Hardware eines Computers | Bildquelle: dpa

Streit mit USA Peking will ausländische Computer verbannen

Stand: 09.12.2019 13:22 Uhr

Laut einem Medienbericht will China alle ausländischen Computer und Software in Behörden durch heimische ersetzen. Chinesische Regierungsbehörden erklärten hingegen, ein solcher Plan sei nicht bekannt.

Chinas Behörden sollen nach einem Zeitungsbericht innerhalb von drei Jahren auf ausländische Computertechnologie oder Software verzichten. Das berichtet die "Financial Times" unter Berufung auf chinesische Quellen. Demnach sieht eine Anweisung des Generalbüros des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei an Regierungsbehörden und Institute vor, im kommenden Jahr 30 Prozent durch heimische Produkte zu ersetzen. Bis Ende 2021 sollen noch einmal 50 Prozent und bis Ende 2022 dann der Rest ausgetauscht werden.

Millionen Geräte austauschen

Die bereits vor Monaten erlassene vertrauliche Direktive habe wegen des Zeitplans den Namen "3-5-2" erhalten, schrieb die Zeitung, die sich in dem Bericht auf das Wertpapierhaus China Securities, zwei chinesische Cyber-Security-Firmen und die internationalen Denkfabrik Eurasia berief. Es sei die erste Anweisung mit klaren Zeitvorgaben, um von ausländischer auf einheimische Technologie zu wechseln.

Als Ergebnis der Anweisung des Zentralkomitees müssten in China viele Millionen Geräte ausgetauscht werden, wofür erhebliche Investitionen notwendig wären. Die "3-5-2"-Direktive ist laut "Financial Times" Teil einer breiteren Kampagne, wonach Regierungsbehörden und Betreiber kritischer Infrastruktur "sichere und kontrollierbare" Technologie benutzen sollen, wie es auch das Gesetz für Cyber-Sicherheit vorsieht.

Chinesische Regierungsstellen zeigen sich unwissend

Regierungsstellen in Peking reagierten laut der Nachrichtenagentur dpa irritiert auf den Zeitungsbericht. Ein konkreter "3-5-2"-Plan sei nicht bekannt, hieß es demnach sowohl aus dem Ministerium für Industrie und Informationstechnologie, als auch aus der Beschaffungsstelle der Regierung.

Ein Mitarbeiter der Politikabteilung des Beschaffungsamtes habe allein eine Politik bestätigt, die Nutzung chinesischer Programme zu fördern: "Eine Lokalisierung, innerhalb von drei Jahren schrittweise einheimische Software einzuführen - das haben wir." Laut dpa kannte er auch ein anderes Ziel: "Es scheint 30 Prozent im ersten Jahr zu sein, soweit ich es erinnere." Aber von einem Plan, ausländische Computergeräte auszuwechseln, habe er noch nichts gehört.

Weiterer Schritt im Handelskrieg

Das Vorgehen ist offenbar auch eine Reaktion auf amerikanische Bestrebungen, den chinesischen Telekomriesen Huawei von bestimmten staatlichen Aufgaben auszuschließen. Die USA unterstellen dem Konzern mögliche Spionage und drängen auch ihre Verbündeten, beispielsweise beim Ausbau des 5G-Netzes auf Netzwerkausrüstung von Huawei zu verzichten.

Die beiden größten Volkswirtschaften liefern sich seit mehr als einem Jahr einen erbitterten Handelskrieg. Dabei betreiben die USA auch eine "Entkopplung" von China - das seinerseits seine Abhängigkeit von US-Technologie reduzieren will. Die Bemühungen wecken Besorgnisse unter anderem in Deutschland und Europa, da es damit in den Lieferketten zunehmend unterschiedliche Standards geben könnte.

Schwer umzusetzen

Ob das "3-5-2"-Vorhaben überhaupt praktikabel und technologisch machbar ist, wird stark angezweifelt. Experten halten es für schwierig, alle Software durch heimische Versionen zu ersetzen, weil Betriebssysteme von Microsoft oder Apple in China weit verbreitet sind und auch heimische, chinesische Software darauf läuft. Zudem werden selbst chinesische Computer wie solche von Lenovo mit Chips amerikanischer Hersteller oder Festplatten aus Südkorea gebaut.

Wegen der US-Blockade gegen Huawei treibt der chinesische Konzern allerdings bereits ein eigenes Betriebssystem für seine Smartphones voran. Es soll Android von Google ersetzen, wenn die US-Regierung die Lieferung an Huawei in Zukunft tatsächlich verbieten sollte. Auch hat Chinas Universität für Verteidigungstechnologie ein Kylin genanntes Betriebssystem für Computer basierend auf Linux entwickelt. Es könnte Windows ersetzen, doch laufen darauf deutlich weniger Programme.

Chinas Behörden sollen auf ausländische Computer verzichten
Axel Dorloff, ARD Peking
09.12.2019 12:51 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Dezember 2019 um 10:00 Uhr.

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