Logo der WHO in Genf | Bildquelle: AFP

Kein Zutritt für Corona-Forscher WHO erhebt Vorwürfe gegen China

Stand: 06.01.2021 16:38 Uhr

Ein internationales Expertenteam soll in China die Ursprünge des Coronavirus erkunden. Doch die Behörden des Landes verzögern offenbar die Einreise. Die Weltgesundheitsorganisation übt ungewohnt scharfe Kritik.

Von Dietrich Karl Mäurer, ARD-Studio Zürich

Stammt das Coronavirus tatsächlich aus China? Dort, auf einem Markt der Millionenmetropole Wuhan, wurde im Dezember 2019 der Erreger erstmals nachgewiesen. Forscher vermuten, das Virus sei von Fledermäusen auf den Menschen übergesprungen. Doch an genau dieser Theorie streuen chinesische Staatsmedien immer wieder Zweifel. Mehrfach berichteten sie über Infektionen in anderen Ländern vor der Entdeckung des Virus in China. 

Ein Team aus internationalen Wissenschaftlern soll nun im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Ursprünge von Sars-CoV-2 ergründen. "Ihre Arbeit hat bereits begonnen. Sie haben per Video-Chat mit chinesischen Experten und ihren Kollegen zusammengearbeitet, um alle Aspekte zu untersuchen, woher dieses Virus kommen könnte", sagte WHO-Sprecherin Margret Harris im chinesischen Fernsehen. "Wir wissen, dass es den Viren in Fledermäusen ähnlich ist, aber gab es irgendein Tier, das ein Zwischenwirt gewesen sein könnte?"

Einreisegenehmigungen noch immer nicht erteilt

Monatelang hatte die WHO mit Peking über die Modalitäten der Forschungsreise verhandelt. Dabei ging es nicht nur um Visafragen und Quarantäneregeln, sondern jeder Experte musste von der chinesischen Seite einzeln abgesegnet werden.

Anfang Januar sollte es nun endlich losgehen mit der Mission. Mitglieder des internationalen wissenschaftlichen Teams hätten bereits die Reise aus ihren Heimatländern nach China angetreten, sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus auf einer Pressekonferenz. Dies sei so geschehen, wie es mit China und den Ländern, durch die das Team auf seinem Weg nach Wuhan reisen soll, vereinbart worden sei.

Doch die Behörden in Peking hätten die nötigen Einreisegenehmigungen noch immer nicht erteilt, so der WHO-Chef weiter. Tedros, der sich sonst mit offener Kritik an WHO-Mitgliedsländern - insbesondere an China - zurückhält, wurde ungewöhnlich deutlich: "Ich bin sehr enttäuscht über diese Nachricht, da zwei Mitglieder ihre Reise bereits angetreten hatten und andere in letzter Minute nicht mehr anreisen konnten", sagte er.

Zweifel am Aufklärungswillen Chinas

China ging umgehend in den Verteidigungsmodus über. Von Missverständnissen sprach Hua Chunying vom Pekinger Außenministerium: "Um sicherzustellen, dass die Arbeit der Wissenschaftler in China reibungslos durchgeführt werden kann, bleiben beide Seiten in enger Kommunikation über bestimmte Details wie zum Beispiel den Zeitpunkt ihrer Ankunft in China", sagte er.

Das Vorgehen Pekings nährt Zweifel am Willen der Chinesen, die Aufklärung über den Ursprung der Pandemie voranzutreiben. Tedros hingegen wird nicht müde zu betonen, wie wichtig die Reise der Experten sei: "Ich hatte Kontakt zu hochrangigen chinesischen Beamten und habe noch einmal deutlich gemacht, dass die Mission für die WHO und das internationale Team eine Priorität ist." China habe ihm daraufhin versichert, dass Verfahren zu beschleunigen.

China verzögert Expertenmission zu Coronavirus - Frustration bei der WHO
Dietrich Karl Mäurer, ARD Zürich
06.01.2021 15:48 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 06. Januar 2021 um 15:50 Uhr.

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