Der britische Premierminister Boris Johnson bei seiner Neujahrsansprache | Bildquelle: dpa

Großbritannien vollzieht Brexit "Ein großartiger Moment"

Stand: 31.12.2020 23:11 Uhr

Elf Monate nach dem EU-Austritt hat das Vereinigte Königreich nun auch den EU-Binnenmarkt und die Zollunion verlassen. Der britische Premierminister Boris Johnson sprach von einem "großartigen Moment" für sein Land.

Großbritannien und die Europäische Union haben endgültig ihre Scheidung vollzogen: Elf Monate nach dem EU-Austritt hat das Vereinigte Königreich den EU-Binnenmarkt und die Zollunion verlassen. Die Übergangsphase ist nun vorbei - "ein großartiger Moment für Großbritannien", sagte Premierminister Boris Johnson in seiner Neujahrsansprache. Großbritannien könne Dinge nun anders machen - "und wenn nötig besser als unsere Freunde in der EU".

"Wir haben unsere Freiheit in unseren Händen und es liegt an uns, das Beste daraus zu machen." Großbritannien werde künftig ein "offenes, großzügiges" und international ausgerichtetes Land sein, das sich dem freien Handel verpflichte. Es werde offenes, generöses, in die Welt schauendes, internationales Großbritannien sein, das in diesem Jahr zum G7-Gipfel und im Herbst zum Weltklimagipfel einladen werde. Wegen der Corona-Krise stünden dem Land jedoch noch harte Wochen und Monate bevor, sagt Johnson

Gibraltar wird Teil des Schengenraums

Um 23 Uhr britischer Zeit - Mitternacht in Mitteleuropa - läutete Big Ben die neue Phase ein. Wenige Stunden vor dem endgültigen Vollzug des Brexit wurden die letzte Stolpersteine aus dem Weg geräumt. Die Regierungen in London und Madrid erzielten eine Grundsatzeinigung über die künftigen Regeln für Gibraltar. Für die britische Exklave sollen künftig die Bestimmungen des Schengen-Abkommens gelten.

Die Regeln für den Grenzverkehr für die britische Exklave Gibraltar im Süden der Iberischen Halbinsel waren bis zuletzt umstritten. Indem nun die Regeln des Schengen-Raums gelten sollen, sind Grenzübertritte ohne Passkontrolle weiterhin möglich. Ohne die Einigung wäre die Grenze zwischen Gibraltar und Spanien ab dem 1. Januar zu einer "harten Grenze" zwischen Großbritannien und der EU geworden. 

Auch der französische Präsident Emmanuel Macron thematisierte den Brexit in seiner Neujahrsansprache. Großbritannien werde weiter ein enger Partner Frankreichs sein, so Macron. "Das Vereinigte Königreich bleibt unser Nachbar, unser Freund und unser Verbündeter." Er betonte zugleich, dass Frankreichs Schicksal zuerst in Europa liege.

Auch künftig keine Zölle

Großbritannien war bereits Ende Januar 2020 aus der EU ausgetreten. Das in letzter Minute mit der EU ausgehandelte Handels- und Partnerschaftsabkommen soll nun einen harten Bruch vermeiden. Wichtigster Punkt ist, dass im Warenhandel auch künftig keine Zölle und Mengenbeschränkungen gelten. Zudem regelt der knapp 1250 Seiten starke Vertrag viele weitere Themen, darunter Fischfang und Zusammenarbeit bei Energie, Transport, Justiz, Polizei.

In mehreren Bereichen bleibt Großbritannien dadurch weiter an europäische Standards gebunden. Dennoch gibt es große Änderungen. So werden an den Grenzen künftig Kontrollen nötig, weil Standards überprüft werden müssen, unter anderem bei Agrarprodukten. Für Bürger ist die Möglichkeit des einfachen Umzugs vorbei. Auch die Visafreiheit bei Reisen ist künftig zeitlich begrenzt. 

Der Brexit ist vollzogen
Jenny Beyen, ARD London
01.01.2020 09:41 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 31. Dezember 2020 um 22:20 Uhr.

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