Flüchtlinge in Ceuta | Bildquelle: AFP

Grenzzaun überwunden Spanien schiebt Migranten aus Ceuta ab

Stand: 23.08.2018 18:17 Uhr

Bisher wurden Migranten, die nach Ceuta gelangten, später aufs spanische Festland gebracht. Nun hat Spanien erstmals ein Abkommen von 1992 angewandt - und Flüchtlinge nach Marokko abgeschoben.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Die sozialistische Regierung Spaniens hatte in den vergangenen Wochen stets ihre liberale Flüchtlingspolitik betont. Doch nun hat sie zum ersten Mal ein Abkommen mit Marokko angewandt und 116 Migranten aus ihrer Nordafrika-Exklave Ceuta abgeschoben. Das Abkommen stammt aus dem Jahr 1992 und sieht vor, dass Marokko Migranten aus anderen afrikanischen Ländern zurücknimmt, die illegal über sein Territorium gekommen sind.

Nach Angaben der Vertretung der spanischen Regierung in Ceuta steht das Abkommen im Einklang mit den EU-Regeln. Bei den Abgeschobenen handelt es sich um Afrikaner, die gestern den Grenzzaun von Ceuta überwunden hatten: Einige waren über die sechs Meter hohe Anlage geklettert, andere hatten Löcher in den Zaun geschnitten.

Flüchtlinge in Ceuta | Bildquelle: AFP
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Die Migranten feierten mit einer spanischen Flagge, nachdem sie den Zaun überwunden hatten.

Panik im Versorgungszentrum

Die Behörden stellten zunächst die Identität der 116 Migranten fest und brachten sie anschließend mit Bussen zurück nach Marokko. Bisher blieben Migranten, die über den Grenzzaun kamen, für einige Monate in einem Versorgungszentrum in Ceuta und wurden dann aufs spanische Festland gebracht.

Im Versorgungszentrum halten sich im Moment etwa 1200 Migranten auf; Flüchtlingshelfer berichteten, es sei Panik unter den Menschen ausgebrochen, als sie von der Abschiebung erfahren hätten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. August 2018 um 18:38 Uhr.

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