Der brasilianische Bauer Aurelio Andrade. | Bildquelle: AFP

Kleinbauern am Amazonas Roden, um zu überleben

Stand: 28.08.2019 12:06 Uhr

Die Kleinbauern am Amazonas leben von der Viehzucht. Es ist gängige Praxis, Brände zu legen und Bäume zu roden, um anzubauen und zu säen. Doch geraten die Feuer leicht außer Kontrolle.

 Von Anne Herrberg, ARD-Studio Buenos Aires

Wer Macron oder die G7 sind, weiß Aurelio Andrade nicht. Und vom politischen Streit um die Waldbrände am Amazonas bekommt er nichts mit. Der 65-jährige Bauer lebt inmitten des größten Regenwaldes der Welt, ohne Mobilnetz, irgendwo im Amazonas-Staat Rondônia. Dort hat er den Wald gerodet, darauf ein Haus gebaut, seit 19 Jahren lebt er dort mit seiner Frau, erzählt Andrade den Journalisten der Nachrichtenagentur AFP, die ihn besucht haben.

"Niemand hier hat Unterstützung von der Bundesregierung oder von irgendjemandem, nur von Gott. Deshalb fällen wir mit meinen Freunden Bäume, um Gras für unsere Kühe zu pflanzen, um zu überleben."

Rinder stehen im Rauch | Bildquelle: AP
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Rinder stehen im Jacunda National Forest im Rauch eines der vielen Feuer, die im Amazonas-Gebiet brennen.

Sein Hof besteht aus einem kleinen Zementhaus. Er hält Kühe, Hühner, Schweine, Enten und Pferde. Nach Angaben der Weltbank wird auf 80 Prozent des nutzbar gemachten Landes im Amazonasgebiet Viehzucht betrieben. Vor allem Rinder werden gezüchtet, die auch für den Export bestimmt sind. Umweltschützer werfen den kleinen Siedlern wie Andrade vor, die fehlende staatliche Kontrolle zu nutzen, um immer weiter in den Dschungel einzudringen.

"Es geht nur darum, einige Bäume zu fällen und ein bisschen zu säen. Selbst, wenn du auf brachliegendes Land kommst, musst du dort erst das Unterholz beseitigen, roden, um dort anzubauen und Gras für die Rinder zu säen. Und um Platz für ein Haus zu schaffen, in dem man mit seinen Kindern leben kann. Du kannst ja kein Haus auf einem Baum bauen, als ob du ein Vogel wärst." 

Hoffen auf einen Besitztitel

Es ist eine weit verbreitete Praxis, öffentliches Land zu besetzen, zu roden und darauf zu hoffen, irgendwann von den Behörden einen Besitztitel zugesprochen zu bekommen. Das führt immer wieder zu Konflikten zwischen indigenen Gemeinschaften und den "Eindringlingen". Der Staat selbst hält sich meist raus, die Gesetze werden von den Landbesitzern, den Holzfällern und illegalen Goldgräbern gemacht.

"Alles wird uns in die Schuhe geschoben - uns, den kleinen Leuten. Aber die Abgeordneten, die Politiker und Senatoren, die mehrere Farmen und Ländereien haben, über die wird die schützende Hand gehoben, und den Knüppel bekommen wir ab. Wir dürfen nicht abholzen, aber wir müssen das tun, um etwas pflanzen und davon leben zu können."

Das Feuer, das Bauern wie Andrade legen, um zu roden, gerät gerade jetzt in der Trockenzeit leicht außer Kontrolle. Wenn es einmal auf den Wald übergreift, ist es kaum zu kontrollieren, gibt Andrade zu. Einige Kilometer weiter brennt das Land seines Nachbarn, erzählt der Kleinbauer besorgt. Er hat Angst, dass es nun auch seine Farm erreichen könnte. Er hat nicht einmal ein Telefon, um Hilfe zu rufen.

 

Brasilien: Roden, um zu überleben - Kleinbauern am Amazonas
Anne Herrberg, ARD Buenos Aires
28.08.2019 11:21 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. August 2019 um 08:39 Uhr.

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