Luftaufnahme des Großmarktes in Wuhan.    | Bildquelle: REUTERS

WHO schickt Experten nach China Heikle Corona-Suche in Wuhan

Stand: 21.12.2020 12:51 Uhr

Im Januar soll eine WHO-Expertengruppe in China nach den Ursprüngen des Coronavirus suchen - auch ein RKI-Epidemiologe ist dabei. Die Datenlage ist schwierig, der politische Druck hoch.

Von Ruth Kirchner, ARD-Studio Peking

Seit Wochen versucht Chinas staatliche Propaganda die Ursprünge des Coronavirus außerhalb des Landes zu verorten. "Covid19 begann nicht in Wuhan", schrieb kürzlich die "Volkszeitung", das Sprachrohr der Kommunistischen Partei. Doch für Fabian Leendertz, Epidemiologe am Robert-Koch-Institut ist klar: An der zentralchinesischen Stadt führt kein Weg vorbei: "Die solidesten Daten, die wir bislang haben, ist dieser Wuhan-Start. Da kommen die ersten Sequenzen her, da sind die ersten gut beschriebenen humanen Fälle her und deswegen ist das immer noch unser Anfangspunkt."

Politisch aufgeladene Mission

Leendertz und neun weitere internationale Experten wollen deshalb ab Januar genau dort beginnen, die Ursprünge des Virus zu erforschen - im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und in enger Abstimmung mit chinesischen Wissenschaftlern. Lange wurde über den genauen Auftrag der Mission verhandelt. Die Experten werden sich die Daten der ersten Fälle erneut anschauen und versuchen, den Ausbruch der Krankheit so weit wie möglich zurückzuverfolgen.

Dass die Mission politisch aufgeladen ist, die chinesische Führung ihr eigenes Narrativ zum Ursprung des Virus pusht und US-Präsident Donald Trump polemisch vom "China-Virus" spricht, macht die Arbeit der Wissenschaftler nicht leichter.

"Für mich selbst ist das eine Problematik, die ich so selber noch nicht erlebt habe. Ich habe auch den Ursprung des großen Ebola-Ausbruchs in Westafrika untersucht und solche Sachen. Aber diese Ebene hatten wir da nicht und ich denke, die verbaut uns unglaublich viele Chancen", sagt Leendertz.

Hinweise auf Ursprung in Fledermäusen

Denn die Arbeit der Experten ist nicht einfach: Die Datenlage zum Ursprung des Virus ist immer noch dünn, sagt Leendertz, der am RKI Infektionskrankheiten erforscht, die gleichermaßen bei Menschen und Tieren vorkommen. Wissenschaftler gehen zwar davon aus, dass das Virus vermutlich von Fledermäusen stammt - möglicherweise aus Südchina - und über einen Zwischenwirt auf den Menschen übertragen wurde. Aber wie und wann, ist weiterhin unklar. Leendertz sagt dazu:

"Wir gehen da mit einem ganz offenen Blick dran. Das heißt, wir werden sehen, wohin uns diese Spur führt, wenn sie uns innerhalb Chinas weiterführt, werden wir da schauen, wenn eine heiße Spur in ein Nachbarland führt oder sagen wir in den afrikanischen Dschungel, dann wird das der nächste Ort sein, wo weiter gesucht werden muss."

Den mittlerweile berühmt-berüchtigten Fisch- und Fleischmarkt in Wuhan will sich Leendertz aber auf jeden Fall anschauen. Der ist zwar längst geschlossen und gründlich desinfiziert - doch Epidemiologe Leendertz will sich ein eigenes Bild machen: "Die große Frage ist, ob dieser Übersprung vom Tier auf den Menschen tatsächlich in diesem Markt stattgefunden hat." Die wahrscheinlichere Hypothese ist, dass der Markt kontaminiert wurde von symptomatischen Menschen und dass das nur eines der ersten Superspreading-Events dort war", so der Epidemiologe.

Huanan seafood market in Wuhan, China | Bildquelle: REUTERS
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Das Marktgebäude in Wuhan wurde inzwischen umgebaut. Hier sind Optiker zu sehen, die ursprünglich im zweiten Stock des Gebäudes untergebracht waren.

Die Schuldfrage ist nachrangig

Mit schnellen Ergebnissen rechnen Leendertz und seine Kollegen eher nicht. Die Suche nach dem Ursprung eines Virus kann Jahre dauern. Trotzdem sei das wichtig, betont Leendertz. Nicht um einen "Schuldigen" für den Ausbruch der Pandemie zu finden, sondern um das Risiko ähnlicher Ausbrüche in Zukunft zu reduzieren.

Die schwierige Suche nach dem Ursprung des Corona-Virus in China
Ruth Kirchner, ARD Peking
21.12.2020 11:26 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 21. Dezember 2020 um 10:35 Uhr auf MDR Aktuell.

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Ruth Kirchner, RBB

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