Beerdigung von Opfern de Anschlags von Christchurch | Bildquelle: AP

Nach Anschlag auf Moscheen Erste Opfer in Christchurch beigesetzt

Stand: 22.03.2019 03:00 Uhr

Die ersten Anschlagsopfer wurden in Christchurch beigesetzt - aber noch immer sind nicht alle identifiziert, noch immer ist der Zustand vieler Verletzter kritisch. Unterdessen gibt es Ärger zwischen Australien und der Türkei.

Nach dem Attentat auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch sind am Mittwoch die ersten der insgesamt 50 Opfer beigesetzt worden. Die Leichen eines Vaters und seiner Sohnes wurden auf einem Friedhof unweit der Linwood-Moschee, dem zweiten Anschlagsort, zu Grabe getragen. Nach Gebeten wurden sie bestattet. Die beiden waren erst vor wenigen Monaten als Flüchtlinge aus Syrien nach Neuseeland gekommen.

Hunderte Trauernde hatten sich auf dem Friedhof eingefunden. Die meisten Opfer kommen aus Einwandererfamilien. Im Islam ist es eigentlich üblich, dass Tote binnen 24 Stunden beigesetzt werden. Wegen der kriminaltechnischen Untersuchungen mussten die Familien länger auf die Freigabe der Leichen ihrer Angehörigen warten, die Verzögerung sorgte bei Hinterbliebenen für Unmut.

Bislang übergaben die neuseeländischen Behörden erst die sterblichen Überreste von sechs Opfern des Attentats an die Angehörigen. Bis Dienstag seien alle 50 Autopsien abgeschlossen worden, allerdings hätten nur zwölf Opfer "zur Zufriedenheit des Gerichtsmediziners identifiziert" werden können, teilte die Polizei mit. Den Behörden sei die Frust der betroffenen Familien durchaus bewusst. "Wir tun alles, was wir können, um diese Arbeiten so schnell wie möglich abzuschließen und die Opfer an ihre Angehörigen zurückzugeben."

Neuseelands Premierministerin Ardern mit Mitgliedern der muslimischen Gemeinschaft | Bildquelle: AFP
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Neuseelands Premierministerin Ardern kündigte Schweigeminuten und eine nationale Trauerfeier an.

29 Opfer werden noch behandelt

Neuseeland will der Opfer des Anschlags am Freitag mit zwei Schweigeminuten gedenken. Eine Woche nach dem Massaker in zwei Moscheen soll das ganze Land stillstehen. Dies kündigte Premierministerin Jacinda Ardern bei einem weiteren Besuch in der Stadt an. Zu einem späteren Zeitpunkt solle es in in Christchurch eine nationale Trauerfeier geben.

Bei den Anschlägen während des Freitagsgebets waren 50 Menschen getötet worden. Bei dem mutmaßlichen Schützen handelt es sich um einen 28-jährigen rechtsextremen Australier. Noch immer werden 29 Verletzte in verschiedenen Krankenhäusern behandelt. Unter den acht Menschen, die noch in "kritischem Zustand" sind, ist auch ein vierjähriges Mädchen.

Ärger um Erdogan-Aussagen

Unterdessen gibt es infolge des Anschlags auch diplomatischen Streit. Australien Regierungschef Scott Morrison bestellte aus Verärgerung über Äußerungen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zu den Angriffen den türkischen Botschafter ein. Erdogan hatte im türkischen Wahlkampf die Anschläge als Angriffe auf den Islam und auch auf die Türkei verurteilt.

Zugleich warnte er, wenn Australier mit antimuslimischer Gesinnung in die Türkei kämen, würden sie im Sarg zurückgeschickt "wie ihre Großväter" während der Schlacht von Gallipoli im Ersten Weltkrieg. Damals starben zwischen Februar 1915 und Januar 1916 mehr als 8000 Australier und mehr als 2000 Neuseeländer, insgesamt kamen auf beiden Seiten mehr als 100.000 Soldaten ums Leben. Die osmanischen Truppen unterstützt von Deutschland und Österreich-Ungarn siegten. 

Australiens Regierungschef Morrison bezeichnete die Aussagen Erdogans als "sehr beleidigend für Australier" und "rücksichtslos in dieser sehr sensiblen Situation". Die angebotenen Entschuldigung lehnte Morrison ab und forderte eine Klarstellung und Rücknahme der Äußerungen.

Am 31. März wird in der Türkei gewählt. Seit dem Wochenende nutzt Erdogan Ausschnitte des Videos aus Christchurch, um angeblich wachsenden Hass und Vorurteile gegen den Islam zu belegen.

Der mutmaßliche Attentäter hatte seine Bluttat gefilmt und live im Internet übertragen. Wegen der Verbreitung des Live-Videos wurden in Neuseeland bereits zwei Menschen angeklagt. Ein Teenager sitzt deswegen in Haft. Nun wurde auch Anklage gegen einen 44-Jährigen wegen der Verbreitung unzulässigen Materials erhoben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. März 2019 um 07:00 Uhr.

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