Mexikanischer Drogenboss festgenommen "El Chapo" Guzmán in Haft

Stand: 23.02.2014 12:27 Uhr

Der mexikanischen Polizei ist ein wichtiger Schlag gegen den internationalen Drogenhandel gelungen. Sie nahm Chapo Guzmán fest, den Boss des größten Kartells des Landes. Experten befürchten jedoch, dass sich der Bandenkrieg dadurch verschärfen könnte.

Von Martin Polansky, ARD-Hörfunkstudio Mexiko-Stadt

Auf diesen Moment hatten die mexikanischen Drogenfahnder und die Öffentlichkeit des Landes lange gewartet. Der festgenommene Chapo Guzmán wird am Flughafen von Mexikos Hauptstadt vor den Kameras der Presse präsentiert. Schnauzbart, hellblaues Hemd, beinahe unscheinbar. Der mächtigste Drogenboss des Landes ist den Behörden ins Netz gegangen.

Chef des Sinaloa-Kartells

Der Drogenboss Chapo Guzmán wurde am Flughafen von Spezialeinheiten festgenommen.
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Der Drogenboss Chapo Guzmán wurde am Flughafen von Spezialeinheiten festgenommen.

"Am Samstag morgen um 6.40 Uhr haben Einheiten der Marine Joaquin Guzmán zusammen mit einem Komplizen in der Stadt Mazatlan festgenommen", erklärte Generalstaatsanwalt Jesus Murillo Karam. "Wir haben ihn inzwischen mit Hilfe von Ärzten eindeutig identifiziert. Jetzt wird er ins Gefängnis gebracht."

Chapo Guzmán war Chef des mächtigen Sinaloa-Kartells, das große Teile des Drogenschmuggels an der mexikanischen Pazifikküste Richtung USA kontrolliert. Bereits 1993 war er einmal festgenommen worden. Im Jahr 2001 gelang ihm aber die Flucht aus einem mexikanischen Hochsicherheitsgefängnis. Schon hinter Gittern steuerte er sein Kartell weiter und nach seiner Flucht wurde er in Mexiko von manchen beinah mythisch verklärt: El Chapo, "der Kleine", dem einfach nicht beizukommen war.

Mehr als 70.000 Tote

Gleichzeitig verschärfte sich der blutige Kampf der Kartelle untereinander und die Staatsführung erklärte dem organisierten Verbrechen den Krieg. Bisher starben mehr als 70.000 Menschen.

Bei der Festnahme Guzmáns soll kein einziger Schuss gefallen sein. Ihr vorausgegangen war offenbar eine wochenlange Observierung, wesentlich unterstützt von US-Drogenfahndern. Auf die Ergreifung von Guzmán hatten Mexiko und die USA mehr als fünfeinhalb Millionen Euro ausgesetzt.

Für Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto ist dies ein wichtiger Erfolg. Er bedankte sich bei den Sicherheitsbehörden des Landes, die vorbildlich gearbeitet hätten.

Enrique Pena Nieto
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Mexikos Präsident Peña Nieto sieht in der Festnahme einen wichtigen Erfolg.

Polizisten bewachen sichergestelltes Marihuana in Tijuana.
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Experten bezweifeln jedoch, ob der Drogenhandel dadurch entscheidend geschwächt wird.

Experten sind skeptisch

Manche Experten im Land stellen aber die Frage, ob das Sinaloa-Kartell mit der Festnahme Guzmáns tatsächlich entscheidend geschwächt ist. Oder ob einfach ein Nachfolger übernimmt. Die Journalistin Anabel Hernandez, die sich seit Jahren mit den Verbindungen zwischen Drogenmafia und Behörden in Mexiko beschäftigt, sieht noch keinen entscheidenden Erfolg.

"Die Festnahme von Chapo Guzmán ist ohne Zweifel wichtig", so Hernandez. "Aber das ist kein tödlicher Schlag gegen das Sinaloa-Kartell. Damit es ein echter Erfolg wird, muss man die Gouverneure, Bürgermeister und Polizeichefs festnehmen, die zugelassen haben, dass sich Guzman zum mächtigsten Drogenboss der Welt entwickeln konnte. Und man muss die Unternehmen und Bankguthaben beschlagnahmen, die mit ihm in Verbindung stehen. Sonst korrumpiert er weiter."

Andere Experten vermuten, dass konkurrierende Drogenkartelle nun in den Einflussbereich von Guzmán vorstoßen könnten. Trotzdem: Die Festnahme von El Chapo ist spektakulär und die Bilder vom Flughafen sind auf allen Titelseiten Mexikos zu sehen.

Dieser Beitrag lief am 23. Februar 2014 um 12:22 Uhr im Deutschlandradio Kultur.

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