Joe Biden hält eine Rede vor US-amerikanischen Flaggen. | Bildquelle: AP

Proteste in den USA Biden macht Trump für Gewalt verantwortlich

Stand: 01.09.2020 08:13 Uhr

US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden geht Trump scharf an: "Er kann die Gewalt nicht stoppen, weil er sie jahrelang geschürt hat", sagte der demokratische Herausforderer bei einem Wahlkampfauftritt in Pittsburgh.

Zwei Monate vor der Präsidentschaftswahl verschärft Herausforder Joe Biden den Ton. Bei einem Wahlkampfauftritt in Pittsburgh warf er US-Präsident Donald Trump Unfähigkeit und Scheitern vor - in der Corona-Krise, aber auch im Umgang mit den anhaltenden gewaltsamen Protesten im Land. "Er kann die Gewalt nicht stoppen, weil er sie jahrelang geschürt hat", sagte er und warf Trump vor, "die Werte der Nation zu vergiften".

Biden war zuletzt aus den eigenen Reihen dazu gedrängt worden, stärker auf die Unruhen in Portland und anderen Städten einzugehen. Portland hatte sich nach dem Tod des Schwarzen George Floyd zu einem der Brennpunkte der landesweiten Unruhen entwickelt. Zuletzt mündeten friedliche Proteste wiederholt in Plünderungen und Gewalt. Am Wochenende kam es bei Auseinandersetzungen zwischen Demonstrierenden und Trump-Anhängern im Stadtzentrum zu gewaltsamen Zusammenstößen. Ein Mensch wurde getötet.

Die Entwicklung könnte Trump in die Karten spielen

Der Vorfall lässt die Sorge vor einer weiteren Eskalation der Gewalt zwischen rechten und linken Gruppierungen wachsen. Erst am Dienstag vergangener Woche waren am Rande von Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt in der Stadt Kenosha im Bundesstaat Wisconsin zwei Menschen erschossen worden. Als Tatverdächtiger wurde ein 17-jähriger Weißer festgenommen. Der mit einem Schnellfeuergewehr bewaffnete Teenager hatte sich offenbar einer Gruppe von Männern angeschlossen, die nach eigenen Angaben Gebäude vor Angriffen durch Demonstranten schützen wollten.

Die jüngste Entwicklung könnte Trump in die Karten spielen. Beobachter gehen davon aus, dass die Chancen auf eine Wiederwahl Trumps steigen, je weniger der Diskurs sich um die Pandemie dreht. Tatsächlich vermeidet Trump das Thema und spricht stattdessen immer wieder von der Sicherheitslage im Land. Die aktuelle Gewalt bei den Protesten sei nur ein Vorgeschmack darauf, wie es im gesamten Land aussähe, falls Biden die Wahl gewinnt, so Trump.

Biden verschärft den Ton

Biden dagegen argumentiert, die Gewalt sei das Problem der gegenwärtigen Regierung. Dazu kämen Corona, wirtschaftliche Verwüstung, Polizeigewalt und Rassismus. Unter Trump hätten sich die Krisen vervielfältigt. "Glaubt irgendjemand, dass es in den USA weniger Gewalt geben wird, wenn Donald Trump wiedergewählt wird?", fragte Biden. "Er mag glauben, dass ihn die Worte 'Recht und Ordnung' stark erscheinen lassen. Aber sein Unvermögen, seine eigenen Anhänger aufzurufen, nicht weiter wie eine bewaffnete Miliz in diesem Land aufzutreten, zeigt, wie schwach er ist."

Zugleich verurteilte Biden die Ausschreitungen am Rande von Anti-Rassismus-Protesten. "Krawalle sind kein Protest. Plünderungen sind kein Protest. Brandstiftung ist kein Protest. Das ist schlicht und ergreifend Gesetzlosigkeit." Die Verantwortlichen für solche Taten müssten zur Rechenschaft gezogen werden. "Gewalt wird keinen Wandel bringen", sagte der 77-Jährige. "Sie wird nur Zerstörung bringen."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. September 2020 um 12:17 Uhr.

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