Menschen mit Mund-Nasen-Schutz in einer Pariser U-Bahn-Station | Bildquelle: AP

Rekord an Neuinfektionen Corona-Tristesse in Frankreich

Stand: 25.10.2020 20:43 Uhr

Die Corona-Lage in Frankreich verschlechtert sich weiter: Mehr als 52.000 Neuinfektionen bedeuten einen traurigen Tagesrekord. Die Regierung bereitet das Land auf einen "schwierigen November" vor. Schon jetzt gelten Ausgangssperren.

Unaufhörlich steigen die Corona-Fallzahlen in Frankreich. Nach zuletzt mehr als 40.000 Neuinfektionen pro Tag meldeten die Behörden in Paris nun einen neuen Tagesrekord: 52.010 Menschen infizierten sich binnen 24 Stunden. Zuletzt waren rund 17 Prozent der Corona-Tests positiv.

Premierminister Jean Castex hatte jüngst gewarnt, die Neuinfizierten seien die "im Krankenhaus liegenden Kranken von morgen" und Frankreich einen "schwierigen November" vorhergesagt. Ähnlich äußerte sich auch Gesundheitsminister Olivier Véran: Die Situation werde sich "in den kommenden Tagen und Wochen verschlimmern - egal, was wir tun", warnte er. Auch Präsident Emmanuel Macron hatte sich zuletzt besorgt über die sich sehr stark beschleunigenden Epidemie geäußert.

Seit Samstag wurden 116 neue Todesfälle gemeldet. Damit starben seit Beginn der Pandemie in Frankreich mindestens 34.761 Menschen in Zusammenhang mit dem Coronavirus. Etwa 2500 Infizierte befinden sich laut Gesundheitsbehörden auf der Intensivstation. Mehr als eine Million Franzosen haben sich seit Beginn der Pandemie mit dem Virus infiziert.

Medizinisches Personal und ein Covid-19-Patient in Gonesse bei Paris | Bildquelle: AFP
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Medizinisches Personal und ein Covid-19-Patient in Gonesse bei Paris

Nächtliche Ausgangssperren

In den Griff bekommen will die französische Regierung die Lage unter anderem mit der Ausweitung der Ausgangssperre auf zwei Drittel der Bevölkerung. Seit Samstag dürfen 46 Millionen Franzosen ihre Häuser in der Zeit zwischen 21.00 und 06.00 Uhr nicht verlassen. Die Regelung gilt zunächst für sechs Wochen.

Für den Fall, dass alle bereits getroffenen Maßnahmen nicht greifen, warnte Premierminister Castex vor "noch härteren" Beschränkungen. "Alles ist auf dem Tisch", sagte auch der Epidemiologe Arnaud Fontanet vom Wissenschaftsrat, einem Beratergremium der französischen Regierung. Das Coronavirus mache "viel schneller die Runde als im Frühling", sagte Fontanet am Freitag im Sender BFM TV. Noch hoffe er, dass sich eine landesweite Ausgangssperre wie während der ersten Welle vermeiden lasse, "weil wir alles tun, um das zu vermeiden", fuhr Fontanet fort. Örtlich begrenzte Ausgangssperren aber seien "ein Teil der Optionen". 

Parlamentsdebatte über Gesundheitsnotstand

Am Samstag hatte das französische Parlament zudem für eine Verlängerung des Gesundheitsnotstands bis zum 16. Februar gestimmt. 71 Abgeordnete votierten am Samstag in erster Lesung für den umstrittenen Gesetzentwurf der Regierung, 35 Parlamentarier lehnten ihn ab. Die Opposition warnte vor einer Beschneidung der Freiheitsrechte.

Am Mittwoch soll im Senat über das Vorhaben beraten werden, die abschließende Abstimmung ist für Anfang November geplant. Der Gesundheitsnotstand gibt der Regierung die Möglichkeit, im Kampf gegen das Virus Maßnahmen wie etwa Ausgangssperren oder Beschlagnahmungen im Schnellverfahren umzusetzen. Sie kann zudem rasche Maßnahmen zur Unterstützung der Wirtschaft in der Krise beschließen. Er war erstmals Ende März ausgerufen worden. Im Juli wurde er zunächst aufgehoben, Mitte Oktober setzte ihn die Regierung angesichts der massiv steigenden Corona-Zahlen per Dekret erneut in Kraft. Für eine weitere Verlängerung ist aber die Zustimmung des Parlaments nötig.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. Oktober 2020 um 21:00 Uhr.

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