Eine Schule in Nigeria, an der mehrere Kinder entführt wurden | Bildquelle: dpa

Nigeria Boko Haram reklamiert Entführung für sich

Stand: 15.12.2020 10:17 Uhr

Nach der Entführung von Hunderten Schülern im Norden Nigerias hat die Terrorgruppe Boko Haram sich zu der Tat bekannt. Noch immer werden Hunderte Kinder und Jugendliche vermisst.

Die islamistische Terrorgruppe Boko Haram hat sich zur Entführung Hunderter Schüler im Nordwesten Nigerias bekannt. "Unsere Brüder stecken hinter der Entführung in Katsina", sagte der Anführer der Gruppe, Abubakar Shekau, in einer Audionachricht, die der Online-Zeitung "Daily Nigerian" zugespielt wurde.

Weit von Boko-Haram-Gebiet entfernt

Die Entführung wurde zunächst bewaffneten Banden zugeschrieben, die die Bevölkerung in der instabilen Region terrorisieren und deren Entführungen zum Alltag geworden sind. Die Tat fand Hunderte Kilometer vom eigentlichen Operationsgebiet von Boko Haram entfernt statt. Normalerweise bewegt sich die Gruppe im Nordosten des Landes rund um den Tschadsee.

Mindestens 333 Schüler vermisst

Der Angriff auf die staatliche Oberschule in Kankara in der Nordregion Katsina hatte sich am vergangenen Freitag ereignet. Dabei schossen zahlreiche bewaffnete Männer mit Maschinenpistolen um sich. Hunderte Schüler flüchteten nach dem Angriff in die umliegenden Wald- und Buschgebiete, andere wurden von den Angreifern verschleppt. Unklarheit herrscht über die genaue Zahl der verschleppten Kinder und Jugendlichen. Die nigerianische Regierung spricht von 333 entführten Schülern. Der Zeitung zufolge sind es aber 668, also etwa doppelt so viele.

Der Gouverneur von Katsina, Aminu Bello Masari, erklärte am Montagabend, die Entführer hätten Kontakt zur Regierung aufgenommen und es fänden Gespräche über die Freilassung der Schüler statt. Mit wem die Regierung verhandelt, teilte Masari nicht mit.

Erhöhte Sicherheitsstufe an Schulen

Präsident Muhammadu Buhari verurteilte den Angriff und ordnete eine erhöhte Sicherheitsstufe an allen Schulen an. Im Bundesstaat Katsina blieben die Schulen vorerst geschlossen. Boko Haram unter der Führung von Shekau war auch für die Entführung von 276 Schülerinnen in Chibok im Jahr 2014 verantwortlich, die weltweit für Empörung sorgte. 

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. Dezember 2020 um 12:00 Uhr.

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