Proteste in Hongkong | Bildquelle: AP

Peking in der Hongkong-Krise Echte Informationen unerwünscht

Stand: 16.08.2019 18:43 Uhr

Peking geht in der Hongkong-Krise mit gezielter Propaganda vor. Dass echte Informationen nach Festlandchina gelangen, versucht die Staatsführung zu verhindern. Unter der Krise leidet zunehmend auch Hongkongs Wirtschaft.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Chinas Staats- und Parteiführung legt in der Hongkong-Krise mit TV-Spots massiv nach. Der staatliche Fernsehsender CCTV ließ einen Hochglanz-Werbespot produzieren, der im Stile eines Hollywood-Actionfilm-Trailers daher kommt. Er setzt die Proteste in der autonom regierten Stadt mit einer Art Aufstand gleich.

Zu sehen sind Spezialeinheiten, die mit Waffengewalt gegen Demonstranten vorgehen. Die Rede ist von Banditen und Terroristen. "Das Böse wird uns nicht nach unten drücken", heißt es in dem Filmchen. 1,4 Milliarden Landsleute stünden bereit, um die Hongkonger Polizei zu unterstützen.

Erheblich gestiegene Sicherheitsmaßnahmen

Der Film richtet sich klar an die eigene Bevölkerung. Er ist als Zeichen der Stärke zu verstehen, um den Menschen in Festlandchina zu zeigen: Schaut her, die Staatsführung hat alles im Griff, sie lässt sich nicht auf der Nase herumtanzen.

Dass echte Informationen über die - nach wie vor - überwiegend friedlichen Proteste nach Festlandchina gelangen, versucht Chinas Staats- und Parteiführung mit aller Macht zu verhindern. Von der Grenze zwischen der chinesischen Sonderverwaltungsregion und Festlandchina kommen immer mehr Berichte über erheblich gestiegene Sicherheitsmaßnahmen.

Grenzpolizisten filzen Telefone von Reisenden

Betroffen sind alle, die von Hongkong aus nach Festlandchina reisen. Chinesische Grenzpolizisten filzen immer häufiger Telefone von Reisenden. Sie suchen zum Beispiel nach Fotos und Videos von den Massenprotesten. Die Nachrichtenagentur Bloomberg zitiert Berufspendler, Geschäftsleute, die erzählt haben, dass sie nur noch mit Ersatz-Smartphones, -Tablets und -Laptops die Grenze passieren. Das Internet und sämtliche Medien in China sind ohnehin stark zensiert oder ganz blockiert.

Hongkongs Polizei erklärte heute, dass sie seit Beginn der Massenproteste gegen die Regierung fast 750 Menschen festgenommen hat. Man stehe zu dem Vorgehen der vergangenen Wochen und habe die Lage auch weiterhin im Griff.

Yeung Man-Pun, Polizei-Kommandeur des Hongkonger Stadtteils Kowloon, betonte bei einer Pressekonferenz: "Wir sind zuversichtlich, dass wir auch weiter für Recht und Ordnung sorgen können in Hongkong. Ganz allgemein kann ich Ihnen sagen - auch aus meinen Gesprächen mit meinen Truppen an der Frontlinien - alle sind motiviert."

Polizisten in Hongkong bereiten sich auf die Begegnung mit Demonstranten vor und halten ein Plakat mit der Aufschrift "Stoppt die Aktionen, sonst gebrauchen wir Gewalt" | Bildquelle: dpa
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Polizisten in Hongkong. Seit Beginn der Massenproteste gegen die Regierung nahm sie fast 750 Menschen fest.

Druck auf Hongkonger Unternehmen

Unternehmen in Hongkong bekommen zunehmend Druck von Chinas Staats- und Parteiführung. Jüngstes Beispiel ist die Traditionsfluggesellschaft Cathay Pacific. Wie das Unternehmen nun mitteilte, tritt Firmenchef Rupert Hogg überraschend zurück.

Hogg war massiv unter Druck geraten, weil sich viele Angestellte des Unternehmens - Flugbegleiter, Bodenpersonal und Piloten - in erheblicher Zahl auf die Seite der Demonstranten geschlagen haben. Chinesische Staatsmedien starteten daraufhin eine massive Kampagne gegen Cathay Pacific und das Management der Firma. Der Börsenkurs der Gesellschaft sackte ab.

Wirtschaftsabschwung erwartet

Auch insgesamt bekommt die Wirtschaft der Finanzmetropole zunehmend die Folgen der Massenproteste zu spüren. Die Beratungsfirma "Capital Economis" rechnet im laufenden Quartal mit einem Wirtschaftsabschwung von rund einem Prozent. Im vergangenen Quartal war Hongkongs Wirtschaft bereits um 0,4 Prozent geschrumpft.

Für das Wochenende sind neue Großdemonstrationen geplant.

Hongkongs Wirtschaft leidet, Chinas Propaganda poltert
Steffen Wurzel, SWR Shanghai
16.08.2019 20:35 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. August 2019 um 18:28 Uhr.

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