Der US-Medienunternehmer Michael Bloomberg | Bildquelle: dpa

US-Präsidentschaftswahl Bloomberg will nicht kandidieren

Stand: 06.03.2019 05:47 Uhr

Der frühere New Yorker Bürgermeister Bloomberg bewirbt sich nicht um die Präsidentschaftskandidatur 2020. Grund für seine Entscheidung sei das riesige Bewerberfeld der Demokraten - und deren Linksruck.

Der Medienunternehmer Michael Bloomberg, einer der reichsten Männer der Welt, wird nicht für die US-Demokraten ins Rennen um das Weiße Haus gehen. Das kündigte der Milliardär in einem Meinungsbeitrag auf der Nachrichtenseite Bloomberg News an. "Ich glaube, ich würde Donald Trump schlagen", schrieb er. "Aber ich habe einen klaren Blick dafür, dass es schwierig ist, in einem solch großen Feld der Demokraten die Nominierung zu schaffen."

Bisher haben sich bereits 14 Frauen und Männer um die Kandidatur der Demokraten bei der Wahl im Jahr 2020 beworben. Darunter sind der Senator Cory Booker aus New Jersey und der 2016 parteiintern Hillary Clinton unterlegene Bernie Sanders als bisher prominenteste Kandidaten. Eine Kandidatur des früheren Vizepräsidenten von Barack Obama, Joe Biden, wird ebenfalls erwartet.

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Diese US-Demokraten wollen Präsident werden

Das Feld der Präsidentschaftsbewerber bei den US-Demokraten wird immer größer:

Das Weiße Haus in Washington

1600 Pennsylvania Avenue, besser bekannt als das Weiße Haus in Washington: Hier würden zahlreiche US-Demokraten gerne ab Januar 2021 ihren Hauptwohnsitz nehmen - als 46. US-Präsident. Die Zahl der Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur wächst und wächst. Noch nie zuvor war das Kandidatenfeld so vielfältig. Ein Favorit aber lässt sich noch nicht ausmachen. Ein Überblick. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Kritik an Trump und Republikanern

Statt einer Kandidatur will Bloomberg, einst Bürgermeister von New York, seine beträchtlichen finanziellen Ressourcen in die "wichtigen Herausforderungen" des Landes stecken, etwa den Kampf gegen Klimawandel, Waffengewalt und die Drogenepidemie in den USA. Außerdem wolle er die Wiederwahl Trumps verhindern, erklärte der 77-Jährige. "Ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass ich Donald Trump für eine Gefahr für unser Land halte", heißt es in der Stellungnahme Bloombergs.

Der selbst ernannte Zentrist nahm auch Trumps Republikaner in die Verantwortung. "Die Republikaner im Kongress erfüllen nicht ihre verfassungsgemäße Pflicht, den Präsidenten zur Rechenschaft zu ziehen."

Vorbereitungen schon weit fortgeschritten

Einem Bericht der "Washington Post" zufolge hatte Bloomberg bereits weitreichende Vorbereitungen für eine mögliche Bewerbung getroffen. So soll er schon Büroflächen für ein Wahlkampf-Hauptquartier in New York ins Auge gefasst haben. Außerdem habe er intensiv Umfragen erstellen und Wahlkampfhelfer anwerben lassen.

Mit einem Einstieg ins Rennen ums Weiße Haus hatte Bloomberg bereits in der Vergangenheit geliebäugelt, allerdings als unabhängiger Kandidat. Im Herbst registrierte sich Bloomberg aber als Demokrat und tourte durch US-Staaten, die traditionell den Vorwahlreigen eröffnen.

Berater wiesen jedoch auf interne Umfragen hin, die Bloomberg einen schweren Stand im dicht gedrängten Feld der demokratischen Bewerber vorhersagten. Dies gelte vor allem dann, wenn Biden, der ähnlich moderate Positionen wie Bloomberg vertritt, auch seinen Hut in den Ring wirft.

Joe Biden | Bildquelle: dpa
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Ex-Vizepräsident Joe Biden will sich im April zu einer möglichen Kandidatur äußern.

Schwerer Stand bei linksorientierter Basis

Mit seinen starken Verbindungen zur Wall Street dürfte Bloomberg zudem Mühe gehabt haben, sich die Nominierung einer Partei zu sichern, deren linksorientierte Basis sich verstärkt für Vielfalt einsetzt. Einige hätten ihm gesagt, dass er seine Ansichten ändern müsse, um Kandidat der Demokraten zu werden, schrieb Bloomberg. "Aber das habe ich meine ganze politische Karriere lang gehört." Er habe jedoch "nie meinen Finger in den Wind gehalten, um zu entscheiden, woran ich glauben soll". Er denke auch nicht, dass es das sei, "was die Wähler von einer Führungspersönlichkeit erwarten".

Das große Bewerberfeld der Demokraten könnte nach Meinung von Experten zur Gefahr für die Partei werden, falls es zu langen Auseinandersetzungen unter den vielen Kandidaten kommen sollte. Parteiinterne Gefechte zehren Ressourcen auf und helfen in der Regel dem Gegenkandidaten. Es sei nun wichtig, dass die Demokraten einen Kandidaten nominierten, "der in der stärksten Position ist, Donald Trump zu schlagen und das Land wieder zusammenzubringen", schrieb Bloomberg.

Über dieses Thema berichteten Deutschlandfunk am 20. Februar 2019 um 12:40 Uhr und MDR aktuell am 06. März 2019 um 09:35 Uhr.

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