Der chinesische Präsidenten Xi Jinping (r) geht in der Großen Halle des Volkes zusammen mit dem US-Präsidenten Donald Trump an Nationalflaggen vorbei (Archivbild). | Bildquelle: dpa

Beziehungen USA-China Mit Corona kam die neue Eiszeit

Stand: 22.05.2020 04:22 Uhr

Die Kritik an China ist eine der wenigen kontinuierlichen Linien in der Politik von US-Präsident Trump. In der Corona-Krise legte er noch einmal nach. Dabei wäre Kooperation wichtiger denn je.

Von Torben Ostermann, ARD-Studio Washington 

Donald Trump ist nicht der erste Präsident, der die schwierigen Beziehungen der beiden Supermächte USA und China zum Thema macht. Doch anders als seine Vorgänger hat Trump China zum Sündenbock Nummer eins erklärt. Das war vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie so und gilt erst recht seitdem. Heute ist das Verhältnis zwischen den USA und China so schlecht, wie lange nicht.

Das Virus kommt aus China, ein Satz den Trump dutzendfach in Kameras sagte. Dort hätte man es eindämmen können, ja sogar müssen. In China seien Fehler gemacht worden, aus Inkompetenz oder sogar Blödheit, so der US-Präsident. Anfangs nutzte Trump regelmäßig den Begriff "Chinese Virus".

In dieser Zeit kam es vermehrt zur rassistischen Beleidigungen gegen chinesisch-stämmige US-Amerikaner. Darauf angesprochen erklärte Donald Trump, dass dies nicht seine Absicht gewesen sei und er lediglich benennen wolle, wo das Virus seinen Ursprung nahm. Die Kritik an China blieb bestehen und wurde mit den Wochen vehementer.

China-Kritik zentrales Thema für Trump

Schon während seines Wahlkampfes arbeitete sich Trump an China ab. Damals lag sein Fokus auf der Wirtschaft. Das Feindbild China funktionierte damals so gut wie heute, erklärt Bob Davis, Journalist beim "Wall Street Journal" und Experte für die chinesisch-amerikanischen Beziehungen in einem Interview bei NPR. 

"Trump führte eine richtige Kampagne gegen China", meint Davis. China zocke die USA ab, so sei sein Blick auf die Dinge. "Und die ehemaligen US-Präsidenten haben sich abzocken lassen." Donald Trump ärgerte sich maßlos über das Handelsdefizit und forderte die Führung in Peking auf, mehr Produkte aus den USA zu kaufen.

Trump in seinem Element Er sieht sich als den richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Als US-Präsident eskalierte er den schwelenden Handelskonflikt, belegte drei Viertel der Waren die von China in die USA kommen mit Strafzöllen.

Kehrtwende nach Problemen für US-Wirtschaft

Als immer deutlicher wurde, dass das der US-amerikanischen Wirtschaft schaden würde, begann die langsame Annährung. Chinesische Delegationen reisten nach Washington, um ein Handelsabkommen zu verhandeln, amerikanische Delegationen reisten mit dem gleichen Ziel nach Peking.

Mitte Januar, wenige Wochen vor dem Ausbruch der Pandemie, die feierliche Unterzeichnung des "Phase-1-Abkommens" im Weißen Haus. China verpflichtete sich unter anderem, seine Importe aus den USA über zwei Jahre um 200 Milliarden US-Dollar zu erhöhen. Davon sollen mindestens 40 Milliarden US-Dollar den Landwirten zugutekommen, einer wichtigen Wählergruppe für den US-Präsidenten. Außenpolitik trifft Innenpolitik - Donald Trump hat seine Wiederwahl fest im Blick.

Festakt mit Demütigung

Am 15. Januar 2020 fand die feierliche Vertragsunterzeichnung im Weißen Haus statt. Zum Fest im Weißen Haus hatte Trump zahlreiche Freunde eingeladen. Alle erhoben sich, als er hereinkam, etwa einen Meter hinter ihm folgten die Gäste aus China, unter ihnen Liu He, immerhin Vizepremier.

Trump wirkte zufrieden, sah sich Dealmaker, der es wieder einmal geschafft hat. Fast eine Stunde lobpreiste Trump seine Arbeit, seine Regierung sein Land. Die chinesischen Gäste standen währenddessen hinter ihm, applaudierten brav mit, ertrugen die Situation mit Fassung. Beobachter waren sich anschließend sicher, dass sich China für diese Demütigung noch revanchieren wird.

"Sie sprechen kaum noch miteinander"

Dann kam das Virus. Rasend schnell breitete es sich aus, und zwischen Washington und Peking entstand eine neue Eiszeit, vor allem zwischen den beiden Staatsoberhäuptern. Xi und Trump, die Anführer der beiden größten Volkswirtschaften der Welt, würden kaum noch miteinander sprechen, so Bob Davis.

Er habe eine gute Beziehung zu Xi, so Trump kürzlich in einem Fernsehinterview. Aber momentan wolle er nicht mit ihm sprechen. Der Kampf der beiden Supermächte verläuft leise und trotzdem folgenschwer. "Wirtschaftlich gesehen macht diese Auseinandersetzung beide Länder schwächer. Es sind die beiden größten Wirtschaftsnationen der Welt. Eine Zusammenarbeit hätte viele Vorteile, Synergien könnten entstehen", analysiert Davis.

Kooperation wichtiger denn je

Sie sollten nicht ohne- oder gar gegeneinander arbeiten, warnen zahlreiche Beobachter. Doch ein Miteinander scheint momentan weit weg. Noch überlagert die Corona-Pandemie eine Vielzahl hochkomplexer Konfliktfelder: der Streit um geistiges Eigentum, die Souveränität Hongkongs und Taiwans, Machtspiele im Südchinesischen Meer. Die Liste ist lang und ein Ende der Spannungen nicht in Sicht.
 
Davis ist sich sicher, dass der Konflikt bestehen bleibt, auch wenn nach den US-Wahlen im November ein neuer US-Präsident ins Weiße Haus einziehen sollte. Der Journalist geht davon aus, dass Joe Biden gar nichts anderes übrig bleibt, als China zum Wahlkampfthema zu machen.

Der Fokus der Demokraten könnte eher auf Menschenrechtsfragen und der nationalen Sicherheit liegen, aber das Thema China sei zentral. Auch der Handelskonflikt ließe sich, selbst wenn das überhaupt Biden wollte, nicht so schnell auflösen.

Wie steht es um die Beziehung zwischen den USA und China?
Torben Ostermann, ARD Washington
21.05.2020 22:05 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Mai 2020 um 05:15 Uhr.

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