Proteste gegen Bolsonaro (Foto: Matthias Ebert, SWR)

Wahl in Brasilien Rechtspopulist gewinnt erste Runde

Stand: 08.10.2018 04:43 Uhr

Der Rechtspopulist Jair Bolsonaro liegt bei der Präsidentschaftswahl in Brasilien nur knapp unter der absoluten Mehrheit. Der Kandidat der Arbeiterpartei landete abgeschlagen auf dem zweiten Platz.

Ex-Militär Jair Bolsonaro hat die erste Runde der Präsidentschaftswahl in Brasilien klar für sich entschieden. Nach Auszählung aller Stimmen kommt der 63-Jährige auf 46,2 Prozent, wie die Wahlbehörden mitteilten.

Damit geht Bolsonaro als Favorit in die Stichwahl am 28. Oktober. Auf Facebook zeigte sich der Kandidat zuversichtlich: "Ich bin mir sicher, dass wir auch die Stichwahl gewinnen. Bis zum Sieg - so Gott will", sagte er in einem Video.

Sein Gegenkandidat ist Fernando Haddad, der für die Arbeiterpartei (PT) antrat. Dieser erreichte laut Wahlbehörden in der ersten Runde 28,97 Prozent der Stimmen. Nach Bekanntgabe des Ergebnisses wandte er sich in drastischen Worten an die Bevölkerung. Die Demokratie sei in Gefahr. Er rief die Brasilianer zur Geschlossenheit auf, um Bolsonaro in der Stichwahl noch zu schlagen.

Fernando Haddad von der Arbeiterpartei (Foto: Matthias Ebert, SWR)
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Fernando Haddad von der Arbeiterpartei

Wahlkampf mit Rassismus und Sexismus

Etwa 147 Millionen Wahlberechtigte waren aufgerufen, einen Nachfolger für den konservativen Staatschef Michel Temer zu wählen. Bolsonaro war als Favorit in die erste Runde gegangen. Die Arbeiterpartei hatte Haddad als Ersatzkandidaten für den inhaftierten Ex-Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva ins Rennen geschickt.

Bolsonaro spricht öfter abfällig über Minderheiten und lobt die Militärdiktatur, die bis 1985 mehr als 20 Jahre lang die Macht in Brasilien inne hatte. Angesichts der ausufernden Kriminalität kommen die Forderungen Bolsonaros, genannt "Trump Brasiliens", nach einer Politik der harten Hand bei vielen Wählern gut an.

Nachdem ein geistig verwirrter Mann Bolsonaro vor einigen Wochen bei einer Wahlkampfveranstaltung mit einem Messer verletzt hatte, war sein Mythos sogar noch weiter gewachsen. Mit seinen frauenfeindlichen Sprüchen und abfälligen Bemerkungen über Afrobrasilianer polarisiert er allerdings auch sehr stark. Zuletzt hatten in mehreren Städten Tausende Menschen gegen den umstrittenen Kandidaten protestiert.

Wenig Begeisterung für Haddad

Arbeiterpartei-Kandidat Haddad, ehemals Bürgermeister von São Paulo, ist zwar nicht so charismatisch wie sein politischer Ziehvater Lula, ein bisschen von seinem Glanz fällt aber auch auf ihn ab. Viele stimmten wohl auch für Haddad, um den Rechtspopulisten Bolsonaro zu verhindern.

Die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas steckt in einer tiefen Krise. Zahlreiche Politiker sind in Korruptionsskandale verwickelt, die Wirtschaft läuft nur schleppend und die Gewalt nimmt immer weiter zu.

Mehr als 60 000 Menschen wurden im vergangenen Jahr getötet - in den Favelas liefern sich Drogenbanden und die Sicherheitskräfte regelmäßig stundenlange Schießereien. Das Land ist tief gespalten.

Bolsonaro stellt sich als Anti-System-Kandidat dar, der mit dem Politzirkus nichts zu tun hat. "Ich werde den Saustall Brasília ausmisten", versprach der Hauptmann der Reserve. Dabei ist der 63-Jährige selbst ein Insider: Seit fast drei Jahrzehnten mischt er in der Politik mit, saß für neun verschiedene Parteien im Parlament. Allerdings wurde er bislang nie mit den großen Korruptionsskandalen in Verbindung gebracht.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. Oktober 2018 um 01:58 Uhr und 04:50 Uhr.

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