US-Präsident Trump | Bildquelle: AP

Trumps Verhältnis zu Ultra-Rechten Halbherzig auf Distanz

Stand: 13.08.2017 18:21 Uhr

Donald Trump hat sich schon in der Vergangenheit schwer getan, sich mit aller Schärfe von Rechtsextremisten zu distanzieren. So auch in Charlottesville. Wie eng ist die Beziehung zwischen Trump und der US-Neonazi-Szene und wieviel Einfluss hat sie auf die Regierung?

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Charlottesville ist normalerweise eine idyllische Universitätsstadt am Rande der Blue Ridge Mountains, gut zwei Autostunden von Washington entfernt. In der Nähe liegt Monticello, das Anwesen von Thomas Jefferson, einem der Gründerväter der amerikanischen Demokratie.

Doch seit diesem Wochenende steht Charlottesville auch für die Gewalt der ultrarechten Szene in den USA. Die amerikanische Bundespolizei FBI ermittelt gegen einen 20-jährigen Mann aus Ohio, der mit seinem Auto gezielt in eine Menge friedlicher Gegendemonstranten gerast war. Eine 32-jährige Frau kam dabei ums Leben.

Trumps halbherzige Reaktion

Doch am Tag danach richtet sich die Kritik auch gegen US-Präsident Donald Trump und seine späte und nach Einschätzung vieler halbherzige Reaktion: "Wir verurteilen aufs Schärfste diese ungeheuerliche Zurschaustellung von Hass, Vorurteilen und Gewalt auf vielen Seiten."

Mit dem zweifach wiederholten "auf vielen Seiten" habe Trump die Verantwortung von Ultrarechten und Rassisten relativiert, so die Kritik nicht nur von Demokraten. Mit keinem Wort habe Trump die Gewalt der Ultrarechten verurteilt. Eine amerikanische Neonazi-Gruppe reagierte im Internet erfreut: "Trumps Kommentare waren gut... Er hat sich geweigert, eine Frage über weiße Nationalisten zu beantworten".

Der republikanische Senator Marco Rubio forderte Trump auf, er soll "die Ereignisse als das beschreiben, was sie sind: ein Terroranschlag weißer Rassisten." Auch der republikanische Senator Cory Gardner sagte auf CNN: "Als in Europa Leute mit Lastwagen in eine Menge gerast sind, hat er dies radikalen islamistischen Terror genannt." Trump solle noch heute die Möglichkeit nutzen und sagen: "Das ist inländischer Terrorismus und weißer Nationalismus, und das muss aufhören!"

Wichtige Unterstützung im Wahlkampf

Es ist nicht das erste Mal, das Trump im Kreuzfeuer der Kritik steht, weil er sich nicht klar und deutlich von ultrarechten Gruppen abgrenzt. In seinem Umfeld gibt es Berater wie den Chefstrategen Steve Bannon oder Sebastian Gorka, die jahrelang das rechtspopulistische Internetangebot "Breitbart" geprägt haben und nach Auffassung von Kritikern eine nationalistische Politik anstreben.

US-Präsident Donald Trump, links, und sein Berater Steve Bannon im Januar dieses Jahres in Washington | Bildquelle: AFP
galerie

Trump und sein Chefstratege Bannon

Im Wahlkampf wurde Trump nicht nur von "Breitbart", sondern auch von der sogenannten "Alt-Right"-Bewegung unterstützt. In dieser Bewegung engagieren sich Amerikaner gegen Einwanderung, gegen freien Handel sowie Globalisierung und gegen politische Korrektheit. Aber auch weiße Rassisten wie der frühere KuKluxKlan-Führer David Duke fühlen sich durch Trumps Wahlsieg bestätigt. Duke sagte in Charlottesville: "Wir sind entschlossen, uns unser Land zurückzuholen. Wir erfüllen die Versprechen von Donald Trump. Daran glauben wir und deshalb haben wir ihn gewählt."

Der frühere Ku-Klux-Klan-Führer David Duke | Bildquelle: dpa
galerie

Der frühere Ku-Klux-Klan-Führer David Duke

Mehr zum Thema

Klare Worte vermied Trump lange

Nach seinem überraschenden Wahlsieg zögerte Trump lange Zeit, bis er sich entschieden von David Duke und den weißen Rassisten distanzierte. Zuvor wich Trump den Journalisten-Fragen aus, indem er wie im Dezember sagte: "Ich weiß gar nicht, von welcher Gruppe Sie sprechen. Sie können doch nicht von mir verlangen, eine Gruppe zu verurteilen, die ich gar nicht kenne."

Erst nachdem Anfang des Jahres eine Serie antijüdischer und antiislamischer Gewalttaten die amerikanische Öffentlichkeit erschütterte, verurteilte Trump ultrarechte Gewalt mit klaren Worten. Nach Aussage von Insidern habe ihn seine Tochter Ivanka dazu gebracht. Dagegen sind seine Berater Bannon und Gorka überzeugt, dass Trump ohne die Mobilisierung rechter Gruppen die Wahl nicht gewonnen hätte. Bürgerrechtsorganisationen beklagen, dass es seit Trumps Wahlsieg einen Anstieg rechtsradikaler Gewalttaten in den USA gebe. Auch die Zahl anti-muslimischer Gruppen habe sich verdreifacht.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. August 2017 um 17:15 Uhr.

Darstellung: