Statue des ehemaligen chinesischen Machthabers Mao Zedong in der Stadt Dandong an der Grenze zu Nordkorea | Bildquelle: AP

Nordkoreas Zukunft China bringt sich in Stellung

Stand: 22.03.2019 12:28 Uhr

Wenn sich US-Präsident Trump und Nordkoreas Machthaber Kim in Hanoi treffen, würde China am liebsten mit am Tisch sitzen. Chinas Interesse an Nordkorea ist groß - insbesondere, wenn es um eine wirtschaftliche Öffnung geht.

Von Axel Dorloff, ARD-Studio Peking

In der Grenzstadt Dandong ist er bereits bekannt: der grüne, gepanzerte Zug mit den gelben Streifen. Immer, wenn die Wagons aus Nordkorea zuletzt über die chinesisch-koreanische Freundschaftsbrücke gerollt sind, war Machthaber Kim Jong Un mal wieder auf dem Weg zu Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping. Gleich viermal innerhalb von zehn Monaten.

Dafür, dass sich die beiden zuvor als Staatschefs noch nie getroffen hatten, war die Häufigkeit der Besuche bemerkenswert, sagt Zhao Tong vom Carnegie-Tsinghua Zentrum für Globale Politik an der Tsinghua Universität in Peking.

Chinas Präsident Xi Jinping (links im Bild) bei der Begrüßungszeremonie mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un. | Bildquelle: REUTERS
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Chinas Präsident Xi Jinping (links im Bild) beim letzten Besuch von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un in Peking.

China will sich Einfluss sichern

Bei diesen Treffen sei es vor allem um eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern gegangen, glaubt Zhao. Und darum, welche Lehren Nordkorea aus der chinesischen Erfahrung ziehen könne, wenn es um Reform und Öffnung gehe.

"Es ist im geostrategischen Interesse Chinas, eine gute und enge Beziehung zu Nordkorea zu pflegen. Auch um Chinas künftigen Einfluss auf der koreanischen Halbinsel abzusichern."

Es ist noch gar nicht lange her, da sprachen viele Beobachter von einer Eiszeit in den chinesisch-nordkoreanischen Beziehungen. Selbst China schien die Geduld mit dem Nachbarn aus Nordkorea zu verlieren, der eine Atomwaffe nach der anderen testete. Zumal die Erde immer auch im chinesischen Grenzgebiet zitterte und die Menschen in Angst und Schrecken versetzte.

"Wir hoffen auf eine neue Dynamik"

Aber vor dem Gipfel in Vietnam sind auch in Peking die Hoffnungen groß, sagt Außenamtssprecher Geng Shuang.

"China hat den Dialog zwischen Nordkorea und den USA immer unterstützt. Wir hoffen, dass der zweite Gipfel zwischen den beiden Staatsführern positive Resultate bringt und eine neue Dynamik auslöst, um eine Denuklearisierung und dauerhaften Frieden auf der koreanischen Halbinsel zu erreichen."

China bringt sich dabei schon in Stellung für die Zukunft. Wenn es um eine wirtschaftliche Öffnung Nordkoreas geht, möchte das Land vorne dabei sein. Rund 90 Prozent des nordkoreanischen Handels wird derzeit über China abgewickelt.

Die Lockerung der UN-Sanktionen ist deshalb im chinesischen Interesse, sagt Nordkorea-Experte Zhao.

"Es ist sicher so, dass China und Russland jede Anstrengung unterstützen würden, die Sanktionen gegen Nordkorea zu lockern. Aber das erfordert einen breiten Konsens innerhalb der internationalen Gemeinschaft, die chinesische und russische Bereitschaft allein reichen nicht."

China pflegt die "Basketball-Diplomatie"

Viele Mittel sind China derzeit recht, um die Beziehungen zu Nordkorea zu verbessern. Auch die so genannte "Basketball-Diplomatie". Machthaber Kim Jong-Un gilt als enthusiastischer Basketball-Fan. China hat deshalb vor wenigen Monaten gleich eine ganze Sport-Delegation unter Führung des chinesischen Ex-NBA-Stars Yao Ming durch Nordkorea geschickt.

Für Politikwissenschaftler Zhao sind das wichtige Zeichen eines Austausches mit dem isoliertesten Land der Welt. Nordkorea habe sich Atomwaffen beschafft, weil es ein paranoider Staat sei, der sich immer und ernsthaft bedroht fühle, sagt Zhao.

"Diese Paranoia ist ein Resultat jahrzehntelanger, internationaler Isolation von der restlichen Welt. Wir müssen dieses fundamentale Problem der nordkoreanischen Paranoia zum Thema machen. Eine weitere Isolation des Landes hilft da überhaupt nicht. Stattdessen sollten wir Nordkorea dabei helfen, sich zu öffnen und in ein normales Land zu verwandeln."

Vieles scheint perspektivisch möglich: eine atomwaffenfreie, koreanische Halbinsel, ein Friedensvertrag, eine wirtschaftliche Öffnung Nordkoreas. Und damit perspektivisch die Neuordnung Nordost-Asiens. Dabei wird China das Feld nicht den USA überlassen.

Ziemlich gute Freunde: China und Nordkorea
Axel Dorloff, ARD Peking
27.02.2019 00:46 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Februar 2019 um 05:11 Uhr.

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