Ein Mann steht allein vor 4 Panzern, Peking/China, 5.6.1989 | Bildquelle: AP

Kamerahersteller Werbevideo sorgt für Aufsehen in China

Stand: 19.04.2019 13:39 Uhr

Der hessische Kamerahersteller Leica hat Ärger mit China. Der Grund ist ein Werbevideo. Darin wird ein Fotograf gezeigt, der das Massaker rund um den Pekinger Tiananmen-Platz 1989 abbildet. Ein Tabu in China.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Der knapp fünfminütige Werbefilm trägt den Namen "The Hunt" ("Die Jagd"). Er ist im Stil einer Kriegsdoku gedreht und beschreibt die Arbeit von Fotografen, die in gefährlichen Krisengebieten arbeiten. Am Ende wird kurz das Leica-Logo eingeblendet.

Einer der Handlungsstränge des Films spielt während der blutigen Niederschlagung der chinesischen Demokratiebewegung im Juni 1989 in Peking. Der Film endet mit einer Szene, in der ein Fotograf das berühmte Foto schießt, auf dem ein Mann zu sehen ist, der allein auf einer großen Pekinger Straße vor vier Panzern steht.

Die Aufnahme ist eines der bekanntesten Pressefotos des 20. Jahrhunderts. In China allerdings wird die Existenz dieses Fotos totgeschwiegen, genauso wie die blutige Niederschlagung der Demokratiebewegung insgesamt. Alles, was damit zu tun hat, ist tabu und wird zensiert.

Studentenprotest 1989, Changan Avenue, Peking/China | Bildquelle: dpa Honorar
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Studentenproteste 1989 in Peking: In China gilt das Thema als Tabu und wird zensiert.

Film von chinesischen Portalen verschwunden

So ist auch der Leica-Werbefilm von chinesischen Portalen inzwischen verschwunden, ebenso alle Einträge und Berichte zum Video. Auf Vimeo und Youtube ist es weiter verfügbar.

Inzwischen hat sich das hessische Fotounternehmens Leica von dem Inhalt des Kurzfilms distanziert, vermutlich aus Angst vor Repressionen. Es handele sich gar nicht um ein offizielles Werbevideo, sagte eine Firmen-Sprecherin der Hongkonger Zeitung "South China Morning Post". Anfragen des ARD-Hörfunks blieben bisher unbeantwortet.

Auch Kritik und Häme für Leica

China ist ein wichtiger Markt für Leica. Unter anderem arbeitet die Firma eng mit dem Smartphone-Hersteller Huawei zusammen. Im Internet gibt es inzwischen viel Lob für das Video, aber auch viel Kritik und Häme für Leica. Viele kritisieren, dass Leica sich von dem Film distanziert hat. Die Werbeagentur, die das Video produziert hat, nennt auf ihrer Webseite Leica weiter ausdrücklich als Kunden.

Am 4. Juni 1989 ließ Chinas Staats- und Parteiführung die Demokratie-Bewegung gewaltsam niederschlagen. Rund um den Tiananmen-Platz in Peking kamen Hunderte, manche sagen mehr als 1000 Menschen ums Leben. Die Verantwortlichen wurden nie zur Rechenschaft gezogen. Die heutige chinesische Führung um Staatschef Xi Jinping unterdrückt jegliche Erinnerung an den Vorfall. Angehörige von damals Getöteten und Aktivisten, die an die Demokratiebwegung erinnern wollen, werden verfolgt und bestraft.

Ärger für Leica: Chinas Behörden zensieren unbequemes Werbevideo
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
19.04.2019 12:28 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. April 2019 um 13:24 Uhr in der Sendung "Informationen am Mittag".

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