Künstliches Fleisch aus dem Labor in einer Petrischale | Bildquelle: picture alliance / David Parry /

"Clean Meat" Echtes Fleisch - nur künstlich

Stand: 06.06.2018 08:51 Uhr

Schon bald könnte sogenanntes "Clean Meat" in den Handel kommen - echtes Fleisch, das nicht am Tier gewachsen ist, sondern aus Stammzellen gezüchtet wurde. Manche Verbraucher sind skeptisch.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Gut ein halbes Dutzend Unternehmen in San Francisco und im Silicon Valley arbeiten an der Entwicklung von künstlichem Fleisch. Paul Shapiro hat dazu im Januar ein Buch veröffentlicht: "Clean Meat" - sauberes Fleisch. Gemeint ist Fleisch, das nicht von einem Tier stammt, sondern in einem Bio-Reaktor gezüchtet wurde. Unterschied: keiner. Es ist richtiges Fleisch, gewonnen aus den Stammzellen von Rindern, Schweinen oder Geflügel.

Es handle sich um Millionen von Stammzellen, sagte Shapiro im Interview mit der BBC. "Wenn man die in eine Reagenzschale gibt und ihnen vorgaukelt, sie befänden sich in einem tierischen Körper, dann wachsen sie zu Muskelmasse heran." Es sei keine Alternative zu Fleisch, kein Ersatz: "Es handelt sich um echtes Fleisch - nur, dass man dafür keine Tiere großziehen und schlachten muss."

Skepsis bei den Verbrauchern

Fragt man aber Verbraucher, ob er künstlich hergestelltes Fleisch essen würde, fällt die Antwort eindeutig aus. "Eklig" findet einer das. "Das hört sich nicht richtig an. Ich will nichts künstlich Hergestelltes essen. Ich finde das daneben."

Viele Wissenschaftler sehen das anders. Uma Valeti ist Chef von Memphis Meat im Silicon Valley, Microsoft-Gründer Bill Gates und der britische Unternehmen Richard Branson haben in sein Unternehmen investiert. Valeti findet: Unser heutiges Fleisch ist verunreinigt. "90 Prozent unseres Fleisches - sei es Rinderhack, Schweinefleisch oder Hühnchen - sind mit Fäkalkeimen kontaminiert. Wir finden darin Salmonellen oder Campylobacter-Bakterien." Die Liste lasse sich beliebig fortsetzen. Aber das sei nur der eine Teil des Problems.

Der andere Teil lautet: Die Massentierhaltung ist für die Abholzung der Wälder mitverantwortlich, damit dort Tiernahrung angebaut werden kann. Riesige Mengen Wasser sind ebenso nötig wie der massive Einsatz von Antibiotika. Das glückliche Rind auf einer grünen Weide sei eine Mär, meint Buchautor Shapiro.

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Pflanzliche Proteine statt Blutserum?

Ähnlich sieht das auch Josh Tetrick. Er ist Chef von Just - ein Unternehmen in San Francisco, das schon seit einigen Jahren am Fleisch aus der Retorte arbeitet. Die ganze vegane Bewegung, wo sich jeder nur von Pflanzen ernährt, nennt er in der BBC "Bullshit". "Mehr Menschen essen heute Fleisch als gestern", sagt er. "Fleisch gehört zu unserer Identität, es ist Teil unserer Kultur. Einem armen Menschen zu erklären, er soll doch besser ein veganes Hühnchen essen, ist unrealistisch."

Bei Just arbeiten die Wissenschaftler daran, wie sie auch das letzte ethische Problem mit dem Kunstfleisch knacken können. Bislang wird zur Herstellung nämlich Blutserum von Tieren verwendet. In dem stecken Proteine und die werden für das Wachstum des Fleischs benötigt. Genau damit soll aber bald Schluss sein, sagt die Wissenschaftlerin Parendi Birdie. "Wir analysieren zurzeit die Proteine von Pflanzen. Tiere ernähren sich von Pflanzen. Kühe essen Gras." Man suche derzeit nach pflanzlichen Proteinen, in denen sich die Zellen genauso wohlfühlen und natürlich wachsen.

Das Unternehmen hat es mittlerweile geschafft Schweine, Rinder- und Geflügelhack nachzubauen. Es könnte in den kommenden ein bis zwei Jahren auf den Markt kommen. Geschmacklich soll es keinen Unterschied geben.

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Hamburger, Nuggets und Pasteten

Nur ein saftiges Steak stelle die Wissenschaftler noch vor ein Problem, sagt Chefingenieur Peter Licari. "Die ersten Produkte werden Hamburger, Nuggets oder Pasteten sein." Mit der Zeit könne man aber auch Strukturen und Maserungen entwickeln. "Das erreichen wir durch den Einsatz von unterschiedlichen Stammzellentypen." Erste Tests seien erfolgversprechend verlaufen.

Ali Bouzari in San Francisco ist Bio-Chemiker und gelernter Koch. Er glaubt, dass Verbraucher sich sehr schnell an das Kunstfleisch gewöhnen könnten - vorausgesetzt, es schmecke und die Konsistenz stimme. "Wenn das aber nicht gelingt, dann dürfte es unglaublich schwer werden."

Fleisch aus der Retorte
Marcus Schuler, ARD Los Angeles
06.06.2018 08:49 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 6. Juni 2018 um 6.16 Uhr.

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