Boeing-Chef Muilenberg musste sich auf der Hauptversammlung seines Unternehmens zahlreichen kritischen Fragen stellen. | Bildquelle: JOHN GRESS/POOL/EPA-EFE/REX

Boeing-Hauptversammlung "737 Max wird eines der sichersten Flugzeuge"

Stand: 30.04.2019 04:27 Uhr

Nach den beiden Boeing-Abstürzen mit 346 Opfern steckt die Firma in der Krise. Konzernchef Muilenburg musste sich nun dem Ärger der Aktionäre stellen und gab ein Versprechen ab.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Schon vor Beginn der Hauptversammlung gab es am Veranstaltungsort in Chicago Proteste. Kritische Aktionäre forderten den Rücktritt von Dennis Muilenburg. Und seine erste Pressekonferenz nach den beiden Flugzeugabstürzen beendete der Boeing-Chef abrupt nach nur sechs Fragen. Zuvor hatte Muilenburg die Aktionärsversammlung mit einer Gedenkminute für die 346 Opfer begonnen.

Doch anschließend wollte der Boeing-Chef den Blick nach vorne richten. Sein Unternehmen komme auf dem Weg zur Wiederzulassung der gesperrten 737 Max gut voran. Eine verbesserte Software soll künftig vermeiden, dass die Nase des Flugzeugs aufgrund eines fehlerhaften Sensors nach unten gedrückt wird. Boeing habe bereits 146 Testflüge und 246 Flugstunden mit der neuen Software absolviert.

"Wir wissen, was das Software-Update können muss. Das geht auf unsere Kappe, und wir verbessern es. Das wird das Flugzeug künftig noch sicherer machen. Mit dieser veränderten Software wird die 737 Max eines der sichersten Flugzeuge sein, das je geflogen ist."

Die 737 Max-Reihe Boeings ist vom Verkaufsschlager zum Ladenhüter geworden. | Bildquelle: AFP
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Die 737 Max-Reihe Boeings ist vom Verkaufsschlager zum Ladenhüter geworden.

 Muilenburg um Optimismus bemüht

Der Boeing-Chef vermied es jedoch, die volle Verantwortung für die beiden Flugzeugabstürze zu übernehmen. Mehrfach wies Muilenburg die in Medienberichten zitierte Kritik von Whistleblowern zurück, Boeing habe auf seine Mitarbeiter großen Zeitdruck ausgeübt und schludrige Arbeit in Kauf genommen, um die neuen Flugzeuge möglichst schnell auf den Markt zu bringen.

"Es gibt keine alleinige Ursache, sondern es war eine Kette von Ereignissen. Wir müssen jetzt alle das Ergebnis der Untersuchungen abwarten. Unser Job ist es, uns auf die Sicherheit zu konzentrieren und nicht zu spekulieren."

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So funktioniert das Computersystem der Boeing 737 MAX

Nach den Abstürzen der zwei Boeing-Maschinen des Typs 737 MAX ist das Stabilisierungssystem MCAS im Visier. Laut Ermittlern könnte es eine entscheidende Rolle bei den Unglücken gespielt haben.

Grafik 1: MCAS - Über 14 Grad Steigung droht ein Strömungsabriss

Ein Sensor misst während des Starts den Anstellwinkel. Ist er zu steil, droht ein Strömungsabriss. Jetzt greift das MCAS ein.

Aktionäre fordern Muilenburgs Rücktritt

Ein Teil der Aktionäre gab sich damit nicht zufrieden und forderte den Rücktritt des Boeing-Chefs: "Müssen immer erst 346 Menschen sterben", kritisierte ein Aktionär, "bevor wir herausfinden, dass etwas nicht zuverlässig funktioniert?"

Andere Aktionäre verlangten zumindest, dass Muilenburg seine Doppelfunktion als Vorstandschef und Vorsitzender des Verwaltungsrats aufgeben muss. Doch beide Anträge wurden von der Mehrheit der Aktionäre abgelehnt. Diese schienen eher besorgt, dass die Boeing-Aktie nicht noch mehr als 13 Prozent an Wert verliert. Und ähnlich wie der Boeing-Chef hoffen sie, dass die gesperrten 737 Max möglichst noch im Sommer wieder fliegen dürfen.

Während Boeing eine Schulung am Computer für ausreichend hält, um die Piloten mit der neuen Software vertraut zu machen, fordert der Pilotenverband eine ausführliches Training im Flugsimulator. Dies würde das Comeback des Flugzeugs weiter verzögern.

Pilotenverband kritisiert Nachschulungspläne

Nach dem Software-Update für die 737 Max sind auch Trainings mit der aktualisierten Software vorgesehen. Der Pilotenverband von American Airlines (APA) kritisiert jedoch, diese seien nicht gründlich genug. So hatte etwa ein von der US-Luftfahrtbehörde FAA eingesetztes Expertengremium empfohlen, eine Computerschulung sei ausreichend und ein Simulatortraining nicht notwendig. Der Pilotenverband erklärte dagegen, ein kurzer Computerkurs gebe den Piloten nicht genug Vertrauen, um das Flugzeug wieder guten Gewissens fliegen zu können.

Schadensersazklagen gegen Boeing

Boeing hätte schon vor einem Jahr mehr Zeit und Geld in die Ausbildung der Piloten stecken sollen, kritisiert der Kanadier Paul Njoroge. Er hat beim Absturz der Ethiopian Airlines seine Frau und seine drei Kinder verloren. Jetzt verklagt er Boeing gemeinsam mit anderen Hinterbliebenen auf Schadenersatz.

"Diese sechs Minuten sind für immer in mein Gedächtnis eingebrannt. Ich war nicht da, um ihnen zu helfen. Ich konnte sie nicht retten."

Proteste und kritische Fragen bei Boeing-Hauptversammlung
Martin Ganslmeier, ARD Washington
30.04.2019 05:42 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 30. April 2019 um 07:20 Uhr.

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