Cannabis-Blatt als Marihuana-Symbol auf dem Milchschaum eines Latte Macchiato. | Bildquelle: dpa

Kanada legalisiert Cannabis Kiffen mit staatlichem Qualitätssiegel

Stand: 17.10.2018 07:25 Uhr

Anbau, Verkauf und Konsum von Marihuana sind ab heute in ganz Kanada freigegeben. Die Regierung will damit den Schwarzmarkt austrocknen, Unternehmer hoffen auf saftige Einnahmen.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York

Lange Schlangen vor den Geschäften werde es geben, verspricht Bruce Linton, einen Andrang wie bei der Einführung eines neuen iPhones. Das würde ihm bestens gefallen, schließlich leitet er mit Canopy Growth die größte Cannabis-Firma der Welt.

Verspätete Öffnung

Eigentlich hätten die Geschäfte bereits diesen Sommer für die Droge öffnen sollen, doch alles hat länger gedauert. Zu viele offene Fragen, zu viel Regelungsbedarf. Wie viel Cannabis im Handgepäck im Flieger? Dürfen Cannabis-Geschäftsleute überhaupt noch in die USA einreisen? Wie hoch sollen die Steuern sein?

Wer in der Regierung wisse schon, wie man einen legalen Markt für eine Droge aufbaut, spottete Kanadas TV-Sender CBC. Klar ist jetzt immerhin: Ab heute darf jeder Erwachsene Cannabis in geringen Mengen kaufen, besitzen und konsumieren, allerdings nicht am Steuer.

Kanada legalisiert Cannabis
tagesschau 20:00 Uhr, 17.10.2018, Christiane Meier, ARD New York

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Kleinstaaterei in den Provinzen

Der Rest ist ein Patchwork, geregelt von Kanadas Provinzen und Territorien, vergleichbar den deutschen Bundesländern. Fast alle haben beschlossen, dass der zulässige Höchstbesitz 30 Gramm beträgt - in Quebec allerdings ist es mit 150 Gramm das Fünffache. In Nova Scotia zum Beispiel wird die Droge nur über Abgabestellen der Regierung, vergleichbar den kanadischen Alkoholgeschäften, verkauft - auch online. In British Columbia sind auch private Geschäfte zugelassen.

Das Mindestalter liegt mal bei 18, mal bei 19 Jahren. In Quebec könnte es auf 21 steigen. Das passt Premier Justin Trudeau nicht, wie er jetzt auf einer Auslandsreise in Armenien erklärt hat. "Das könnte ein Marktsegment schaffen, das ausschließlich von illegalen Händlern bedient wird", befürchtet er, "vom Schwarzmarkt, von kriminellen Organisationen".

Amnestie für Marihuanabesitzer

Zudem plant Kanada, einigen Marihuanabesitzern die Strafe zu erlassen. Die Begnadigung solle jene betreffen, die wegen des Besitzes von 30 Gramm Gras oder weniger bestraft worden seien und einen entsprechenden Akteneintrag hätten, hieß es aus Regierungskreisen. Die offizielle Ankündigung soll heute erfolgen.

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Mittel im Kampf gegen Dealer

Den Schwarzmarkt auszutrocknen und Minderjährige besser vor der Droge zu schützen, gehört aber zu den erklärten Zielen der kanadischen Regierung. Nun blickt die Welt gebannt auf die erste der großen G7-Industrienationen und nach Uruguay überhaupt erst das zweite Land, das Marihuana freigibt. Werden die Ziele eingelöst? Und wie schlimm sind die Risiken und Nebenwirkungen, die auch ein großer neon-gelber Warnaufkleber auf jeder Packung ausführt, etwa für Schwangere?

"Es gibt Empfehlungen, das Alter noch höher zu setzen, da Marihuana vor allem dem sich entwickelnden Hirn schadet", erklärt Trudeau, "also eher auf 25 Jahre". Das aber, glaubt er, gehe an den Realitäten des Marihuana-Konsums vorbei und nutze damit wieder nur den kriminellen Dealern.

Ein Mann sitzt auf einem Rollator, an dem eine Flagge mit einem Hanfblatt befestigt ist. | Bildquelle: dpa
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Als erstes führendes Industrieland der Welt hat Kanada den Anbau und Verkauf von Cannabis legalisiert.

"Wir schreiben Geschichte"

Wie Linton und sein Cannabis-Hersteller Canopy Growth stehen zudem ganze Industriezweige in den Startlöchern. Kanada als Speerspitze der Bewegung, so sieht er es. "Das letzte Mal war Kanada so weit vorne, da ging es noch um einen Typen namens Bell und ein Telefonat", sagt Linton. "Das wird die kommenden 100 Jahre ändern."

Beim Wirtschaftsberater Ernst & Young nennt Monica Chadha sich gar "National Cannabis Leader". "Das wird eine Geldmaschine", ist sie überzeugt. "Wir schreiben Geschichte." 

Essbares bleibt vorerst verboten

Ökonomen rechnen mit einem milliardenschweren Markt. Ob Gummibärchen, Schokolade Zimtschnecken oder Bier - überall könnte demnächst Marihuana drin sein. "Demnächst" heißt allerdings frühestens in einem Jahr, bis dahin bleiben all diese Produkte auch in Kanada verboten.

Richard Stanwick, Arzt und Leiter der Gesundheitsbehörde von Vancouver Island, freut sich über diese Schonfrist. Vor kurzem erst musste er ein mit Cannabis-Gummibärchen vergiftetes Kind behandeln. Und das, so fürchtet er, werde mit der Legalisierung solcher Lebensmittel nur zunehmen.

Eine Zeitenwende: Kanada legalisiert Cannabis
Kai Clement, ARD New York
17.10.2018 03:13 Uhr

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Über dieses Thema berichteten das nachtmagazin am 16. Oktober 2018 um 00:00 Uhr.

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