Ein Mann gedenkt der Opfer. | Bildquelle: AFP

20 Jahre nach Columbine-Amoklauf "Das ist, als ob man den Tod feiert"

Stand: 20.04.2019 05:23 Uhr

Vor 20 Jahren erschossen zwei Jugendliche an der Columbine High School zwölf ihrer Mitschüler und einen Lehrer. Für viele der Betroffenen ist die Erinnerung an den Tag eine Qual, an der sie fast zerbrechen.

Von Martina Buttler, ARD-Studio Washington

Sie brauchen keinen Eintrag im Kalender, um sich den Tag zu merken. Es ist ein Tag, den Michael Shoels am liebsten aus dem Kalender streichen würde. Sein Sohn Isaiah ist an der Columbine High School erschossen worden. Der 20. April ist für ihn ein besonders schwerer Tag: "Das ist, als ob man den Tod feiert", sagt er. "Seinen Geburtstag am 4. August, den feiern wir. Am 20. versuchen wir, so weit es geht von der Sache wegzubleiben."

Rosen erinnern bei den Gedenkfeiern im Jahr 1999 an die Opfer des Amoklaufs von Columbine. | Bildquelle: AP
galerie

Rosen erinnern bei den Gedenkfeiern im Jahr 1999 an die Opfer des Amoklaufs von Columbine.

In der Columbine High School ist es offiziell ein "Tag des Freiwilligendienstes". Am Jahrestag werden sich ehemalige Schüler und Lehrer hinter verschlossenen Türen treffen. Nachmittags gibt es dann eine öffentliche Veranstaltung an der Gedenkstelle hinter der Schule.

Nur wenige Meter von der Schule entfernt, hinter den Sportfeldern, liegt die Gedenkstätte. Ein Kreis mit Inschriften der Opfer ist der Mittelpunkt, drumherum eine Mauer mit Statements von Schülern, Eltern, Lehrern. "Ich hatte keine Antworten" steht da.

"Ich denke, dass dies die letzte öffentliche Gedenkfeier wird, die wir machen", sagt der ehemalige Schulleiter, Frank De Angelis. "Es ist interessant, dass beispielsweise nach Parkland nicht so eine große Gedenkfeier gemacht wurde." An der Columbine High School habe man es zum ersten, zweiten, dritten, fünften und zehnten Jahrestag gemacht - und jetzt wieder. "Die anderen haben das privater gemacht", sagt De Angelis. "Davon können wir lernen."

"Licht am Ende dieses dunklen, vertrackten Tunnels"

Heather Martin merkt schon seit Wochen, dass das Erinnern, dieser 20. April hart werden wird. Sie wird in ihre alte Schule gehen, aber sie will sich zu nichts verpflichten. Wenn es ihr an diesem Tag wirklich schlecht geht, will sie die Möglichkeit haben, alle Termine abzusagen. Denn wie der Tag wird, weiß man nie - die Erfahrung hat Heather in den vergangenen 20 Jahren oft genug gemacht:

"Der 15. Jahrestag war einer der einfachsten, die ich je erlebt habe. Der 16. war ganz okay. Beim 17. war ich komplett fertig. Man weiß das nie vorher."

alt Von Polizisten geschützt rennen Schüler am 20. April 1999 in Littleton (Colorado) aus der Columbine High School.

Der Amoklauf an der Columbine High School

Das Massaker vor 20 Jahren an der Columbine High School im US-Bundesstaat Colorado hat sich tief in die kollektive Psyche der Vereinigten Staaten eingebrannt. Am 20. April 1999 erschossen zwei Teenager an der Oberschule in Littleton, einem Vorort von Denver, zwölf Mitschüler und einen Lehrer, 24 weitere Menschen wurden verletzt. Anschließend töteten der 18-jährige Eric Harris und der 17-jährige Dylan Klebold sich selbst. 
Columbine war das bis dahin schlimmste Schulmassaker der US-Geschichte. Es folgte eine lange Serie von Amokläufen an US-Schulen und Hochschulen.

Aber die Botschaft der Columbine High School an diesem Tag ist für sie völlig klar: "Da ist Licht am Ende dieses dunklen, vertrackten Tunnels. Ich bin stolz, wie weit wir gekommen sind. Stolz darauf, Columbine zu sein und der Welt zu zeigen, dass man die unüberwindlichsten Hindernisse doch überwinden kann."

De Angelis, ein gläubiger Katholik, freut sich, wenn alles vorbei ist: "Ich freue mich auf den 21. April, Ostersonntag. Für mich ist das sehr symbolträchtig, weil es einen Neuanfang bedeutet."  

Aber der 20. April wird auch in allen kommenden Jahren eine Zäsur im Leben der Hinterbliebenen und Überlebenden sein. Der Tag, der alles verändert hat.

 

„Never forgotten“: Gedenkfeier 20 Jahre nach der Schießerei an der Columbine High
Martina Buttler, ARD Washington
19.04.2019 21:40 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 20. April 2019 um 06:50 Uhr.

Darstellung: