Ein bewaffneter Mann läuft durch Wrackteile an der Absturzstelle der Boeing 737 Max 8 in Äthiopien. | Bildquelle: AFP

Boeing-Absturz in Äthiopien Ermittlungen entlasten Crew

Stand: 04.04.2019 11:46 Uhr

Rund einen Monat nach dem Absturz einer Boeing 737 Max 8 in Äthiopien liegen erste Untersuchungsergebnisse vor: Sie untermauern technische Ursachen für das Unglück und nehmen Boeing erneut in die Pflicht.

Der vorläufige Untersuchungsbericht zu dem Absturz einer Boeing 737 Max 8 in Äthiopien sieht keine Fehler bei der Besatzung der Unglücksmaschine. Das teilte die äthiopische Verkehrsministerin Dagmawit Moges mit. Bei dem Absturz im März waren alle 157 Menschen an Bord des Flugzeugs ums Leben gekommen.

Um die Ursache des Absturzes herauszufinden, wurde die Blackbox der Boeing-Maschine ausgewertet. Ein abschließender Bericht wird laut Moges voraussichtlich in einem Jahr vorliegen.

Nase immer wieder nach unten gedrückt

Die Daten des Flugschreibers hätten ergeben, dass die Crew des Flugzeuges alle vorgeschriebenen Schritte unternommen habe, um den Absturz zu verhindern. Es gelang der Besatzung jedoch nicht, das Flugzeug unter Kontrolle zu bringen. Es gebe Hinweise, dass sich die Nase der Boeing 737 Max 8 immer wieder abgesenkt habe, trotz des Versuchs der Piloten, gegenzusteuern.

Das Ermittlerteam empfehle Boeing darum, sein Flugsteuerungssystem zu prüfen, sagte Moges weiter. Auch zuständige Luftfahrtbehörden sollten das System kontrollieren, bevor Maschinen des Typs wieder abheben dürften.

Im Fokus: Das Steuerungssytem MCAS

Bereits nach dem Absturz einer Boeing 737 Max 8 im vergangenen Oktober in Indonesien wiesen erste Untersuchungen darauf hin, dass die Steuerungssoftware MCAS fehlerhaft gearbeitet haben könnte. Auch bei der Lion-Air-Maschine wurde die Nase immer wieder nach unten gedrückt. Das MCAS-System war von Boeing für die Max 8-Reihe entwickelt worden. Bei dem Unglück in Indonesien starben 189 Menschen.

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So funktioniert das Computersystem der Boeing 737 MAX

Nach den Abstürzen der zwei Boeing-Maschinen des Typs 737 MAX ist das Stabilisierungssystem MCAS im Visier. Laut Ermittlern könnte es eine entscheidende Rolle bei den Unglücken gespielt haben.

Grafik 1: MCAS - Über 14 Grad Steigung droht ein Strömungsabriss

Ein Sensor misst während des Starts den Anstellwinkel. Ist er zu steil, droht ein Strömungsabriss. Jetzt greift das MCAS ein.

Boeing hatte nach den beiden Abstürzen angekündigt, das System zu überarbeiten. Die neue Version verzögert sich aber um mehrere Wochen. Anschließend muss die US-Luftfahrtbehörde FAA das überarbeitete System prüfen und freigeben.

Derzeit herrscht ein weltweites Flugverbot für die Boeing 737 Max 8-Reihe. Aber auch die FAA war in die Kritik geraten. Die Behörde soll bei der Zulassung der Max 8-Maschinen nicht genau geprüft haben.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 04. April 2019 um 11:00 Uhr.

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