Ein Smartphone mit dem Logo der Video-App Tiktok auf dem Display. Im Hintergrund eine US-Flagge. | Bildquelle: REUTERS

Trump erhöht Druck TikTok: Die Uhr läuft

Stand: 07.08.2020 14:37 Uhr

Der US-Präsident hat ein Ultimatum gestellt: Sollte die Video-App nicht innerhalb von 45 Tagen verkauft werden, werden alle Transaktionen mit dem Betreiber verboten. China ist empört - und der Konflikt mit den USA spitzt sich weiter zu.

Von Axel Dorloff, ARD-Studio Peking

US-Präsident Donald Trump fordert den Verkauf der chinesischen Videoplattform TikTok und hat den Druck auf die Beteiligten noch einmal erhöht. Sollte die Kurzvideo-Plattform TikTok nicht innerhalb von 45 Tagen verkauft werden, werden alle Transaktionen und Geschäfte mit TikTok und dem chinesischen Inhaberkonzern ByteDance verboten, hieß es aus dem Weißen Haus.

Die Begründung: Die App sammle gewaltige Mengen an Nutzerdaten und ermögliche es der Kommunistischen Partei Chinas, US-Bürger auszuspionieren. China wehrt sich gegen die Vorwürfe.

TikTok in China gar nicht verfügbar

Ken Hu aus Peking nutzt TikTok nicht - weil es die App in China gar nicht gibt. Die chinesische Version, ebenfalls vom Pekinger Unternehmen ByteDance, heißt "Douyin". Sie hat derzeit in China weit mehr als 500 Millionen aktive Nutzer pro Tag. Zu ihnen gehört auch Ken Hu.

Dass US-Präsident Donald Trump nun damit droht, die Auslandsversion TikTok vom Markt zu werfen, findet der 33-Jährige absurd. "Du kannst nicht private, kommerzielle Unternehmen mit der staatlichen Maschine zerstören", sagt er.

Er vermute, dass China zurückschlagen werde. "In meinen Augen geht das in die falsche Richtung, weil es die freie Entwicklung der Unternehmen unterbindet", sagt Hu. Und es untergrabe auch die Liebe der jungen US-Amerikaner für TikTok.

"Aktionen der USA sind Mobbing"

Was der junge Mann nicht erwähnt, ist, dass die freie Entwicklung der Unternehmen auch in China nicht funktioniert. Im Prinzip sind dort sämtliche US-amerikanische Social Media-Apps wie Twitter, Instagram, Facebook oder WhatsApp durch den staatlichen, chinesischen Zensurapparat blockiert. Trotzdem ist die Empörung über die Verordnung von US-Präsident Trump in China groß, auch bei der chinesischen Regierung.

Außenamtssprecher Wang Wenbin erklärt: "Die Unternehmen, um die es geht, halten sich in den USA an alle Marktmechanismen, Regularien und Gesetze." Die Aktionen der USA seien Mobbing. Die amerikanische Regierung schiebe Bedenken um die nationale Sicherheit als Grund vor, um Nicht-US-Unternehmen zu unterdrücken. Das sei ein "unverblümter hegemonialer Akt", so Wang.

Trump hatte zuvor eine Verfügung angekündigt und Transaktionen mit ByteDance und auch dem WeChat-Betreiber Tencent verboten. Innerhalb von 45 Tagen soll dadurch offensichtlich der Verkauf der chinesischen Video-App TikTok erzwungen werden. Die US-Regierung sieht in der Bytedance-Tochterfirma eine Gefahr und warnt vor Spionage und der Zensur chinakritischer Inhalte.

Nur ein Konflikt von vielen

Der Konflikt zwischen China und den USA spitzt sich damit weiter zu - es ist nur einer von vielen. Für Cindy Liang aus Peking ist das alles Teil des US-Wahlkampfs. Die Hoffnung liege in der Zukunft, sagt sie. Es sei schwer zu sagen, was Trump als nächstes vorhabe. Immerhin gehe es nicht nur um Technologie-Unternehmen, sondern auch Konsulate in beiden Ländern seien geschlossen worden. "Ich glaube, dass vor der Wahl noch mehr unvernünftige Dinge passieren", erklärt Liang. Danach werde sich die Situation entspannen. Sie appelliere an alle Unternehmen, egal aus welchem Sektor, durchzuhalten. In ein paar Monaten werde es wieder besser.

Das Unternehmen TikTok selbst hat sich bestürzt über die geplante Verfügung von US-Präsident Trump gezeigt und rechtliche Schritte angekündigt. Man werde alle zur Verfügung stehenden Rechtsmittel nutzen, um sicherzustellen, dass TikTok und seine Nutzer fair behandelt würden, hieß es. Das Vorgehen von Trump hat sich auch an den Börsen bemerkbar gemacht. Die Kurse in China gaben heute nach.

Unter Trump-Beschuss: die chinesische Video-App TikTok
Axel Dorloff, ARD Peking
07.08.2020 13:49 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 07. August 2020 um 14:17 Uhr auf MDR AKTUELL.

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