Geschlossener Wildtiermarkt in Wuhan (Archiv) | Bildquelle: AFP

Streit um Coronavirus China droht Australien mit Boykott

Stand: 27.04.2020 11:46 Uhr

Welche Mitschuld tragen chinesische Behörden am Ausbruch der Corona-Pandemie? Unter anderem Australien will diese Frage mithilfe einer internationalen Untersuchung klären - und verärgert damit Peking.

Im Streit über eine gründliche Aufarbeitung des Corona-Ausbruchs in Wuhan verschärft sich der Ton zwischen China und Australien. Der chinesische Botschafter in Canberra hat mit einem Boykott australischer Waren gedroht.

Eine Untersuchung, die sich auf die Verantwortung Chinas für die weltweite Ausbreitung des Virus fokussiert, könnte "gefährliche" Folgen für die australische Tourismusindustrie und Landwirtschaft haben, so Botschafter Cheng Jingye gegenüber der Zeitung "Australian Financial Review".

"Frustriert, bestürzt, enttäuscht"

Die chinesische Öffentlichkeit sei "frustriert, bestürzt und enttäuscht" angesichts der Forderung Australiens, das chinesische Krisenmanagement nach dem ersten Auftreten des Erregers SARS-CoV-2 in Wuhan international zu untersuchen, sagte Cheng.

"Sollte die Stimmung schlechter werden, könnten die Menschen denken: 'Warum sollten wir in ein Land reisen, das sich gegenüber China nicht so freundlich verhält?", sagte Cheng weiter. "Vielleicht werden die einfachen Leute sagen: 'Warum sollten wir australischen Wein trinken? Warum australisches Rindfleisch essen?'" China ist der größte Exportmarkt für Wein und Rindfleisch aus Australien.

Studierende als Druckmittel

Der Botschafter verwies außerdem auf viele chinesische Studierende, die an australischen Universitäten eingeschrieben und eine wichtige Einkommensquelle für Australiens Wirtschaft sind. Eltern dieser Studenten könnten in Zukunft überdenken, ob ein Ort, "der nicht so freundlich, sondern sogar feindselig" gegenüber China eingestellt sei, der beste Studienplatz für ihre Kinder sei, sagte Cheng.

Der Diplomat warf Australien vor, chinafeindliche Äußerungen der US-Regierung zu übernehmen. "Einige Leute versuchen, China für ihre eigenen Probleme verantwortlich zu machen und die Öffentlichkeit abzulenken", kritisierte Cheng in Anspielung auf US-Präsident Donald Trump.

"Keine angemesse Antwort"

Die australische Außenministerin Marise Payne warnte die Regierung in Peking davor, Australien ökonomisch unter Druck zu setzen. Dies sei keine angemessene Antwort auf den Vorstoß ihrer Regierung, erklärte Payne. Vielmehr sei weltweite Zusammenarbeit vonnöten.

Australiens Regierung hatte kürzlich gemeinsam mit mehreren anderen Staaten gefordert, dass internationale Inspektoren die Sicherheitsbedingungen in chinesischen Laboren überprüfen sollten. Gesundheitsminister Greg Hunt sagte, eine unabhängige Untersuchung sei im Interesse Australiens und der Welt.

Anhaltende Spekulationen über Virusherd

Hintergrund sind Spekulationen, dass der Erreger nicht von einem Tiermarkt, sondern aus einem Labor in Wuhan stammen könnte. Der Weltgesundheitsbehörde zufolge gibt es dafür aber bisher keine Belege.

Das Pekinger Außenministerium erklärte, China sei Opfer von Desinformationen und nicht ihr Urheber. Ein Ministeriumssprecher reagierte damit auf eine Frage von Journalisten nach einem kritischen Bericht der Europäischen Union. Darin wird angedeutet, dass China Falschinformationen über den Virusausbruch verbreitet habe.

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