24. Jahrestag des Tiananmen-Massakers Chinas Behörden verhindern Gedenken

Stand: 04.06.2013 09:56 Uhr

Am 24. Jahrestag der blutigen Niederschlagung der Proteste auf dem Tiananmen-Platz in Peking hat China Gedenkveranstaltungen verhindert. Auf dem Platz des Himmlischen Friedens selbst waren mehrere Polizeiautos und uniformierte Beamte zu sehen.

Polizisten auf dem Tiananmen-Platz in Peking
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Die Kontrollen rund um den Tiananmen-Platz wurden zum Jahrestag verschärft.

Sensible Orte gesperrt

Polizisten versperrten zudem den Zugang zum Wanan-Friedhof in der chinesischen Hauptstadt, auf dem Opfer des Tiananmen-Massakers liegen. Auf dem Platz des Himmlischen Friedens selbst waren mehrere Polizeiautos und uniformierte Beamte zu sehen.

Sicherheitskräfte patrouillierten vor dem früheren Haus von Zhao Ziyang nahe der Pekinger Einkaufsstraße Wanfuqing. Der damaligen kommunistischen Parteisekretär war nach den Protesten unter Hausarrest gestellt worden. Der verstorbene Reformer hatte den Militäreinsatz gegen die Studenten verhindern wollen und war bei der Parteiführung in Ungnade gefallen.

Aktivisten fordern Aufarbeitung

Bürgerrechtler fordern seit Langem von der Kommunistischen Partei Chinas eine Neubewertung der blutige Niederschlagung der Studentenbewegung. "Wir werden niemals aufgeben, niemals aufhören, bis der 4. Juni endlich neu bewertet wird und die Seelen der Opfer in Frieden ruhen können", schrieben die Familien der Opfer des Massakers in einem Offenen Brief. Das "Mütter von Tiananmen" genannte Netzwerk der Angehörigen kritisierte besonders Chinas neue Führung unter Staats- und Parteichef Xi Jinping.

Die Anführer hätten keine Schritte nach vorne, sondern nur zurück gemacht, klagten die Aktivisten in dem von der Organisation Human Rights in China verbreiteten Brief. "Mehr als zwei Jahrzehnte nach der blutigen Niederschlagung leugnet Chinas Regierung noch immer jeglichen Fehler bei der Unterdrückung der Tiananmen-Proteste", kritisierte auch die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Die Behörden hätten das Töten vertuscht und die Täter nicht vor Gerichte gestellt. Zudem verfolgten sie die Familien der Opfer und unterdrückten die Versammlungs- und Meinungsfreiheit.

Zensur zum Jahrestag verschärft

Alljährlich unternehmen die chinesischen Behörden zum 4. Juni große Anstrengungen, um eine öffentliche Diskussion über die Ereignisse im Jahr 1989 zu verhindern. Rund um den Jahrestag wurde auch die Zensur des Internets erneut verschärft. Die Suche nach Stichworten wie "Tiananmen" ist blockiert. Die Überwachung mehrerer prominenter Dissidenten wurde nach Angaben von Menschenrechtlern verstärkt.

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Das Massaker am Tiananmen-Platz

Ein Mann steht vor einem Panzer-Konvoi.

Dieses Bild ging um die Welt: Ein einzelner Mann in weißem Hemd und schwarzer Hose, stellte sich einem Panzer-Konvoi entgegen, der die menschenleere Straße zum Platz des Himmlischen Friedens herunterfuhr. Mehrfach versuchte der erste Panzer, den Mann zu umfahren, jedes Mal stellte dieser sich ihm erneut in den Weg. Er stieg auf den Panzer, versuchte, mit der Besatzung zu sprechen, sprang wieder ab - schließlich wurde er von zwei Männern weggezogen. | Bildquelle: picture alliance / AP

Auf dem Platz des Himmlischen Friedens hatten Studierende, Menschenrechtsaktivisten und Arbeiter im Frühjahr 1989 für mehr Demokratie demonstriert. Die Regierung ließ die Kundgebungen am 4. Juni 1989 blutig niederschlagen. Dabei wurden hunderte, möglicherweise sogar tausende Menschen getötet. Peking veröffentlichte nie eine Opferzahl. Inoffizielle Schätzungen reichen von etwa 200 bis zu mehr als 3000 Toten.

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