Cos-Player, als Ghost-Buster-Figuren verkleidet.

Messe Comic-Con beginnt Alle Macht den Superheldinnen!

Stand: 21.07.2016 12:00 Uhr

Für San Diego bedeutet die Comic-Con den Ausnahmezustand: "Cos Player" prägen das Stadtbild, die sich wie ihre Lieblingshelden kleiden. Frauen dringen dabei immer mehr in eine ursprünglich von Männern dominierte Fantasiewelt vor.

Von Wolfgang Stuflesser, ARD-Studio Los Angeles

Im Kino sind die "Avengers" gerade das Nonplusultra des Blockbusters: Maximales Budget, maximale Starpower - maximaler Profit. Diese Superheldengruppe, zu der Iron Man, Thor, Hulk und Captain America gehören, hat der Comic-Schmiede Marvel und damit dem Disney-Konzern als Mutterfirma bereits Milliarden eingebracht.

"Frauen sind in der Mehrheit - warum nicht bei Comics?"

Janina Scarlett ist Psychologin und selbst Comic-Fan. Sie wird auf der Comic-Con bei einem der Panel über Frauen in Comics und Comic-Verfilmungen diskutieren. Denn da gibt es ein Problem: "Wir sehen immer noch weit weniger weibliche als männliche Charaktere. Selbst bei den 'Avengers' gibt es im Moment nur zwei Superheldinnen: Black Widow und Scarlet Witch, neben einer Fülle von Männern. Dabei stellen Frauen 51 Prozent der Menschheit - also sollte auch im Film das Verhältnis von Frauen- und Männerfiguren ungefähr gleich sein."

Scarlett Johansson
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Scarlett Johansson soll als Superheldin Black Widow mit einem eigenen Film in die Kinos kommen.

Black Widow zum Beispiel ist mit Scarlett Johansson hochkarätig besetzt. Noch traut ihr Marvel aber offenbar nicht zu, mit einem eigenen Film das nötige Publikum zu ziehen, während bei Thor bereits der dritte Solo-Film in Arbeit ist. Doch es gibt Hoffnung: Der zweite große Comic-Verlag neben Marvel ist DC-Comics, mit Batman und Superman als wohl bekanntesten Helden. Und DC bringt nächsten Juni Wonder Woman auf die Leinwand, besetzt mit der Israelin Gal Gadot. Sie hatte schon im März bei "Batman vs. Superman" einen Gastauftritt - und musste den männlichen Titelhelden erst mal beweisen, dass auch sie kämpfen kann.

Gütig, freundlich, liebevoll - und trotzdem stark

Patty Jenkins hat beim bereits abgedrehten "Wonder Woman"-Film Regie geführt. Ihrer Ansicht nach fügt die Figur dem Superhelden-Kanon ein neues Element hinzu: Sie sei gütig, freundlich und liebevoll, ohne dass das ihrer Stärke Abbruch tut. Während das Superhelden-Kino also langsam aufholt, sind die Comics schon weiter: 1940, zwei Jahren nach dem ersten Superman-Heft, gab es schon schon eine weibliche Superheldin. Und gerade Marvel hat in jüngster Zeit einiges gewagt: Seit zwei Jahren gibt es die Figur der Kamala Khan, eine pakistanisch-stämmige Amerikanerin und die erste Superheldin muslimischen Glaubens.

Wonder-Woman-Plakat (Archiv)
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"Wonder Woman" (hier auf einem Filmplakat) ist nicht die einzige Superheldin der Comic-Geschichte.

"Die Figur entstand aus dem unterbewussten Wunsch von Frauen auf der ganzen Welt, in Comics angemessen repräsentiert zu werden," sagt ihre Schöpferin Sana Amanat. "Von kleinen, muslimischen, nerdigen Frauen wie mir - und allen anderen, die sich als Außenseiter fühlen." Im Gegensatz zum Aufschrei der Fans beim rein weiblichen neuen Ghostbuster-Film war Kamala Khan ein voller Erfolg. Ebenso wie die Figur der Jane Foster, in den Thor-Filmen gespielt von Natalie Portman, die in der jüngsten Comic-Reihe ein weiblicher Thor ist, oder die Figur der Afroamerikanerin Riri Williams, die demnächst von Tony Stark die Iron-Mann-Rüstung übernimmt.

Comics müssen auch die reale Welt abbilden

Marvel spielt also bewusst mit den Geschlechterkonventionen, weit mehr als in den Filmen, bei denen womöglich das enorme Budget manch mutige Idee und Risikobereitschaft im Keim erstickt. Nun sagen manche Kritiker: Superhelden an sich sind ja schon total unrealistisch - warum müssen die Comics und Filme dann in anderen Punkten wie Geschlechterverhältnis oder der Vielfalt von Rassen und Religionen realistisch sein?

Sie müssen, sagt Mike Rugnetta, Comic-Experte beim US-Fernsehsender PBS: "Wir lernen schon von kleinauf, unrealistische Figuren zu erkennen und von ihnen zu abstrahieren. Aber die persönlichen Beziehungen in den Geschichten oder die gesellschaftlichen Verhältnisse, die nehmen wir immer für bare Münze." Man bringe uns bei, dass Superhelden unrealistisch sind - aber nicht, dass es genau so unrealistisch ist, jeden Muslim aus dem Nahen Osten als Terroristen darzustellen, sagt er.

Superhelden spielen in der amerikanischen Popkultur wie im Alltag eine große Rolle: Schon Kindergartenkinder tragen Captain-America-T-Shirts und gehen an Halloween als Batman. Die Jungs zumindest. Wäre ja nicht schlecht, wenn die Mädchen demnächst auch eine größere Auswahl haben, als nur eine der vielen Disney-Prinzessinnen zu sein.

Dieser Beitrag lief am 21. Juli 2016 um 05:22 Uhr im Deutschlandradio Kultur.

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