Demo von Homosexuellen in Polen | Bildquelle: AFP

Homophobie in Polen Ein deutlicher Brief von 50 Botschaftern

Stand: 28.09.2020 08:40 Uhr

Es ist ein einmaliger Vorgang: 50 Botschafter anderer Länder in Polen haben einen offenen Brief an die Regierung in Warschau verfasst. Darin fordern sie mehr Schutz für Homosexuelle und andere sexuelle Minderheiten.

Botschafter aus 50 Staaten haben an Polen appelliert, die Rechte von Schwulen, Lesben und anderen sexuellen Minderheiten zu respektieren. In einem gemeinsamen offenen Brief, der am Sonntag veröffentlicht wurde, forderten die in Polen tätigen Diplomaten den Schutz dieser Minderheiten vor "verbaler und physischer Misshandlung" sowie vor Hass-Botschaften. Dazu müsse gemeinsam an einem Klima der "Nicht-Diskriminierung, Toleranz und gegenseitigen Akzeptanz" gearbeitet werden.

Unterzeichnet wurde das Schreiben von den Botschaftern fast aller EU-Partnerländer sowie jenen der USA, Kanadas, Israels, Japans und anderer Staaten. Veröffentlicht wurde der Brief von der US-Botschafterin Georgette Mosbacher im Internetdienst Twitter.

Vielsagende Reaktion

Polens stellvertretender Außenminister Pawel Jablonski antwortete via Twitter auf den offenen Brief. Polen stimme der Botschaft voll zu. "Jeder Mensch genießt den gleichen Schutz durch das polnische Recht." Allerdings fügte er gleichzeitig hinzu: "Wir erinnern auch daran, dass nach der polnischen Verfassung die Ehe eine Verbindung zwischen einer Frau und einem Mann ist."

Homophobe Gemeinden

Homophobie ist im streng katholischen Polen immer noch weit verbreitet. Eine Reihe von Gemeinden hat sich dort seit Anfang 2019 zu "LGBTI-freien" Zonen erklärt. Das englische Kürzel LGBTI steht für lesbisch, schwul, bisexuell, transgender und intersexuell. 

Vor einigen Tagen hatte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen scharfe Kritik an der Diskriminierung sexueller Minderheiten in Polen geäußert. Die "LGBTI-freien" Zonen seien "menschlichkeitsfreie" Zonen und hätten "keinen Platz in unserer Gemeinschaft", sagte von der Leyen in ihrer Rede zur Lage der EU am Mittwoch im Europaparlament. Auf die Ausrufung der "LGBTI-freien" Zonen hatte die Kommission bereits reagiert, indem sie sechs polnischen Städten die Teilnahme an subventionierten Städtepartnerschaft-Programmen verwehrte.

Regierung, Hooligans und Kirche hetzen gegen Schwule

Anhänger und Mitglieder der rechtskonservativen polnischen Regierungspartei PiS prangern im Zusammenhang mit progressiver Familienpolitik zudem immer wieder eine vermeintliche "LGBTI-Ideologie" an, gegen die traditionelle Werte verteidigt werden müssten. Auch Präsident Andrzej Duda, der im Juli wiedergewählt wurde, hatte im Wahlkampf mit derartiger Rhetorik Stimmung gemacht. Rückendeckung erhalten sie von der katholischen Kirche in dem Land. 2019 sprach etwa der Krakauer Erzbischof, Marek Jedraszewski, von einer "Seuche in den Farben des Regenbogens".

Und auch militante Hooligans machen Stimmung gegen Homosexuelle - und schrecken dabei auch nicht vor Gewalt zurück. Im Juli 2019 hatten Fans eines Fußballvereins und Schläger eine Demonstration von Schwulen in Bialystok brutal angegriffen und mehrere Menschen verletzt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. März 2020 um 12:10 Uhr.

Darstellung: