Islamistischer Terror in Westafrika Frau von Kameruns Vize entführt

Stand: 27.07.2014 16:58 Uhr

Die Terrororganisation Boko Haram operiert zunehmend auch außerhalb von Nigeria. Im benachbarten Kamerun entführten die Islamisten die Frau des Vize-Ministerpräsidenten Amadou Ali. Bei dem Angriff auf das Haus des Politikers seien mindestens drei Menschen getötet worden, sagte ein Regierungssprecher. Der Überfall habe sich in der Stadt Kolofata im Norden des Landes an der Grenze zu Nigeria ereignet.

Boko-Haram-Chef Abubakar Shekau in einem Internet-Video.
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Boko-Haram-Chef Abubakar Shekau in einem Internet-Video. Bislang verübte die Gruppe vor allem in Nigeria Anschläge.

Der Vize-Ministerpräsident selbst sei von Sicherheitskräften in eine andere Stadt gebracht worden. In Kolofata dauerten die Kämpfe von Regierungssoldaten mit den radikal-islamischen Boko-Haram-Kämpfern an. Bei einem weiteren Angriff in Kolofata wurde den Angaben zufolge auch der Bürgermeister, der zugleich das geistliche Oberhaupt der Stadt ist, entführt.

Seit Freitag hatte es bereits mehrere Boko-Haram-Überfälle in Kamerun gegeben. Das Land beteiligt sich mit seinen Soldaten am Kampf gegen die extremistische Sekte, deren Name etwa "Westliche Bildung ist Sünde" bedeutet. Erst unlängst warnten die Vereinten Nationen, dass Boko Haram mittlerweile die Sicherheit in ganz Westafrika gefährde.

Die Terrororganisation kämpft für einen streng islamischen Staat und hat in den vergangenen Jahren Tausende Menschen getötet. Zuletzt hatte die Gruppe mit der Entführung von mehr als 200 Schülerinnen weltweit Aufsehen erregt.

Stichwort: Boko Haram

Die Gruppe Boko Haram kämpft seit ihrer Gründung 2002 für einen islamischen Gottesstaat im muslimischen Norden Nigerias. Immer wieder verübt sie blutige Anschläge auf Kirchen, Schulen, Sicherheitskräfte, Politiker oder Behördenvertreter und entführt Menschen.

Der Name der Gruppe bedeutet in einem örtlichen Dialekt "Westliche Bildung ist eine Sünde". Seit 2010 tragen sie auch den arabischen Namen "ǧamāʿat ahl as-sunna li-d-daʿwa wa-l-ǧihād" - übersetzt etwa "Vereinigung der Sunniten für den Ruf zum Islam und den Dschihad". Die Mitglieder sehen sich selbst als "Nigerianische Taliban". Boko Haram wird verdächtigt, Verbindungen zum nordafrikanischen Arm des Al-Kaida-Netzwerks und zur islamistischen al-Shabaab-Miliz in Somalia zu unterhalten.

Lange galt die Gruppe als internes nigerianisches Problem. Doch mittlerweile schlagen die Terroristen auch in den Nachbarländern Kamerun, Niger und Tschad zu.

Eine Karte mit Kamerun, Nigeria und dem Ort Kolofata, der im Norden von Kamerun an der nigerianischen Grenze liegt.
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Der Ort Kolofata liegt im Norden von Kamerun an der nigerianischen Grenze.

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