Ein Bison aus dem Yellowstone-Nationalpark wird im Reservat Fort Peck in Montana frei gelassen. (Archivbild vom März 2016) | Bildquelle: picture alliance/AP Photo

Bisons in den USA "Keine andere Wahl als das Schlachthaus"

Stand: 01.04.2020 14:35 Uhr

Rund um den Yellowstone Nationalpark leben etwa 5000 Bisons. Weil die Tiere aber zunehmend aus dem Park drängen und Rinder gefährden, greifen Rancher zu drastischen Maßnahmen.

Von Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington

Am Schluss blieben genau 25 Bisons die Lebensgrundlage der Ureinwohner in den Prärien - von mehr als 60 Millionen, die europäische Siedler und Abenteurer im Westen der USA einfach abschossen. "Als die Büffel ausgerottet und die Indianer-Stämme in die Reservate gesperrt waren, öffnete das riesige Ländereien für die Rinderzüchter", sagt Jason Baldes vom Stamm der Shoshonen, der im Bison-Schutzprogramm arbeitet und darüber in einem Fernsehinterview berichtete.

Aus den 25 Bisons in und um den Yellowstone Nationalpark wurden 5000. Sie sind die einzig verbliebenen reinrassigen Tiere - andere im Land sind meist Kreuzungen mit Rindern. Es wären viel mehr, wenn nicht jedes Jahr einige Hundert geschlachtet würden, so wie jetzt wieder einmal - unter großer Kritik von Tierschützern.

Ein Bison aus dem Yellowstone-Nationalpark wird im Reservat Fort Peck in Montana frei gelassen. (Archivbild August 2019) | Bildquelle: picture alliance/AP Photo
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Rund um den Yellowstone Nationalpark leben etwa 5000 Bisons

Angst vor Übertragung von Krankheiten

"Wir waren so erfolgreich, dass die Tiere unser Gebiet verlassen wollen", sagt Rick Wallen, Chefbiologe für Bisons im Yellowstone in einer Dokumentation des Parks. Sie gehen dorthin, wo die Rinder grasen. Dass sie denen Gras wegfressen, wäre zu verschmerzen, aber sie können auch eine Büffelkrankheit übertragen.

Deshalb tun die Rancher alles dafür, dass keine Bisons auf ihr Land kommen. "Bis das Problem gelöst ist, haben wir keine andere Wahl, als sie ins Schlachthaus zu bringen oder die Jagd zu organisieren", sagt Wallen.

Fleisch und Felle gehen an die Stämme der Ureinwohner in der Region, die seit 150 Jahren verbriefte Jagdrechte haben. Jetzt hat sich ein Reservat bereit erklärt, Bisons aufzunehmen. Die ersten 55 wurden im Herbst mit großem Zeremoniell freigelassen.

Ureinwohner wollen wieder jagen

Und es sollen mehr werden, sodass sie später nach Stammestradition gejagt werden können, statt das Fleisch aus dem Schlachthaus zu bekommen. Nur: Die alten Jäger leben nicht mehr, ihre Kunst ist fast vergessen.

"Wir lehren, Büffel zu häuten, das Fleisch zu schneiden und haltbar zu machen - alles in dem Wissen, dass diese Energie in die Stämme zurückfließt", sagt ein Mitglied der "Büffelbrücke" - eine Gruppe von Jägern, die zwischen Naturschutz und Rinderzüchtern Ausgleich schaffen will. Sie bringen den jungen Indianern die alte Kunst wieder bei - auch, um damit zu helfen, die alten Traditionen und spirituellen Rituale wiederzubeleben.

Zu erfolgreicher Tierschutz: Bisons müssen geschlachtet werden
Arthur Landwehr, ARD Washington
01.04.2020 13:18 Uhr

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