Der ehemalige brasilianische Präsident Lula (Archivbild) | Bildquelle: AFP

Präsidentschaftswahl in Brasilien Lula macht Platz für neuen Kandidaten

Stand: 12.09.2018 02:50 Uhr

Brasiliens inhaftiertem Ex-Präsidenten Lula bleibt eine erneute Kandidatur verwehrt - an seiner Stelle soll jetzt Fernando Haddad für die Arbeiterpartei antreten. Der ultrarechte Kandidat Bolsonaro erlebt ein Umfragehoch.

Die brasilianische Arbeiterpartei PT hat ihren Kandidat für die Präsidentschaftswahl ausgetauscht: Anstatt des inhaftierten Ex-Präsidenten Inácio Lula da Silva tritt der bisherige Vizekandidat Fernando Haddad an.

Das gab die PT-Vorsitzende Gleisi Hoffmann in der südbrasilianischen Stadt Curitiba bekannt, wo Lula eine zwölfjährige Haftstrafe wegen Korruption im Gefängnis absitzen muss. Lula hat die Strafe mehrfach als politisch motiviert kritisiert.

Fernando Haddad, Präsidentschaftskandidat der Arbeiterpartei Brasiliens, bei einer Wahlkampfveranstaltung in Curitiba. | Bildquelle: AP
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Fernando Haddad, Präsidentschaftskandidat der Arbeiterpartei Brasiliens, bei einer Wahlkampfveranstaltung in Curitiba.

Lula selbst begrüßt und unterstützt die Kandidatur Haddads. In einem langen Schreiben an seine Unterstützer forderte er diese auf, Haddad zu wählen. "Heute und in Zukunft wird Fernando Haddad der Lula für Millionen Brasilianer sein", schrieb er.

Auf ihrem Twitter-Account schrieb die Arbeiterpartei: "Lula ist Haddad! Haddad ist Lula!"

Haddads Zustimmungswerte verdoppeln sich

Der neue Kandidat selbst zeigte sich bei seiner offiziellen Nominierung bescheiden. Er fühle den Schmerz der vielen Brasilianer, die nun nicht für ihren Wunschkandidaten stimmen könnten, sagte er - "aber jetzt ist nicht die Zeit, den Kopf hängen zu lassen."

Haddads Zustimmungswerte stiegen einer Umfrage vom 10. September zufolge von vier auf neun Prozent. Obwohl das brasilianische Wahlgericht Lula eine Kandidatur verboten hat, führte er die Wählerumfragen stets an.

Bei Messerangriff verletzter Bolsonaro vorn

Den Platz als beliebtester Kandidat nimmt aber derzeit ein Kandidat ein: Der rechtsextreme Jair Bolsonaro, der vor einer Woche bei einem Messerangriff schwer verletzt worden war, kommt derzeit auf 24 Prozent.

Er machte in der Vergangenheit mit verbalen Entgleisungen von sich reden. Seine Politik richtet sich gegen Schwarze und Homosexuelle, die brasilianische Militärdiktatur von 1964 bis 1985 sieht er in einem positiven Licht.

An zweiter Stelle der Beliebtheitsskala bei den Wählern steht mit 14 Prozent der Kandidat der Linken, Ciro Gomez.

Die Wahl findet am 7. Oktober statt. Wenn keiner der Kandidaten in der ersten Wahlrunde die absolute Mehrheit erreicht, ist für den 28. Oktober eine Stichwahl angesetzt.

Der Prsädientschaftskandidat Jair Bolsonaro wird auf den Schultern seiner Unterstützer durch die Menge getragen. | Bildquelle: AP
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Der Präsidentschaftskandidat Jair Bolsonaro auf den Schultern seiner Unterstützer. Er war vergangene Woche auf einer Wahlkampfveranstaltung von einem Messerstecher attackiert und schwer verletzt worden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. September 2018 um 04:58 Uhr.

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