Unterstützer von Carlos Mesa protestieren | Bildquelle: AP

Wahl in Bolivien Morales' Gegner spricht von Betrug

Stand: 22.10.2019 11:04 Uhr

Am Sonntag sah es noch nach einer Stichwahl aus - nun könnte Amtsinhaber Morales doch im ersten Wahlgang gewinnen. Oppositionskandidat Mesa spricht von "Betrug". In mehreren Städten kam es zu schweren Unruhen.

Der bolivianische Präsident Evo Morales kann nach Angaben der Wahlbehörde eine Stichwahl möglicherweise noch verhindern und direkt eine vierte Amtszeit antreten. Oppositionskandidat Carlos Mesa wirft ihm "Betrug" vor. Er kündigte an, das Ergebnis nicht anerkennen zu wollen und rief Bürger und gesellschaftliche Gruppen zum Protest auf. "Sie können uns die Demokratie nicht wegnehmen", sagte Mesa bei einer Zusammenkunft mit Unterstützern in Santa Cruz, einer Hochburg der Opposition.

Unruhen in mehreren Städten

Auch in anderen Städten kamen Mesas Änhänger dem Aufruf nach. In La Paz versammelten sich Tausende Menschen vor dem Hotel, in dem die Wahlbehörde TSE arbeitet. In Tarija und Sucre gab es Ausschreitungen. Aufgebrachte Bürger zündeten Wahlurnen an und steckten Auszählungslokale in Brand. Die Demonstranten lieferten sich Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften.

Wahlbeobachter der Organisation Amerikanischer Staaten äußerten sich "zutiefst besorgt und erstaunt" über die Trendwende bei den Wahlergebnissen. Diese sei nur "schwer zu erklären". Morales selbst bezeichnete sich als absoluten Sieger.

Bolivien: Wahlergebnis löst Proteste aus
tagesschau 09:00 Uhr, 22.10.2019

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Doch keine Stichwahl

Nach der Veröffentlichung von Teilergebnissen am Sonntagabend hatte alles auf eine Stichwahl zwischen dem sozialistischen Amtsinhaber und seinem Rivalen hingedeutet. Laut neuen Teilergebnissen vom Montag sehen die Wahlbehörden den Präsidenten nach Auszählung von etwa 95 Prozent der Stimmen bei 46,9 Prozent, Mesa bei 36,7 Prozent.

Für einen Sieg in der ersten Runde benötigt ein Kandidat nach bolivianischem Wahlrecht entweder mehr als 50 Prozent der Stimmen oder mehr als 40 Prozent und mindestens zehn Punkte Abstand zum Zweitplatzierten. Morales' Vorsprung liegt laut den neuesten Ergebnissen äußerst knapp über der Zehn-Punkte-Marke. Somit müsste er nicht in die Stichwahl.

Boliviens Expräsident Mesa | Bildquelle: dpa
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Mesa stand bereits einmal an der Spitze des Landes. Von 2003 bis 2005 war er Staatschef.

Umstrittene vierte Kandidatur

Bislang hatte Morales, der erste indigene Staatschef des südamerikanischen Landes, alle Präsidentschaftswahlen im ersten Wahlgang gewonnen. Seine Kandidatur für eine vierte Amtszeit ist umstritten. Boliviens Verfassung verbietet eigentlich eine vierte Amtszeit. Das oberste Wahlgericht hatte jedoch im vergangenen Dezember eine erneute Kandidatur des Amtsinhabers genehmigt.

Bolivien: Doch keine Stichwahl? Konflikt um Auszählung
Anne Herrberg, ARD Buenos Aires
22.10.2019 08:26 Uhr

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