Klimaaktivistin mit Plakat

Fridays for Future Chinas einsame Klimaaktivistin

Stand: 15.08.2020 16:50 Uhr

Sie ist die "Greta Thunberg von China" - doch es gibt einen gravierenden Unterschied: Während die Schwedin Millionen Menschen mobilisiert, kämpft Howey Ou allein auf weiter Flur.

Von Tamara Anthony, ARD-Studio Peking

"Schulstreik für das Klima" hat Howey Ou mit großen chinesischen Zeichen auf ein Plakat geschrieben. Jetzt steht die 17-Jährige damit in der Fußgängerzone und demonstriert. Sie will Teil der weltweiten "Fridays for Future"- Bewegung sein.

"Vor zwei Jahren wurde weltweit zu einer Demonstration von 'Fridays for Future' aufgerufen. Auf Wikipedia standen die Ansprechpartner in den verschiedenen Ländern. Ich scrollte und scrollte - aber für China gab es keinen Eintrag", erinnert sie sich.

Eine einsame Aktivistin kämpft in China fürs Klima
tagesthemen 21:45 Uhr, 14.08.2020, Tamara Anthony, ARD Peking

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Einzige FFF-Aktivistin in China

Seit zwei Jahren ist sie nun die einzige "Fridays for Future"-Aktivistin in China. In der Fußgängerzone weckt sie bei vielen Jugendlichen Interesse. Sie erklärt ihnen ihre Motivation, erzählt vom Klima, dass jeden Tag 200 Spezies sterben und daher jetzt gehandelt werden müsse. "Meistens wollen nur Kinder oder Jugendliche wissen, warum ich mich für das Klima einsetze. Sie haben in der Schule schon vom Klimawandel gehört und haben daher mehr Interesse", erzählt sie.

Fotos von Tieren mit Plastikmüll im Magen waren bei Howey vor zwei Jahren der Auslöser, über Umweltverschmutzung nachzudenken. Seitdem liest sie alles, was sie zum Klimawandel in die Hände bekommt, zu Hause stapeln sich zudem Bücher über Zivilen Ungehorsam. Ihr eigenes Leben und das ihrer Eltern hat sie bereits umgestellt. Howey isst vegan, die Eltern vegetarisch. Einwegplastik ist aus dem Haushalt verbannt, Flugreisen und Privatautos tabu.

Umweltbewusstsein wird von oben vorgegeben

Mit diesem Engagement sind sie allerdings in China recht allein. Umweltbewusstsein wird dort von oben vorgegeben. In immer mehr Städten muss Müll getrennt werden, Elektroautos werden staatlich subventioniert, gerade hat Chinas Staatspräsident Xi Jinping eine Kampagne gegen Lebensmittelverschwendung gestartet. Eigenes Engagement ist in dem autoritären Staat eher suspekt.

Howey hat das Gefühl, der Menschheit rennt die Zeit davon. Weltweit werde zu wenig getan, meint sie. Die Überschwemmungen in China nähmen in den letzten Jahrzehnten zu. Die Gletscher auf dem Himalaya, wo ein Drittel aller Eisreserven der Welt lagern, schmelzen immer stärker.

Klimaaktivistin mit Plakat mit Menschen im Hintergrund
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Die 17 Jahre alte Howey Ou ist die einzige "Fridays for Future"-Aktivistin in China. Immer wieder demonstriert sie alleine auf der Straße.

Keine Kritik an der Regierung

Aber über Chinas Politik will sie nicht reden. Kritik an der Regierung, so hat sie mit ihren Eltern verabredet, äußert sie nicht. Howey hofft, dass allein die Fakten zur Umweltzerstörung überzeugen, aktiv zu werden.

Dieses Jahr waren mehr als 53 Millionen Menschen von den Überschwemmungen in China betroffen. Diesen Menschen ein Gesicht und eine Stimme geben, das ist Howeys Anliegen.

Überschwemmungen in Ccina nahe des Poyang Lake, in Poyang County | Bildquelle: REUTERS
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In China haben Überschwemmungen, wie hier nahe des Poyang Sees in Poyang County, in den vergangenen Jahren zugenommen.

Verantwortung lastet auf ihr

In einem Nachbarort trifft sie Bauern, deren Haus von der Flut weggeschwemmt wurde. Das 30 Quadratmeter große Grundgerüst hängt schief über einem Fluss, drinnen wohnen jetzt ein Hahn und eine Ente. Die Gemüsebauern schlafen unter freiem Himmel.

Es sei die Verantwortung von Klimaaktivisten wie ihr, auf solche Schicksale aufmerksam zu machen, sagt Howey - und die Tränen laufen ihre Wange runter. Diese Verantwortung lastet schwer auf ihren Schultern. Oft hat sie das Gefühl, erzählt sie, ihr Kampf sei umsonst, sie könne nichts erreichen. "Aber wenn ich jetzt nichts tue, würde ich mir in 20 Jahren, wenn vieles zu spät ist, große Vorwürfe machen".

Kein Vergleich zu Thunberg

Vor einem Jahr demonstrierte Howey, wie auch Greta Thunberg, vorm lokalen Regierungsgebäude in ihrer Heimatstadt Guilin in Südchina. Aber während ihre gleichaltrige, schwedische Mitstreiterin zu den Vereinten Nationen eingeladen wurde, musste Howey lernen, dass in China ihr Engagement nicht erwünscht ist.

Die Polizei beendete nach einer Woche ihren Schulstreik, sie musste zum Verhör zur Staatssicherheit. Inzwischen hat auch ihre Schule ihr verboten, zurückzukehren, solange sie weiterhin Aktivistin bleibe. Auch ihre Demonstration in der Fußgängerzone findet ein jähes Ende. Ein Aufpasser in Uniform vom Straßenkomitee bittet sie, den Platz zu verlassen.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 14. August 2020 um 21:45 Uhr.

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