Ein Schmuckhändler schlägt die Abdeckung über seiner Ware zurück - in Yiwu laufen nach monatelanger Krise die Geschäfte wieder an. | Bildquelle: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Corona-Krise Chinas Handel versucht den Neustart

Stand: 22.03.2020 01:16 Uhr

China scheint in der Corona-Krise das Schlimmste überstanden zu haben - nun gilt es, die Wirtschaft wieder hochzufahren. In der Handelsmetropole Yiwu sind die Geschäftsleute optimistisch.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Am Bahnhof von Yiwu geht es angesichts der Coronavirus-Krise zur Zeit noch hektischer zu als sonst. Ankommende Reisende können das Bahnhofsgelände nicht einfach so verlassen, sondern müssen zunächst durch eine Kontrolle: Chinesisch aussehende Menschen rechts entlang, Leute, die ausländisch aussehen, in die linke Schlange. Europäer werden in eine kleine Polizeiwache gelotst.

"Wo kommen Sie her? Wo wohnen Sie? Wann waren Sie zuletzt in Europa?", will der junge Polizist wissen. Menschen mit rotem EU-Pass gelten in China inzwischen als Hochrisiko-Gruppe. Deswegen werden Deutsche, Franzosen, vor allem aber Menschen aus Spanien und Italien besonders intensiv befragt. Wer sich nicht mindestens seit zwei Wochen in einer als sicher geltenden Gegend Chinas aufgehalten hat, wird in Quarantäne genommen.

Reisende, die in der Millionenstadt Yiwu ankommen, werden ganz genau geprüft - wie auf diesem Bild vom Februar 2020. An den Kontrollen hat sich nichts geändert. | Bildquelle: picture alliance / ZUMAPRESS.com
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Reisende, die in der Millionenstadt Yiwu ankommen, werden ganz genau geprüft - wie auf diesem Bild vom Februar 2020. An den Kontrollen hat sich nichts geändert.

2000 Container voller Handelsgüter verlassen täglich Yiwu

Für Zhang Qizhen und sein Team ist das ein Problem. Zhang ist bei der kommunistischen Stadtregierung von Yiwu mit zuständig dafür, dass die Geschäfte laufen - konkret: dass der Handel läuft. Die Millionenstadt südlich von Shanghai bezeichnet sich selbst als das "Zentrum für den weltweiten Handel mit Alltagsgütern".

Normalerweise verlassen täglich rund 2000 Container voller Handelsgüter die Stadt. Angesichts der Virus-Krise aber laufen die Geschäfte zur Zeit schlecht, obwohl viele der Tausenden Händlerinnen und Händler in der Stadt inzwischen wieder arbeiten.

"Viele Händler aus dem Ausland kommen gerade nicht rein nach China. Die Geschäfte laufen also nur online", beschreibt Zhang. "Das funktioniert dann, wenn sich Händler und Käufer schon kennen. Aber neue Geschäfte anbahnen oder neue Produkte vertreiben - das funktioniert ausschließlich online natürlich nicht gut."

In den Handelszentren: Leere Hallen, kaum Kunden

Im Zentrum Yiwus stehen mehrere riesige, mehrstöckige Hallen mit Tausenden kleinen Geschäften. Dort werden Waren "Made in China" gehandelt. Wer zum Beispiel einen Fracht-Container voller Kugelschreiber, Plastikweihnachtsbäume oder Haartockner kaufen will, kann sich die Ware hier ansehen und dann bestellen. 

"Normalerweise laufen hier um diese Jahreszeit eine Menge Kunden durch die Hallen. Davon sind wir gerade weit entfernt", sagt Pan Yuanyuan, die von ihrem kleinen Laden aus Küchenmesser, Teigschaber und Suppenkellen in die ganze Welt verkauft. "Zur Zeit haben wir nur sehr wenige Kunden. Das ist vor allem für die Betreiber neuer Läden hier in den Hallen ein Problem." Sie selbst habe vor allem Stammkunden, die sie auch per Messenger-App betreuen könne, erzählt Pan - doch auch ihr Umsatz sei um 30 bis 40 Prozent eingebrochen.

"Die Geschäfte florieren" steht auf diesem Plakat, das Händlerin Wu Hongying hochhält. Sie verkauft in Yiwu Verkleidungen und Masken. | Bildquelle: picture alliance / Photoshot
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"Die Geschäfte florieren" steht auf diesem Plakat, das Händlerin Wu Hongying hochhält. Die Umsatzzahlen der Läden in Yiwu deuten auf anderes hin.

"Wir haben eine Art Pausentaste gedrückt"

Ähnliche Zahlen nennen auch andere Händler in Yiwu. Trotzdem herrscht bei den meisten großer Optimismus. Zum Beispiel bei Ma Zhangliang, der im dritten Stock einer der Hallen mit Teekannen und Geschirr handelt.

"Wir sollten nicht so tun, als sei das das Ende der Welt. Wir haben eine Art Pausentaste gedrückt", meint er. "Wir müssen die Probleme anpacken und auch die Art des Geschäftemachens verändern. Dann werden wir auch wieder Geld verdienen."

Mit gesponserten Flugtickets, kostenlosen Hotelübernachtungen und anderen Vergünstigungen versuche die Stadt Yiwu nun, neue Händler in die Stadt zu locken, erklärt Wirtschaftsplaner Zhang Qizhen.

Doch klar ist: Eine echte Wiederbelebung des Handels in China wird nicht funktionieren, so lange Staaten weltweit ihre Grenzen dicht machen oder - wie im Falle Chinas - Reisende aus dem Ausland erstmal in Quarantäne stecken.

Chinas Wirtschaft versucht den Neustart
Steffen Wurzel, ARD Schanghai
22.03.2020 10:03 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk "Wirtschaft am Mittag" am 19. März 2020 um 13:53 Uhr.

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