Joe Biden schwört den Eid, neben ihm seine Frau Jill | Bildquelle: SAUL LOEB/POOL/EPA-EFE/Shutterst

Biden als US-Präsident vereidigt "Lasst uns neu anfangen"

Stand: 20.01.2021 18:55 Uhr

Die USA haben einen neuen Präsidenten: Vor dem Kapitol in Washington sind der Demokrat Biden und seine Stellvertreterin Harris vereidigt worden. Er werde "ein Präsident für alle Amerikaner sein", versprach Biden.

Joe Biden ist der neue Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Der Oberste Richter der USA, John Roberts, nahm dem Demokraten an der Westseite des US-Kapitols in Washington den Amtseid ab. Zuvor war Bidens Stellvertreterin Kamala Harris als Vizepräsidentin vereidigt worden.

Begleitet wurde Biden von seiner Frau Jill. Sie hielt auch die Bibel in den Händen, auf die der 78-Jährige den Eid schwor. Vizepräsidentin Harris wurde von Verfassungsrichterin Sonia Sotomayor vereidigt. Mit Harris übernimmt erstmals in der US-Geschichte eine Frau die Vizepräsidentschaft. Die 56-Jährige ist zugleich die erste Schwarze in dem Amt.

Biden und Harris | Bildquelle: REUTERS
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Gute Laune beim neuen US-Präsidenten Biden und seiner Stellvertreterin Harris. Beide legten vor dem Kapitol ihren Amtseid ab.

"Präsident für alle Amerikaner"

In seiner Rede zum Amtsantritt rief Biden die Amerikaner zur Einheit auf. Ohne diese könne es keinen Frieden und keinen Fortschritt geben, sondern nur Verbitterung und Ärger, sagte er. Er werde sich mit ganzem Herzen für Einheit und Versöhnung einsetzen. "Ich werde ein Präsident für alle Amerikaner sein", versprach Biden. Das Land habe auch Herausforderungen in der Vergangenheit mit Einheit überwunden. "Lasst uns neu anfangen", sagte er und mahnte, einander zuzuhören.

Er beschwor zugleich die Stärke der amerikanischen Demokratie. "Zu dieser Stunde, meine Freunde, hat sich die Demokratie durchgesetzt." Bidens Vorgänger Donald Trump hatte die Wahl als Betrug dargestellt. "Dies ist der Tag der Demokratie, ein Tag der Geschichte und der Hoffnung auf Erneuerung und Entschlossenheit", so Biden. Es gehe nicht um den Sieg eines Kandidaten, sondern der Herrschaft des Volkes.

Kampf gegen Rassismus

Der neue US-Präsident kündigte einen entschlossenen Kampf gegen Rassismus und "inländischen Terrorismus" an. Er sprach auch die Erstürmung des Kapitols durch Trump-Anhänger Anfang Januar an. "Hier stehen wir, nur wenige Tage, nachdem ein Mob gedacht hat, er könnte Gewalt anwenden, um den Willen der Menschen zum Schweigen zu bringen, die Arbeit unserer Demokratie zu beenden und uns von diesem heiligen Boden zu vertreiben", sagte er. "Es ist nicht geschehen. Es wird niemals geschehen. Nicht heute, nicht morgen, niemals."

Biden wandte sich zudem gegen Falschdarstellungen und Verschwörungstheorien. "Wir müssen die Kultur ablehnen, in der Fakten manipuliert und sogar fabriziert werden", sagte er. Die Amerikaner rief er zu einem Bekenntnis zu Anstand und Rechtschaffenheit auf. Es sei die Pflicht aller, die Wahrheit zu verteidigen und Lügen zu besiegen.

Auch an das Ausland wandte Biden sich: Die USA würden sich unter seiner Präsidentschaft der Welt wieder zuwenden. "Wir werden unsere Allianzen reparieren", sagte er. Den Namen Trumps nannte er in seiner Rede nicht.

Strenge Sicherheitsvorkehrungen

Als 46. und ältester Präsident der US-Geschichte übernimmt Biden die Führung eines tief gespaltenen und von der Corona-Krise gezeichneten Landes. Wegen der Pandemie war anders als bei früheren Vereidigungen diesmal nur ein vergleichsweise kleines Publikum zugelassen. Anstelle von Hunderttausenden Menschen fanden fast 200.000 Flaggen auf der Freifläche zwischen dem Kapitol und dem Lincoln Memorial Platz, die die fehlenden Besucher repräsentieren sollten.

Die Zeremonie am US-Kapitol fand zwei Wochen nach der Erstürmung des Parlamentsgebäudes zudem unter nie da gewesenen Sicherheitsvorkehrungen statt. Die Angst vor neuerlicher Gewalt rund um die Vereidigung war groß. Das Zentrum der US-Hauptstadt wurde weiträumig abgeriegelt. Neben zahlreichen Polizisten waren Tausende Mitglieder der Nationalgarde im Einsatz, die insbesondere das Kongressgebäude schützen sollten.

Trump nicht anwesend

Bidens Vorgänger Trump nahm entgegen der Tradition nicht an der Amtseinführung seines Nachfolgers teil. Bereits Stunden vor der Zeremonie hatte der Republikaner das Weiße Haus verlassen. In einer einer kurzen Abschiedsrede auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrews ließ Trump Biden erneut namentlich unerwähnt. Er wünsche der neuen Regierung Glück und denke, dass sie erfolgreich sein werde, da seine Administration dafür das Fundament gelegt habe. Er werde das Geschehen weiter verfolgen. Seinen Anhängern versicherte Trump, immer für sie da zu sein. "Wir lieben euch. Wir werden wiederkehren - in irgendeiner Form." Anschließend machte er sich gemeinsam mit seiner Ehefrau Melania an Bord der Präsidenten-Maschine Air Force One auf den Weg nach Florida, wo er ein Luxusanwesen besitzt.

Mit einer weiteren, deutlich jüngeren Tradition hatte Trump Medienberichten zufolge überraschenderweise aber nicht gebrochen: Er soll Biden im Oval Office des Weißen Hauses eine persönliche Notiz hinterlassen haben. Über den Inhalt wurde zunächst nichts bekannt.

Mehrere Anordnungen direkt nach Amtsantritt geplant

Bidens Regierung steht vor gewaltigen Herausforderungen, allen voran die Corona-Pandemie. Beratern zufolge will der neue Präsident unmittelbar nach seinem Amtsantritt mehrere Anordnungen in Bereichen der Virus- und der Rassismusbekämpfung, der Wirtschaft und der Klimapolitik unterzeichnen. Dazu zählt den Angaben nach die Einführung einer Maskenpflicht in Regierungsgebäuden. Auch sollen die Weichen gestellt werden für eine Rückkehr der USA in das Pariser Klimaschutzabkommen, aus dem das Land unter Trump ausgetreten war. Biden will zudem eine Reihe anderer umstrittener Beschlüsse seines Vorgängers umgehend kippen. Gleichzeitig muss er versuchen, eine Brücke zu Millionen Trump-Anhängern zu schlagen .

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. Januar 2021 um 20:00 Uhr.

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