Tausende Häuser in NEw South Wales sind verbrannt, nur einige blieben unversehrt. | Bildquelle: AFP

Buschbrände in Australien "Wir haben Glück gehabt"

Stand: 07.01.2020 07:34 Uhr

Tausende Menschen mussten bereits vor den verheerenden Feuern fliehen, ihre Häuser verbrannten. Mancherorts geschehen aber auch kleine Wunder.

Von Holger Senzel, ARD-Studio Singapur, zzt. Sydney

Es klingt nach einem friedlichen Morgen auf dem Land, doch es ist eher Grabesstille. Verkohlte Baumstümpfe ragen in den Himmel, umwabert von Rauch wie von dichtem Nebel. Die Hauptstraße von Balmoral, einer Gemeinde 100 Kilometer südwestlich von Sydney, hat das Feuer offenbar gestoppt - intakte Siedlungen auf der einen, ausgebrannte Ruinen auf der anderen Seite.

Und  dann - plötzlich - zwischen all den geschwärzten Mauerresten, verrußten Balken und von der Hitze verbogenen Trägern ein kleines Holzhaus wie ein Hexenhaus mit buntbemalten Fensterläden. Inga Schwaiger wohnt hier. Vor fast 40 Jahren ist sie von München nach Australien ausgewandert.

Inga Schwaiger | Bildquelle: Holger Senzel
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Inga Schwaigers (r) Haus ist bislang von den Flammen verschont worden.

Für den Notfall vorbereitet

Wie die meisten ihrer Nachbarn war sie vor den herannahenden Feuern geflohen, und sie kann es immer noch nicht fassen, das ihr Haus von den Flammen verschont wurde. "Seek shelter", einen sicheren Unterschlupf aufsuchen habe die Feuerapp auf ihrem Smartphone gemeldet, erinnert sich Schwaiger.

Dann hätten die Sirenen geheult und sie sei nur noch mit den anderen gerannt. Sie war vorbereitet auf diesen Moment, hatte eine Tasche gepackt für den Notfall. Aber was nimmt man mit aus einem ganzen Leben? Fotoalbum, Papiere, Ausweis, sagt Schwaiger. "Und sonst? Ich hab' mich dann noch mal umgeschaut im Haus und gedacht, das lassen wir jetzt alles hier, das ist alles nichts wert. Solange wir überleben. Darum geht es."

Viele Häuser sind nicht versichert

Zwei Wochen war Schwaiger bei Freunden untergekommen. In Australien rücken die Menschen zusammen, helfen einander in der Not. Denn es kann jederzeit jeden treffen, dass er alles verliert. Viele Häuser sind nicht versichert, entweder weil die Gesellschaften inzwischen Brandversicherungen verweigern oder die Policen so teuer sind, dass kaum jemand sie sich leisten kann.

Der Tag der Evakuierung, erzählt Schwaiger unter Tränen, der habe sich für immer in ihr Gedächtnis eingebrannt. Sie stehe noch immer unter Schock, sagt sie. "Dabei haben wir Glück gehabt. Es sind 300 Leute in unserem Dorf, viele Häuser sind abgebrannt. Und wenn ich umherfahre, dann muss ich manchmal einfach weinen - so wie jetzt auch. Weil wenn man sieht, wie es jetzt ausschaut. Das wird Jahre dauern.“

Unberechenbare Naturgewalt

Wirklich erleichtert ist die Wahlaustralieren nicht, dass ihr Haus noch steht. Die Anspannung und die Angst bleiben, denn die Feuer können jederzeit wiederkommen. Durch manche Orte sind sie zwei oder drei Mal gerast, weil der Wind sich gedreht hat. Die Natur in ihrer ganzen furiosen Zerstörungskraft ist unberechenbar.

"Es ist alles so trocken, es kann jederzeit wieder brennen", stellt sie fest. "Wir sind immer auf Feuer-Watch, jeder schaut, bissel Rauch, und dann sehen wir selbst, ob wir die Feuerwehr anrufen. Es wird nie aufhören, es wird immer wärmer." Die Angst teilt Inga Schwaiger mit Tausenden Australiern. Die heute nicht wissen, ob es ihr Haus, ihr Dorf morgen noch gibt.

Australische Schicksale: Das Land in Angst vereint
Holger Senzel, ARD Singapur
07.01.2020 06:30 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. Januar 2020 um 05:22 Uhr.

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Holger Senzel, NDR

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