Wildtierschutz in China Essen verboten, handeln erlaubt

Stand: 03.03.2021 10:36 Uhr

Erstmals seit mehr als 30 Jahren hat China seine Liste geschützter Tiere erweitert. Die Corona-Pandemie hat den Tierschutz vorangetrieben. Der Verzehr von Wildtieren ist verboten, der Handel mit ihnen bleibt ein Problem.

Von Ruth Kirchner, ARD-Studio Peking, zzt. Berlin

Jahrzehntelang galten sie als Schädlinge, jetzt stehen sie auch in China unter Schutz: Wölfe, Schakale und Bengalkatzen. Auch viele Raubvögel, Wale und andere Meeressäuger sind nun geschützt. Denn zum ersten Mal seit mehr als 30 Jahren hat China seine Liste der im Land geschützten Tiere aktualisiert und um über 500 Tierarten erweitert. Insgesamt umfasst die neue Artenschutzliste nun 980 Tierarten. Tierschützer sprechen von einem bedeutenden Schritt.

Nach wie vor gibt es in China allerdings einen florierenden Schwarzmarkt für geschützte Tierarten. Und manche der neuen Bestimmungen - etwa für Marderhunde und Sikahirsche - gelten nur für wildlebende Tiere, nicht für kommerzielle Zuchtstationen.

"Wenn man diese Tiere in der Wildnis wirklich schützen will, muss man diese Lücke, also die kommerziellen Zuchtstationen schließen", sagt Grace Gabriel, Asien-Direktorin bei der Tierschutzorganisation "International Fund for Animal Welfare" (IFAW). Denn Bambusratten und Zibetkatzen, seltene Schlangen, Bären und Tiger werden in China und anderen Ländern Südostasiens immer noch oft unter erbärmlichen Bedingungen in Zuchtstationen gehalten. Dort landen auch illegal gefangene Tiere, um ihre wahre Herkunft zu verschleiern. Denn der Handel mit Wildtieren ist ein Millionengeschäft.

Wildtiere als Medizinprodukte

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie im chinesischen Wuhan und Verbindungen zu einem Wildtiermarkt dort, gibt es zwar neue Verbote - aber eben nicht für alle Züchter. "Das Verbot gilt nur für den Verzehr von Wildtieren", sagt Gabriel. "Das Verbot erstreckt sich nicht auf andere Aktivitäten, etwa Tiere für ihre Pelze zu züchten oder für vermeintlich medizinische Zwecke."

In der traditionellen chinesischen Medizin, kurz TCM, werden zwar hauptsächlich pflanzliche und mineralische Stoffe verwendet. Aber hartnäckig hält sich in China auch der Glaube, dass Tigerknochen, Pangolin-Schuppen und andere Teile von Wildtieren heilende oder gar aphrodisierende Wirkungen hätten. Und der Handel mit diesen vermeintlichen Medizinprodukten ist weiter erlaubt.

"Leichte Brise" gegen Artenschutzverstöße

Staatliche Kontrollen sind begrenzt und punktuell. So läuft noch bis Ende März die Operation "Qing Feng" - deutsch: leichte Brise. Das Staatsfernsehen zeigt, wie etwa im ostchinesischen Anyuan Beamtinnen und Beamte auf Märkten kontrollieren, dass dort niemand Wildtierfleisch verkauft.

Die Kontrolleure verteilten auch Informationsmaterial über Artenschutz, heißt es. Tierschützer fordern indes viel mehr: neben dem Verbot kommerzieller Zuchtstationen auch ein Umdenken in der traditionellen chinesischen Medizin sowie härtere Strafen für Schmuggel und Konsum von Wildtieren. "Die neue Artenschutzliste, die Änderungen der Richtlinien, das muss jetzt wirklich umgesetzt werden", sagt IFAW-Regionaldirektorin Gabriel. "Auch den Verbrauchern muss klar gemacht werden, dass ihr Konsumverhalten strafrechtliche Konsequenzen hat."

Gallenflüssigkeit gegen Covid-19

Besonders jüngere Chinesinnen und Chinesen teilen die Ansichten der Tierschützer. Denn das Bewusstsein für den Artenschutz ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Ein Tierschutzgesetz gibt es in China aber immer noch nicht. Die kommerziellen Interessen wiegen stärker.

Im vergangenen Jahr haben Expertinnen und Experten der traditionellen chinesischen Medizin für die Behandlung schwerer Covid-19-Fälle sogar Injektionen angepriesen, die Gallenflüssigkeit von Bären enthielten. Und das war völlig legal.

Mehr Schutz für Chinas Wildtiere
Ruth Kirchner, ARD Peking
03.03.2021 09:35 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. März 2021 um 11:41 Uhr.

Korrespondentin

Ruth Kirchner Logo RBB

Ruth Kirchner, RBB

Darstellung: