Ein US-Dollar-Schein und ein Yen-Schein sind bedeckt von Mini-Landesflaggen von China und den USA. | Bildquelle: REUTERS

USA und China Ein dauerhafter Großmacht-Konflikt

Stand: 30.10.2020 04:49 Uhr

Die Beziehungen zwischen China und den USA haben sich in den vergangenen Jahren massiv verschlechtert. Die beiden Großmächte konkurrieren auf vielen Feldern. Wird sich daran nach der US-Präsidentschaftswahl etwas ändern?

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Viel Verbindendes oder gar Freundschaftliches ist nicht mehr zu erkennen zwischen China und den USA. Besonders lebhaft tritt das bei den werktäglichen Pressekonferenzen im chinesischen Außenministerium in Peking zu Tage. Seit Monaten kommt dort kaum eines der Pressebriefings aus ohne eine verbale Attacke in Richtung Washington.

Besonders zackig und drastisch formuliert immer wieder Außenamtssprecher Zhao Lijian. Der frühere Diplomat  hat sich vor allem auf US-Außenminister Mike Pompeo eingeschossen. 

"Jedes Mal, wenn Mike Pompeo den Mund aufmacht, ist ganz klar zu erkennen, wer hier Lügen, Falschinformationen und Kalte-Krieg-Rhetorik verbreitet. Jedes Mal, wenn Pompeo den Mund aufmacht, wachsen beim chinesischen Volk die Unterstützung für die Kommunistische Partei und die Liebe für das chinesische Vaterland."

US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping. | Bildquelle: AP
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Trump und Xi betonten anfangs ihr gutes Einvernehmen. Davon ist inzwischen nicht viel geblieben.

"Differenz zwischen Volk und Herrscher"

Der amerikanische Außenminister wird in China als einer der härtesten Kritiker der Staats- und Parteiführung wahrgenommen. Was diese ganz offensichtlich besonders ärgert, ist die Tatsache, dass Pompeo immer wieder betont, die Politik der US-Regierung richte sich gar nicht gegen das Land China oder gegen die chinesische Bevölkerung, sondern ausschließlich gegen die regierende Kommunistische Partei.

So sagte Pompeo im Juli im kalifornischen Yorba Linda, er wolle das chinesische Volk stärken. Es handele sich dabei um ein dymamisches, freiheitsliebendes Volk, das sich völlig von der Kommunistischen Partei Chinas unterscheide.

Peking will Bild allumfassender Einheit

Aus Sicht der chinesischen Staatsführung ist das eine Provokation. Denn sie versucht nach innen und außen immer wieder das Bild zu vermitteln, das Land China, die Bevölkerung, die Staatsführung und die Kommunistische Partei seien ein einheitliches, untrennbares Gebilde.

Und genau diesem Narrativ widerspricht Pompeo immer wieder. Den chinesische Regierungssprecher Zhao Lijian veranlasste das im August zu der Feststellung, er wolle Pompeo einen Rat geben.

"Wir haben mehr als genug von Ihrer Arroganz, Ihren Vorurteilen, ihren Lügen und Ihren Gerüchten! Die Kommunistische Partei und das chinesische Volk sind jederzeit füreinander da. Niemand kann Fleisch und Blut trennen, die die Partei und das Volk verbinden. Niemand wird die Kommunistische Partei brechen, ohne auch das chinesische Volk zu brechen!"

Streit in vielen Bereichen

Längst geht es bei den Spannungen zwischen China und den USA nicht mehr nur um Wirtschaftspolitik, um Handel und Zölle. Die beiden Großmächte streiten sich inzwischen um Einfluss im Asien-Pazifik-Raum, über Souveränitäts-Fragen im südchinesischen Meer, über Internet-Zensur, Technologieführerschaft, die Taiwan-Frage und vermehrt auch über die Menschenrechtslage in Hongkong, Xinjiang, Tibet und anderen Teilen Chinas.

Zusammengefasst lässt sich sagen: Es geht ums große Ganze. Manche Analytiker sprechen bereits von einem "neuen Kalten Krieg".

Schiffe im Container-Hafen von Shanghai in China
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Das Handelsvolumeder USA und Chinas ist immens: 2019 betrug es 559 Milliarden US-Dollar.

Konkurrenten kommen sich in die Quere

Der Politologe Eric Hundman, der an der privaten New York University in Shanghai lehrt, hält wenig von diesem Begriff: "Klar ist aber, dass wir uns in einem neuen Großmächte-Konflikt befinden. China wird immer mehr zu einem Konkurrenten der USA in vielen Bereichen und es sieht auch so aus, dass sich dieser Trend fortsetzt."

In China wird - zumindest in der Öffentlichkeit - das Bild vermittelt, beim Konflikt mit den USA gehe es im Kern vor allem um wirtschaftliche Fragen. Shen Dingli vom Zentrum für Amerikastudien an der Shanghaier Fudan-Universität fasst es so zusammen: 

"Die US-Regierung will nicht akzeptieren, dass die Wirtschaftsleistung Chinas schon zwei Drittel des Wertes der USA erreicht hat. Es dauert nur noch ein Jahrzehnt, dann hat China die USA in Sachen Wirtschaftskraft überholt!"

Konflikt wird nach der Wahl weitergehen

Egal, wie die US-Präsidentenwahl ausgeht, dass sich der Konflikt zwischen den beiden stärksten Weltmächten schnell entspannen wird, ist nach Ansicht der meisten Experten unwahrscheinlich.

Eine Regierung Biden würde sicherlich verbal abrüsten, was die Differenzen mit China angehe, meint der Politologe Hundman. "Allerdings handelt es sich bei den meisten Themen um grundsätzliche Widersprüche. Es würde also auch unter einem Präsidenten Joe Biden künftig Diskussionen und auch Streit geben zwischen beiden Seiten."

Kein Interesse am Wahlausgang?

In den vergangenen Tagen gab sich Chinas Staats- und Parteiführung demonstrativ gelassen, was die Wahl in den USA angeht. Außenamts-Sprecher Zhao behauptete sogar, man interessiere sich überhaupt nicht für die Präsidentenwahl.

Das ist Unsinn. In Peking wartet man mindestens genauso gespannt auf das Wahlergebnis wie in Europa, Russland und anderswo. Kenner der Materie sagen, dass eine Wiederwahl Trumps die beiderseitigen Beziehungen zwar weiter beschädigen würde.

Aber Staats- und Parteichef Xi Jinping wiederum könnte davon wohl profitieren. Denn steigt der Druck von außen auf China, kann die Führung in Peking innenpolitisch bequem am Feindbild USA festhalten.

Gekommen um zu bleiben: Der Konflikt zwischen China und den USA
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
30.10.2020 08:17 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 24. Juli 2020 um 15:36 Uhr.

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