Der Chef des US-Sender CBS, Les Moonves, steht unter dem Verdacht der sexuellen Belästigung. | Bildquelle: AP

Vorwurf sexueller Belästigung Chef von TV-Sender CBS zurückgetreten

Stand: 10.09.2018 07:54 Uhr

Der Chef des amerikanischen TV-Senders CBS ist wegen zahlreicher Vorwürfe der sexuellen Belästigung zurückgetreten. Der Vorstand hat eine Untersuchung eingeleitet. Der beschuldigte Moonves streitet alles ab.

Der langjährige Geschäftsführer des US-TV-Senders CBS ist nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung zurückgetreten. Les Moonves' Schritt werde sofort wirksam, teilte das CBS-Netzwerk mit. Das Magazin "New Yorker" hatte zuvor von sechs Frauen berichtet, die Moonves unter anderem beschuldigten, sie zum Oralsex gezwungen zu haben. Bereits vor Wochen waren ebenfalls im "New Yorker" Vorwürfe sechs anderer Frauen ans Licht gebracht worden. Dabei ging es um unerwünschte Küsse oder Grapschen.

"Er hat meine Karriere absolut zerstört"

Moonves wies die Anschuldigungen zurück. Die Frauen warfen Moonves vor, ihren Karrieren geschadet zu haben, hätten sie seine Avancen abgelehnt. Eine namentlich genannte Anklägerin, Phyllis Golden-Gottlieb, beschuldigte ihn, nach und nach aus dem Produktionsstudio gedrängt worden zu sein, dessen Geschäftsführer Moonves damals war.

Ein Kleinlaster mit einer Werbetafel trägt die Aufschrift "Wir glauben den Frauen, die von Les Moonves sexuell Belästigt wurden. Warum nicht CBS? Feuert Moonves jetzt!" | Bildquelle: AFP
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Auf einer Werbetafel in Beverly Hills wird der Sender CBS von einer Frauen-Protest-Bewegung aufgefordert, Les Moonves wegen sexueller Übergriffe zu feuern.

"Er hat meine Karriere absolut zerstört", sagte sie. Ende der 80er-Jahre habe er ihren Kopf in seinen Schoß gepresst und sie zum Oralsex gezwungen, ein anderes Mal habe sie ein wütender Moonves heftig gegen eine Wand gedrückt.

CBS erklärte, die Vorwürfe sehr ernst zu nehmen. Der Vorstand habe eine Untersuchung eingeleitet. Als kommissarischer Chef und Präsident werde vorerst Vorstandsmitglied Joseph Ianniello übernehmen, hieß es.

"Ich bin nicht die beschriebene Person"

Moonves selbst teilte in einer Stellungnahme an den "New Yorker" vor dem Bekanntwerden seiner Entlassung mit, die Anschuldigungen seien unwahr. Er habe seine Position "nie ausgenutzt, um Fortschritte oder Karrieren von Frauen zu behindern". In 40 Jahren seien solche Vorwürfe nie aufgekommen, es ginge nun wohl darum, seinen Ruf zu zerstören. "Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich nicht die in dem Artikel beschriebene Person bin."

Vor einigen Wochen sah sich der 68-jährige Moonves erstmals derartigen Vorwürfen ausgesetzt. Sechs Frauen berichteten, während der Arbeit mit ihm hätten sie sich bedrängt gefühlt. Im Juli schrieb der "New Yorker" unter Berufung auf die Anklägerinnen, er habe Berührungen und Küsse bei Geschäftstreffen erzwungen. Zwei der Frauen schilderten, Moonves habe sie körperlich eingeschüchtert oder ihnen gedroht, ihre Karrieren zu zerstören. Die Vorwürfe fielen in einen Zeitraum zwischen den 80er-Jahren und den späten Nuller-Jahren.

Millionen-Spende an #MeeToo-Bewegung

Der Unternehmer arbeitet seit vielen Jahren an der Spitze des Medienkonzerns CBS. 1995 begann er als Präsident der Sparte CBS Entertainment und stieg schnell auf. Mit Serien-Hits wie "NCIS" und "The Big Bang Theory" sorgte er nach einer Flaute für gute Einschaltquoten.

Wie CBS weiter mitteilte, spenden Moonves und der Sender 20 Millionen Dollar (17,3 Millionen Euro) für die #MeToo-Bewegung und für Gleichberechtigung von Frauen am Arbeitsplatz.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. September 2018 um 04:00 Uhr.

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