Großbritanniens Premier Boris Johnson bei einem Besuch auf dem Grimsby Fish Market | Bildquelle: dpa

Brexit-Handelsabkommen Fischer werfen Johnson Betrug vor

Stand: 28.12.2020 11:38 Uhr

Nach der Einigung zwischen der EU und Großbritannien wollen die Vorwürfe der britischen Fischer nicht verstummen. Sie hätten nur einen Bruchteil der Fischereirechte erhalten, die Premier Johnson ihnen versprochen habe.

Britische Fischer fühlen sich durch den Brexit-Deal von Premierminister Boris Johnson betrogen. "Boris Johnson hat uns die Rechte an allen Fischen versprochen, die in unserer exklusiven Wirtschaftszone schwimmen, aber wir haben nur einen Bruchteil davon erhalten", sagte der Chef des nationalen Verbunds der Fischereiorganisationen (NFFO), Andrew Locker, dem Sender BBC Radio 4. "Ich bin wütend, enttäuscht und fühle mich betrogen."

Oliver Köhr, ARD Berlin, zu den Beratungen des Bundeskabinetts über den umstrittenen Brexit-Handelspakt
tagesschau 12:00 Uhr, 28.12.2020

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"Vielen geht es deutlich schlechter"

Johnson habe versprochen, dass es keinem Fischer schlechter gehen werde. Aber nun gebe es "eine beträchtliche Anzahl", denen es deutlich schlechter gehe als vor dem Deal.

Als Großbritannien noch EU-Mitglied war, hätten die Fischer mit der Gemeinschaft handeln können. "Wir haben Dinge, die wir nicht gebraucht haben, gegen Fisch getauscht, den sie nicht gebraucht haben. Und das hat uns ermöglicht, einen Jahresplan aufzustellen", sagte Locker. Nun müssten die britischen Fischer schwer kämpfen, um ihre Existenz zu erhalten.

Bereits am Wochenende hatten weitere Vertreter der Fischereiwirtschaft in britischen Medien Kritik an den Vereinbarungen geäußert. So berichtete der "Guardian", dass der Vorstandsvorsitzende der National Federation of Fishermen's Organisations, Barrie Deas, meinte, seine Branche sei verraten worden, um einen umfassenden Deal zu gewinnen. Und auch Schottlands Regierungschefin Nicola Sturgeon sagte, dass Versprechen, die der Fischereibranche ihres Landes gemacht wurden, gebrochen worden seien. 

Staatsminister Michael Gove widersprach. Großbritannien werde vielmehr in einer viel stärkeren Position als in der EU sein, sagte Gove der BBC. Unter der gemeinsamen Fischereipolitik der EU hätten britische Fischer nur Zugang zu 50 Prozent der Fische in britischen Gewässern gehabt. Diese Zahl steige nun bis 2026 auf zwei Drittel, sagte Gove. Das Land werde in Flotte und Infastruktur investieren und könne seinen Anteil weiter steigern.

Fischerei - ein Knackpunkt in Verhandlungen

Die Fischerei spielt für die britische Wirtschaft gesehen nur eine geringe Rolle, war aber von Großbritannien sowie von Frankreich auf der EU-Seite symbolisch stark aufgeladen worden und einer der schwierigsten Punkte bei den Verhandlungen über den Brexit-Handelspakt.

Letztlich machte London Zugeständnisse. Europäische Fischer müssen zunächst nur auf ein Viertel ihrer Fangquoten verzichten - gestaffelt auf fünfeinhalb Jahre. Ab Juni 2026 wird dann jährlich über Fangquoten verhandelt. Gefordert worden war eine dauerhafte Kürzung um 80 Prozent. Sollte London den Zugang für ausländische Fischer später weiter beschneiden, könnte Brüssel das mit Zöllen beantworten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Dezember 2020 um 12:00 Uhr.

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