Ein Mann steht vor einem Panzer-Konvoi. | Bildquelle: picture alliance / AP

Jahrestag der Proteste in Peking China rechtfertigt Tiananmen-Massaker

Stand: 02.06.2019 11:48 Uhr

Chinas Verteidigungsminister hat das gewalttätige Niederschlagen der Proteste in Peking vor 30 Jahren gerechtfertigt. In einer seltenen Äußerung eines chinesischen Politikers zu den Vorfällen sagte er, es sei das korrekte Vorgehen gewesen.

30 Jahre nach der blutigen Niederschlagung der Proteste auf dem Pekinger Tiananmen-Platz hat China den Einsatz der Sicherheitskräfte als gerechtfertigt bezeichnet. Die Regierung habe damals "korrekt" gehandelt, indem sie Maßnahmen ergriff, um die "politischen Turbulenzen zu stoppen", sagte Verteidigungsminister Wei Fenghe bei einer Sicherheitskonferenz in Singapur. "Deshalb ist China stabil."

Er könne nicht verstehen, wieso China noch immer vorgeworfen werde, "den Vorfall nicht korrekt gehandhabt zu haben". Wei äußerte sich beim Shangri-La-Dialog, für den jedes Jahr Verteidigungsminister und hochrangige Militärs aus aller Welt nach Singapur reisen. 

Chinas Verteidigungsminister Wei Fenghe | Bildquelle: WALLACE WOON/EPA-EFE/REX
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Chinas Verteidigungsminister Wei Fenghe: "Das war das korrekte Vorgehen. Deshalb ist China stabil."

Mit Panzern gegen Studenten

Die chinesische Armee war in der Nacht zum 4. Juni 1989 mit Panzern gegen Studenten vorgegangen, die auf dem Pekinger Tiananmen-Platz wochenlang für mehr Demokratie demonstriert hatten. Hunderte - nach einigen Schätzungen auch mehr als Tausende - Menschen wurden getötet.

Die chinesische Regierung erklärte Ende Juni 1989, bei der Unterdrückung der "konterrevolutionären Aufstände" seien 200 Zivilisten und mehrere Dutzend Sicherheitskräfte getötet worden. Die Führung in Peking lässt bis heute keine echte Aufarbeitung der Vorfälle zu, Berichte über das Blutbad werden zensiert.

Aufarbeitung angemahnt

Der amerikanische Fotograf Jeff Widener mahnt dagegen an, sich mit den Vorfällen im Juni 1989 in China auseinanderzusetzen. Widener hatte auf dem Tiananmen-Platz das berühmte Foto eines Mannes geschossen, der sich vor mehrere Panzer stellte, um ihnen den Weg zu versperren. "Ich denke, es ist an der Zeit, dass China voranschreitet und Farbe bekennt im Hinblick darauf, was passierte, Familienangehörigen berichtet, was mit ihren Lieben passiert ist, damit sie das ruhen lassen können", sagte der inzwischen 62-Jährige.

Vor der chinesischen Botschaft in der US-Hauptstadt Washington erinnerten am Wochenende Dutzende Aktivisten an die Niederschlagung der Proteste. Sie trugen Transparente und elektrische Kerzen bei sich. "Ich habe das Gefühl, dass die Menschen allmählich erkennen, dass sie dieses Regime nicht länger tolerieren können", sagte der chinesische Dissident Wei Jingsheng.

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Das Massaker am Tiananmen-Platz

Ein Mann steht vor einem Panzer-Konvoi.

Dieses Bild ging um die Welt: Ein einzelner Mann in weißem Hemd und schwarzer Hose, stellte sich einem Panzer-Konvoi entgegen, der die menschenleere Straße zum Platz des Himmlischen Friedens herunterfuhr. Mehrfach versuchte der erste Panzer, den Mann zu umfahren, jedes Mal stellte dieser sich ihm erneut in den Weg. Er stieg auf den Panzer, versuchte, mit der Besatzung zu sprechen, sprang wieder ab - schließlich wurde er von zwei Männern weggezogen. | Bildquelle: picture alliance / AP

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. Juni 2019 um 11:00 Uhr.

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