Menschen in Peking stehen Schlange für den Impfstoff. | Bildquelle: AFP

Coronavirus in China Pekinger stehen Schlange für den Impfstoff

Stand: 05.01.2021 03:40 Uhr

Seit kurz vor dem Jahreswechsel der erste Impfstoff offiziell auf den Markt kam, sind die chinesischen Impfprogramme deutlich ausgeweitet worden. Die Prioritäten sind deutlich andere als in Deutschland.

Von Ruth Kirchner, ARD-Studio Peking, z. Zt. Berlin

Der chinesische Fernsehsender CCTV zeigt dieser Tage lange Schlangen vor Krankenhäusern und Gesundheitszentren in Peking: Formular ausfüllen, Temperatur messen lassen, dann ein schneller Pieks - und fertig.

Seit der offiziellen Zulassung des Impfstoffs von Sinopharm letzte Woche sind nach offiziellen Angaben in wenigen Tage allein in Peking über 73.000 Menschen gegen Covid-19 geimpft worden.  Geimpft werden - anders als in Deutschland - zunächst nicht die Älteren, sondern nur Menschen im Alter zwischen 18 und 59. Priorität haben Bevölkerungsgruppen, die in riskanten Bereichen arbeiten, erläutert Zeng Yixin von der staatlichen Gesundheitskommission.

"Zum Beispiel Menschen, die mit tiefgefrorenen Lebensmitteln umgehen, Zollbeamte, Menschen im Gesundheitswesen, Beschäftigte auf Märkten und im Transportwesen. Ihr Risiko, sich mit dem Virus zu infizieren, ist größer als das anderer Gruppen. Daher haben diese Hoch-Risiko-Gruppen zunächst Priorität."

China: Virus durch tiefgefrorene Lebensmittel eingeschleppt

Allerdings bezweifeln internationale Experten immer wieder Chinas Behauptung, das Virus werde etwa durch tiefgefrorene Lebensmittel aus dem Ausland eingeschleppt. Im Staatsfernsehen aber wird die offizielle Linie nicht in Frage gestellt.

"Ich arbeite in der Lebensmittelindustrie und habe mir Sorgen gemacht", sagt Xia Dongdong, der in einem Kühlhaus arbeitet, im CCTV-Interview. "Jetzt habe ich das Glück, dass ich zu den ersten gehöre, die eine Impfung bekommen. Das gibt mir Sicherheit."

Allerdings zeigen die Fernsehbilder auch, dass Menschen wie Xia Dongdong keineswegs nur mit dem seit letzter Woche zugelassenen Präparat von Sinopharm geimpft werden, sondern auch mit Präparaten einer anderen chinesischen Firma, Sinovac. Dieser Impfstoff hat noch keine allgemeine Zulassung. Während das Präparat  von Sinopharm eine Wirksamkeit von 79 Prozent haben soll, liegen für den Sinovac-Impfstoff bislang keine Daten vor. Er darf bislang nur im Rahmen eines Notfallprogramms zum Einsatz kommen.

Behörden stehen unter Druck

Aber Chinas Behörden stehen unter Druck: Das chinesische Neujahrsfest steht vor der Tür, das wichtigste Familienfest. Millionen Menschen drängen sich in den Tagen vor dem Fest, das in diesem Jahr auf den 12. Februar fällt, an Flughäfen und auf Bahnhöfen, um nach Hause zu fahren. Schon deshalb will China bis Februar laut Medienberichten bis zu 50 Millionen Menschen impfen. Ob das gelingt, ist keineswegs sicher.

Fest steht allerdings, dass die Impfung in Peking auch bei der elektronischen Überwachung genutzt wird. "Wir verbinden unsere Impfplattformen mit der Pekinger Corona-App, so dass die Daten ausgetauscht werden können", sagt Gao Xiaojun von der Pekinger Gesundheitskommission. Wer also die erste Impfdosis erhalten hat, bekommt das in der App angezeigt. Auch die zweite Dosis wird dort vermerkt mit dem Eintrag – "Impfung abgeschlossen".

Einen Impfzwang gibt es in Peking nicht. Die Corona-App allerdings muss vielerorts vorgezeigt werden - bei Restaurantbesuchen, beim Shoppen oder beim Reisen. Ob jemand geimpft ist, wird also künftig sehr leicht zu kontrollieren sein.

Impfen in China: Pekinger stehen für Corona-Impfstoff Schlange
Ruth Kirchner, ARD Peking
05.01.2021 06:02 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 05. Januar 2021 um 06:07 Uhr.

Korrespondentin

Ruth Kirchner Logo RBB

Ruth Kirchner, RBB

Darstellung: