Kunden in einem Supermarkt in Shanghai - natürlich nicht ohne Atemschutzmaske | Bildquelle: AFP

Coronavirus in China Endlich wieder etwas Alltag

Stand: 11.03.2020 14:48 Uhr

Gut sechs Wochen nach Ausbruch des Coronavirus kehrt in China langsam wieder Alltag ein - mit Ausnahme der Provinz Hubei. Vielerorts rücken nun die wirtschaftlichen Folgen in den Fokus.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Der Besuch von Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping in Wuhan am Dienstag war ein klares Zeichen. Ein Zeichen der Staatsführung an die eigene Bevölkerung, nach dem Motto: Schaut her, wir haben die Lage im Griff, das Schlimmste ist bei uns überstanden.

Und tatsächlich sinken die offiziellen Ansteckungszahlen in China seit Tagen. Auch das Alltagsleben hat sich verbessert - zumindest für all die Menschen in China, die außerhalb der 60-Millionen-Einwohner-Provinz Hubei leben. Im Großraum Shanghai zum Beispiel wird in Firmen, Büros und Fabriken wieder gearbeitet. Die Leute gehen auch sonst wieder raus, stehen morgens also im Stau oder in der überfüllten U-Bahn und gehen abends essen.

Corona-Epidemie: Auswirkungen auf den Alltag in China
tagesschau24 11:15 Uhr, 13.03.2020, Daniel Satra, ARD Peking

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Nie ohne Schutzmaske

Aber immer noch tragen fast alle Menschen einen Mundschutz. Vor Bürogebäuden wird Besuchern nach wie vor die Temperatur gemessen. Und in vielen Restaurants ist nach wie vor sehr wenig los - weil immer noch viele Angst haben, sich dort mit dem Corona-Lungenvirus anzustecken.

"Wir haben zwar schon seit zehn Tagen, seit dem 1. März, wieder göffnet. Aber vor allem in den ersten Tagen war überhaupt nichts los bei uns," sagt die Mitarbeiterin eines Schnellrestaurants im Shanghaier Stadtteil Gubei. Das Restaurant liegt in einem Einkaufszentrum, das umringt ist von Bürohochhäusern. Eigentlich also eine Toplage für ein Restaurant.

Pleitegefahr wächst

"Aber noch bis vor einigen Tagen wurde in den Büros hier in der Gegend noch nicht wieder gearbeitet", erzählt die Mitarbeiterin weiter. Vor allem in der Mittagspause gebe es also kaum Kundschaft. "Weil viele noch nicht rausgehen zum Essen. Und natürlich macht mir das Sorgen. Meinem Chef natürlich erst recht. Der Shoppingmall-Betreiber hat aber zumindest versprochen, unsere Miete zu reduzieren."

Vier bis sechs Wochen lang keine Kundschaft - dafür aber Fixkosten wie Miete und Personal: Überall in China droht Restaurants, Geschäften und kleinen Betrieben deswegen die Pleite.

Besonders angespannt ist die Situation nach wie vor in der Provinz Hubei. Vor allem in der Hauptstadt Wuhan, von der aus sich das Virus Anfang des Jahres ausgebreitet hat. Immer noch können sich Dutzende Millionen Menschen nicht frei bewegen. Seit einigen Tagen aber dürfen die Menschen in Hubei zumindest teilweise wieder innerhalb der Provinz reisen. Auch haben einige Geschäfte, Firmen und Fabriken in Hubei zum Teil wieder aufgemacht.

Kinder spielen auf einer Dachterrasse in der chinesischen Stadt Wuhan | Bildquelle: REUTERS
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Immer noch gilt in Wuhan, Hauptstadt der Provinz Hubei, ein weitgehendes Ausgehverbot. Damit die Kinder zumindest etwas frische Luft bekommen, wird eben auf den Dachterrassen gespielt.

Wenn der Kurzbesuch zum Langzeitaufenthalt wird

Auch die Stadt Shiyan liegt in Hubei, etwa 400 Kilometer nordwestlich der Provinzhauptstadt Wuhan. Dort wohnt die 28-Jährige Lili seit Ende Januar mit ihren Eltern zusammen in einer kleinen Wohnung. Eigentlich lebt Lili in Peking. Sie wollte ihre Eltern nur für ein paar Tage besuchen - dann aber kam die Ausgangssperre.

"Ich war jetzt einfach zu lange eingesperrt", erzählt sie am Telefon. Zu Beginn habe sie sich einigermaßen okay gefühlt, aber "in den letzten zehn Tagen hat sich meine Stimmungslage geändert, von besorgt zu verängstigt. Es ist nun einfach zu lange her, seit ich das letzte Mal draußen war." Ihr Tagesablauf habe sich völlig verändert. "Ich verbringe jetzt seit mehr als 40 Tagen jeden Tag ganz eng mit meinen Eltern. Das ist eine beispiellose Erfahrung. Sehr speziell und kompliziert."

RKI-Chef warnt: Krise in China nicht beendet

Auch nach einer Abschwächung der Ausbreitung des Coronavirus in China wird sich der Erreger nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts weiter in dem Land verbreiten. Er rechne mit einem Wiederanstieg der Infektionen, wenn die Abschottung aufgehoben werde, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler. Die Entscheidung, die Stadt Wuhan abzuriegeln, sei natürlich eine drastische Maßnahme gewesen - aber eben auch eine wirksame.
Man müsse sich im Klaren darüber sein, dass wenn diese Absperrung aufgehoben werde, "dann ist das Virus natürlich nicht aus der Welt verschwunden." Es werde selbstverständlich wieder eine Zunahme von Fällen geben. "Das sind verschiedene Wellen." Aber kein Mensch wisse, wann das sein werde und in welchem Ausmaß. Es sei naiv, zu erwarten, dass das Virus aus einem Land herausgehalten werden könne.

Jetzt sind Europäer die Schreckgespenster

Heute, erzählt Lili, durfte sie zum erstem Mal seit Wochen wieder rausgehen. Doch landesweit gilt in China weiterhin: So gut wie alle Schulen und Universitäten bleiben bis auf Weiteres geschlossen. Der Unterricht läuft überwiegend online.

Und weiterhin gilt auch in ganz China: Das Misstrauen gegenüber allen, die irgendwie kränklich erscheinen, ist riesig groß. Außerdem wächst das Misstrauen gegenüber Menschen, die aus Mitteleuropa nach China reisen. Denn die chinesischen Staatsmedien berichten sehr intensiv über die steigenden Fallzahlen in Italien, Deutschland und anderen europäischen Staaten.

Coronavirus-Krise: Das Leben in China normalisiert sich langsam
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
11.03.2020 13:36 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 11. März 2020 um 13:29 Uhr.

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