Corona-Pandemie Chinas "Impfstoff-Diplomatie"

Stand: 26.11.2020 11:28 Uhr

Im Rennen um einen Impfstoff gegen das Coronavirus versucht China, in Entwicklungs- und Schwellenländern zu punkten - zum Beispiel mit dem Versprechen von fairen Preisen. Ganz selbstlos scheint das Vorgehen aber nicht zu sein.

Von Ruth Kirchner, ARD-Studio Peking, z. Zt. Berlin

Nationalhymne, viele Reden, rote Banner: Ein Team von Medizinern wird Anfang November in der nordostchinesischen Provinz Liaoning verabschiedet - in Westafrika sollen die Experten beim Kampf gegen Covid-19 helfen. Die Abschiedszeremonie wird live übertragen, auf Chinas Auslandssender CGTN.

Seit Monaten präsentiert sich China mit viel Aufwand als selbstloser Helfer in der Pandemie. Und gab im Mai ein vollmundiges Versprechen ab: "Ein Impfstoff aus China, wenn er dann zugänglich ist, wird ein öffentliches Gut sein", sagte Staats- und Parteichef Xi Jinping bei einer WHO-Konferenz. Ein Satz, der Hoffnungen weckte: Dass arme Länder einen Impfstoff umsonst bekommen könnten.

Versprechen an Entwicklungsländer

Davon ist jetzt keine Rede mehr - chinesische Regierungsvertreter sprechen nun von einem "fairen und vernünftigen Preis". Auch das nicht ohne Hintergedanken, sagt Jacob Mardell vom Mercator Institute für China-Studien in Berlin: "China propagiert seine Impfstoffe als öffentliches Gut, versucht sich damit als globale Führungsmacht zu positionieren und gleichzeitig eine Koalition von Entwicklungsländern aufzubauen, die China dankbar sind und diese Führungsrolle anerkennen."

So soll Peking den Philippinen raschen Zugang zu einem Impfstoff versprochen haben - nachdem Präsident Rodrigo Duterte versicherte, sich mit Kritik an China zurückzuhalten. Ländern in Lateinamerika und der Karibik hat China Kredite von etwa einer Milliarde Dollar versprochen - für den Kauf von Impfstoffen. In Brasilien wird eine Produktionsanlage für einen Impfstoff von Sinovac bereits gebaut. Ähnliches ist in Ägypten und Marokko geplant.

Viele offene Fragen

Länder, die an Tests für chinesische Impfstoffe teilnehmen, sollen Vorzugsdeals beim Kauf von Vakzinen bekommen. Die Vereinigten Arabischen Emirate sind zudem das erste Land, das einen chinesischen Impfstoff für ein Notfallprogramm bereits zuließ.

Dass China all diese Zusagen erfüllen kann, stellt kaum jemand infrage. "Wir haben die Kapazitäten im nächsten Jahr über eine Milliarde Impfstoff-Dosen zu produzieren und damit ein ausreichendes und sicheres Angebot zur Verfügung zu stellen", sagt Liu Jinzhen, Chef des staatlichen Arzneimittelherstellers Sinopharm. Dennoch bleiben viele Fragen offen.

Skepsis gegenüber Produkten aus China

Eine Strategie mit hohem Risiko - und hohem Nutzen, nennt Eric Olander Chinas Impfstoff-Diplomatie. Er ist Mitbegründer des Internet-Portals China-Africa-Project. Geht die Strategie auf, kann Peking seinen weltweiten Einfluss ausbauen. "Länder nutzen die ihnen zur Verfügung stehenden Instrumente, um ihr globales Image aufzupolieren und in diesem Fall nutzt China halt die Impfstoffe dafür", so Olander.

Doch gewaltige Risiken gibt es nicht nur ganz praktisch, etwa was die Logistik bei der Impfstoffverteilung angeht, sondern auch politisch. "In Afrika verbinden viele mit dem Label 'Made in China" immer noch Billigprodukte, schlechte Qualität, Produktfälschungen - lauter negative Assoziationen", sagt Olander.

China: Beitritt der internationalen Impfstoff-Initiative

Chinas "Maskendiplomatie" im Frühjahr, um das Image in der Corona-Krise aufzupolieren, stieß bereits auf Kritik - nachdem sich Lieferungen als unbrauchbar entpuppten. Die Gefahr, dass Chinas "Impfstoff-Diplomatie" nach hinten losgeht, sei daher sehr real, sagen Experten. Allein deshalb will sich China bei der Verteilung und Vermarktung seiner Impfstoffe nicht nur auf bilaterale Vereinbarungen verlassen und ist - anders als die USA - der internationalen Impfstoff-Initiative Covax beigetreten.

Allerdings hat Covax noch längst nicht genügend Geld eingesammelt, um eine gerechte Verteilung von Impfstoffen sicherzustellen. Was China große Spielräume lässt bei der Geo-Politik mit den Corona-Impfstoffen.

Chinas Impfstoff-Diplomatie: Es geht um mehr als nur Gesundheit
Ruth Kirchner, ARD Peking
26.11.2020 10:18 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. November 2020 um 05:40 Uhr.

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Ruth Kirchner, RBB

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