Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro wirft vor Medienvertretern eine Schutzmaske in die Luft. | Bildquelle: AP

Brasilien Bolsonaro im Umfrage-Hoch

Stand: 15.08.2020 01:56 Uhr

International steht Brasiliens Präsident Bolsonaro heftig in der Kritik. Auch wegen seines lockeren Umgangs mit der Corona-Pandemie. Doch gerade die Corona-Krise beschert dem Staatschef so gute Umfragewerte wie noch nie.

Von Ivo Marusczyk, ARD-Studio Buenos Aires

Auch für Brasiliens Nachrichtensender sind diese Zahlen etwas überraschend: 37 Prozent Zustimmung für Jair Bolsonaro - so gut hatte der Präsident seit seinem Amtsantritt noch nie in Umfragen abgeschnitten.

Im Ausland wird Bolsonaro heftig kritisiert: Weil er Holzfällern, Rinderzüchtern und Goldwäschern regelrechte Freibriefe erteilt hat, Wälder im Amazonasgebiet abzuholzen. Und weil er die Corona-Pandemie von Anfang an kleingeredet hat und sich immer gegen Kontaktbeschränkungen, Distanzregeln oder Schließungen öffentlicher Orte ausgesprochen hat.

Ein Schwachpunkt wird zur Stärke

Doch bei den Brasilianern kommt die Politik ihres Präsidenten durchaus an. Valdo Cruz, Hauptstadt-Korrespondent von GloboNews sieht den Grund in der relativ großzügigen Corona-Nothilfe: "Die Zustimmung kommt von Leuten, die eigentlich nicht für ihn gestimmt hatten, jetzt aber glücklich über die Corona-Hilfen sind. Wie im Nordosten, wo Bolsonaro um sechs Prozentpunkte zulegen konnte - also in einer Region, die bisher sein Schwachpunkt war."

37 Prozent der Bevölkerung finden seine Amtsführung gut oder sehr gut, wesentlich mehr als bei früheren Umfragen. Der Anteil der Brasilianer, die seine Politik ablehnen sank von 44 auf 34 Prozent, so die neueste Umfrage der "Folha de Sao Paulo", der meistgelesenen Zeitung des Landes.

Bolsonaro punktet mit weniger aggressivem Auftreten

Der Nordosten Brasiliens galt immer als Hochburg der Linken, doch dort sind die Veränderungen in den Umfragen jetzt besonders deutlich. Seit April bekommen 40 Prozent der erwachsenen Bevölkerung die Nothilfe von 600 Real pro Monat. Das entspricht zwar nur knapp 100 Euro, der Betrag ist aber wesentlich höher, als ursprünglich vorgesehen und für viele arme Brasilianer ist das sehr viel Geld. Hinzu kommt: Bolsonaro verteilt nicht nur Geld, er tritt in den vergangenen Wochen auch konzilianter und weniger aggressiv auf.

Bolsonaro-Wähler, die von seinem aggressiven Auftreten abgeschreckt wurden, kommen jetzt zurück, weil er seine Angriffe in sozialen Medien aufgegeben hat, sagt Cruz weiter: "Diese Gruppe gibt ihm nun gute Noten, weil er seinen Ton geändert hat und anders auftritt - besonders, nachdem er und seine Söhne das Ziel von Untersuchungen wurden: beim Obersten Gericht, bei der Bundespolizei. Dass er nun seinen Stil ändert, wirkt sich positiv bei den Wählern aus." 

Wie lange können Nothilfen noch gezahlt werden?

Unzufrieden sind jetzt nur die, die auf eine wirtschaftsfreundliche Politik gesetzt hatten, allen voran Wirtschaftsminister Paulo Guedes. Der kritisiert, das Land werde bald keine Mittel mehr haben, um die Nothilfe weiter zu zahlen. Aus seiner Sicht hätte man von vornherein einen kleineren Betrag festlegen sollen.

Deswegen warnt die Kommentatorin Ana Flor auf GloboNews auch: "Für die einkommensschwachen Gruppen haben sich die Hilfen positiv ausgewirkt. Aber die laufen Ende August nach fünf Raten aus. Die Regierung will sie bis Ende des Jahres verlängern, aber mit einem niedrigeren Wert. Und je mehr man den senkt, desto unzufriedener wird diese Bevölkerungsgruppe."

In der Regierung ist ein offener Streit ausgebrochen, wie lange und in welcher Höhe die Nothilfe weitergezahlt wird. Die Bilanz der Politik fällt gemischt aus. Brasiliens Wirtschaft ist nicht so tief abgestürzt wie die anderer Länder in Südamerika. Aber seit Monaten ist Brasilien das Land, das weltweit nach den USA am schlimmsten von der Pandemie betroffen ist - mit mehr als 3,2 Millionen Infizierten und mehr als 106.000 Toten.

Rekord-Zustimmung für Jair Bolsonaro
Ivo Marusczyk, ARD Buenos Aires
15.08.2020 00:01 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 15. August 2020 um 07:52 Uhr.

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