähler in Iowa die jüngsten Wahlkampfmanöver überschatten. Der ehemalige, diskussionsfreudige Farmer sagte Reportern im Nachhinein, dass er die 70-jährige Senatorin Elizabeth Warren als Präsidentin bevorzuge.

Darstellung: